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Baywa zieht personelle Konsequenzen aus Schuldenkrise

Finanzvorständin tritt zurück – Sanierungsgutachten und Restrukturierungsexperte im Einsatz

Baywa zieht personelle Konsequenzen aus Schuldenkrise

Der hochverschuldete Agrar- und Baustoffhändler Baywa zieht erste personelle Konsequenzen aus der aktuellen Krise. Im Zentrum der Maßnahmen steht die Erneuerbare-Energien-Tochter Baywa r.e., die in der Niedrigzinsphase stark gewachsen war. Aufgrund des schnellen Wachstums kam es jedoch zu organisatorischen Problemen und handwerklichen Fehlern. In den letzten zehn Tagen fanden mehrere Krisensitzungen des Aufsichtsrats statt. Infolge dieser Sitzungen trat die Finanzvorständin Mihaela Seidl mit sofortiger Wirkung zurück. Ein Organisationsexperte soll nun im Vorstand der Tochtergesellschaft die Kontrolle verbessern. Weitere personelle Konsequenzen innerhalb des Konzerns sind nicht ausgeschlossen.

Ein Baywa-Sprecher bestätigte, dass notwendige Personalmaßnahmen zur Leistungssteigerung auf Vorstandsebene der Baywa r.e. durchgeführt wurden. Die Baywa r.e. erzielte zuletzt einen Umsatz von etwa 5,8 Milliarden Euro und entwickelt unter anderem Solar- und Windparks, die sie teilweise auch selbst betreibt. Aufgrund des Zinsanstiegs ist es schwieriger geworden, die Projekte nach Fertigstellung zu verkaufen. Branchenkreise berichten, dass das Geschäft viel Kapital bindet und Projektrisiken birgt. Zudem gehört zur Tochtergesellschaft das Großhandelsgeschäft mit Solarmodulen, das der Konzern bereits seit längerem verkaufen will.

Die finanzielle Situation der Baywa ist angespannt. Mitte Juli beauftragte das Unternehmen ein Sanierungsgutachten aufgrund der angespannten Finanzierungslage. Im letzten Jahr verzeichnete die Baywa den ersten Verlust in der Konzerngeschichte. Ende 2023 beliefen sich die Nettoschulden des Konzerns auf mehr als fünf Milliarden Euro. Die weltweite Expansion wurde durch Kredite finanziert, und der Zinsanstieg führt nun zu erheblichen Belastungen. Nach der Ankündigung des Sanierungsgutachtens fiel der Aktienkurs des im SDax notierten Unternehmens um mehr als ein Drittel auf ein 15-Jahres-Tief und fiel seitdem weiter.

Aktionärsschützer sind alarmiert. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte, dass die Führung des Unternehmens von dauerhaft niedrigen Zinsen ausgegangen sei und die Expansion übertrieben habe. Dies habe das Unternehmen in eine große Zinsfalle geführt. Bergdolt richtete auch Vorwürfe an den Aufsichtsrat, der die expansiven Maßnahmen abgesegnet habe.

Die Expansion der Baywa wurde vor allem unter dem langjährigen CEO Klaus Josef Lutz vorangetrieben. Der süddeutsche Konzern entfernte sich dabei von seinen Wurzeln und wurde beispielsweise Mehrheitseigner des großen neuseeländischen Apfelanbauers Turners and Growers. Anfang des Jahres führte Lutz als Aufsichtsratschef einen Machtkampf mit seinem Nachfolger Marcus Pöllinger. Nach einer Überprüfung, die keine Compliance-Vorwürfe bestätigte, trat Lutz als Chefkontrolleur zurück. Pöllinger genießt nach Informationen aus Branchenkreisen weiterhin das Vertrauen der mehrheitlich genossenschaftlichen Eigentümer und will einen Neuanfang schaffen. Der Aufsichtsrat erwartet in diesem Jahr Fortschritte von ihm.

Die Unternehmensberatung Roland Berger wurde mit dem Sanierungsgutachten beauftragt, und ein Restrukturierungsexperte von Alix Partners ist nun im Konzern tätig, jedoch ohne Vorstandsrang. Das Unternehmen, das aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangen ist, feierte 2023 seinen hundertsten Geburtstag und beendete das Jubiläumsjahr mit einem Nettoverlust von 93 Millionen Euro.

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