Bayer verlängert Vertrag mit Vorstandschef Bill Anderson
Konzernumbau, Stellenabbau und Glyphosat-Klagen prägen seine bisherige Amtszeit

Bayer hat den Vertrag mit Konzernchef Bill Anderson vorzeitig verlängert. Der Aufsichtsrat des Leverkusener Unternehmens beschloss, den ursprünglich bis Ende März 2026 laufenden Vertrag des US-Amerikaners um weitere drei Jahre zu verlängern. Damit bekommt Anderson mehr Zeit, um den von ihm angestoßenen Konzernumbau weiter voranzutreiben. Laut Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann habe Anderson mit einem umfassenden Programm den Turnaround initiiert und die richtigen Weichen gestellt.
Anderson hatte die Führung von Bayer im Jahr 2023 in einer schwierigen Phase übernommen. Unter seinem Vorgänger Werner Baumann war der Konzern durch die Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto erheblich unter Druck geraten. Vor allem die milliardenschweren Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat belasten Bayer bis heute. Laut Unternehmensangaben verfolgt man zur Eindämmung dieser Risiken eine mehrgleisige Strategie, die schrittweise umgesetzt wird.
Noch ist unklar, ob Bayer im Glyphosat-Komplex auf einen entscheidenden Durchbruch hoffen kann. Das Unternehmen wartet auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, das erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Verfahren haben dürfte. Ende Januar waren noch rund 60.000 Klagen offen. Für bisherige Vergleiche hatte Bayer bereits rund zehn Milliarden Dollar gezahlt. Sollte das Gericht nicht im Sinne des Konzerns entscheiden, stehen drastische Optionen wie der Rückzug von Glyphosat aus dem US-Markt oder eine Teilinsolvenz von Monsanto im Raum.
Parallel zum juristischen Umgang mit der Glyphosat-Thematik treibt Anderson eine umfassende Restrukturierung des Konzerns voran. Seit seinem Amtsantritt wurden rund 11.000 Stellen abgebaut. Die verbleibende Belegschaft soll durch flachere Hierarchien und mehr Eigenverantwortung effizienter arbeiten. Ziel ist es, die jährlichen Kosten bis 2026 um zwei Milliarden Euro zu senken – laut Bayer ist man dabei auf einem guten Weg.
Im Pharmabereich setzt Anderson auf Innovation. Demnächst wird in den USA die Zulassung eines hormonfreien Medikaments gegen Wechseljahresbeschwerden erwartet, das in Großbritannien bereits freigegeben wurde. Bayer rechnet bei erfolgreicher Markteinführung mit einem Milliardenumsatz. Weitere Zulassungen könnten folgen und die Pharma-Pipeline des Unternehmens stärken.
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Zur AktienanalyseTrotz der operativen Fortschritte ist der Aktienkurs des Unternehmens über die Jahre deutlich gefallen. Während sich der Kurs seit April wieder erholt hat und zuletzt über 27 Euro notierte, lag er 2015 noch bei über 140 Euro. Für viele Anleger ist das Minus daher weiterhin erheblich.


