Bayer nach Glyphosat-Urteil: Sammelvergleich und Aufspaltung im Fokus
Das Supreme-Court-Urteil stärkt Bayers Position im Glyphosat-Streit – nun rücken Schuldenabbau und Konzernstruktur in den Vordergrund.

Das richtungsweisende Urteil des US-Supreme-Courts im Glyphosat-Streit gibt Bayer neuen Rückenwind. Der Konzern will den juristischen Erfolg nutzen, um einen milliardenschweren Sammelvergleich voranzutreiben und sich wieder stärker auf das operative Geschäft zu fokussieren. „Die vergangenen 90 Tage waren eine entscheidende Phase in den jahrelangen Bemühungen des Unternehmens, die Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen", erklärte Vorstandschef Bill Anderson bei der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag. „Wir sind durch das Urteil in einer stärkeren Position."
Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Ende Juni entschieden, dass Kläger Bayer nicht wegen eines fehlenden Krebswarnhinweises auf dem Etikett des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup belangen können. Hintergrund: Die US-Umweltschutzbehörde EPA hatte Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft und Etiketten ohne entsprechenden Warnhinweis genehmigt. Dennoch hatten Geschworenengerichte in einzelnen US-Bundesstaaten Bayer zuvor wiederholt zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt.
Die Klagewelle, die sich Bayer mit der Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eingehandelt hatte, belastet den Konzern seit Jahren und kostete viele Milliarden Dollar. Das Supreme-Court-Urteil markiert nun einen potenziellen Wendepunkt in diesem jahrelangen Rechtsstreit.
Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar geplant
Im Mittelpunkt steht jetzt der im Februar angekündigte Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar, der sowohl anhängige als auch mögliche künftige Klagen beilegen soll. Die Anhörung zur endgültigen Genehmigung ist für den 19. August angesetzt, eine Entscheidung wird noch 2026 erwartet. Anderson betonte, Bayer sei bei der Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten gut vorangekommen, habe aber noch wichtige Meilensteine vor sich.
Mit dem sinkenden juristischen Druck rückt auch die künftige Konzernstruktur wieder stärker in den Blickpunkt. „Drei Divisionen sind in der heutigen Welt nicht die Norm", sagte Anderson mit Blick auf eine mögliche Aufspaltung des Unternehmens mit den Sparten Agrar, Pharma und Consumer Health. „Wir sind heute in einer viel besseren Position und prüfen regelmäßig, welches Resultat und welcher Ansatz am besten sind." Konkrete Schritte kündigte er vorerst nicht an – der Fokus liege weiterhin auf den Kernprioritäten.
Einen ersten strukturellen Schritt hat Bayer im Agrargeschäft allerdings bereits vollzogen: Das US-Glyphosatgeschäft wurde im vergangenen Monat in einer eigenständigen Einheit namens Ruveon gebündelt. Ob dies der Auftakt für eine spätere Abspaltung ist, ließ Anderson offen. Die neue Struktur solle der Einheit ermöglichen, schneller und wettbewerbsfähiger zu agieren. Finanzchefin Judith Hartmann betonte, Ziel bleibe es, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, damit die Stärke der einzelnen Geschäftsfelder bei der Bewertung von Bayer wieder stärker zum Tragen komme.
Apollo steigt ein – Schulden sollen schneller sinken
Zur Stärkung der Bilanz sicherte sich Bayer frisches Kapital: Finanzinvestor Apollo steigt für drei Milliarden Euro bei einer neuen Gesellschaft ein, in der Bayer sein Geschäft mit Langzeit-Verhütungsmitteln bündelt. Die Mittel sollen den Schuldenabbau beschleunigen. Das Management rechnet nun damit, die Nettofinanzverschuldung bis Jahresende auf 29 bis 30 Milliarden Euro zu senken – zuvor hatte Bayer 32 bis 33 Milliarden Euro angepeilt.
Beim laufenden Stellenabbau erklärte Anderson, die Beschäftigtenzahl sei im zweiten Quartal stabil geblieben. Ziel sei es jedoch, die Produktivität kontinuierlich zu steigern, nicht den Status quo zu bewahren. Bayer sei heute „eines der unbürokratischsten Unternehmen", so der Vorstandschef.
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Zur AktienanalyseStarkes Agrargeschäft übertrifft Analystenerwartungen
Operativ profitierte Bayer im zweiten Quartal vor allem von einem starken Agrargeschäft: Das bereinigte Ergebnis der Sparte legte um gut 30 Prozent zu und glich damit die Belastungen durch Patentabläufe wichtiger Medikamente mehr als aus. Der Konzernumsatz stieg um gut ein Prozent auf 10,87 Milliarden Euro – währungs- und portfoliobereinigt ergibt sich ein Plus von 2,2 Prozent.
Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) kletterte um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro und übertraf damit die durchschnittlichen Analystenerwartungen von 1,94 Milliarden Euro deutlich. Den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Vorstand. An der Börse honorierten Anleger die Nachrichten: Die Bayer-Aktie legte zeitweise um fünf Prozent zu und zählte damit zu den größten Gewinnern im DAX.


