BDC-Investments: Warum Schnäppchen bei Private Credit trügen können
Günstig bewertete Business Development Companies locken mit hohen Dividendenrenditen – doch Abschläge auf den NAV sind kein sicheres Kaufsignal.

Business Development Companies (BDCs) stehen derzeit unter Druck. Sorgen über Kreditrisiken bei Kreditnehmern wie Softwareunternehmen haben viele dieser börsennotierten Vehikel für die private Kreditvergabe belastet. Die Folge: Zahlreiche BDCs sind aktuell mit deutlichen Abschlägen auf ihren Nettoinventarwert (NAV) erhältlich – teils verbunden mit attraktiv wirkenden Dividendenrenditen.
Das klingt nach einer klassischen Kaufgelegenheit. „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind" – so lautet eine bekannte Investorenweisheit. Doch bei BDCs greift diese Logik nicht so einfach wie bei gewöhnlichen Aktien oder Anleihen.
Was BDCs von einfachen Krediten unterscheidet
Ein BDC-Investment ist nicht dasselbe wie der direkte Kauf eines Kredits oder einer Anleihe, bei dem ein Anleger schlicht die vereinbarten Zahlungen vereinnahmt. Die Struktur dieser Fonds ist deutlich komplexer – und damit auch das Risikoprofil. Wer Anteile günstig erwirbt, bekommt deshalb nicht automatisch mehr für sein Geld.
Viele BDCs halten nämlich weit mehr als nur klassische Kredite in ihren Portfolios. Zu den Vermögenswerten zählen häufig auch Eigenkapitalbeteiligungen, mitunter sogar Anteile an anderen Kreditfonds. Gerade diese Positionen sind für Außenstehende besonders schwer zu bewerten und stellen eine zusätzliche Unsicherheitsquelle dar.
Hinzu kommt eine weitere Ertragskomponente, die oft übersehen wird: Gebühreneinnahmen. BDCs erzielen durch ihre Kreditvergabetätigkeit verschiedene Arten von Gebühren – etwa wenn Kreditnehmer ihre Darlehen vorzeitig durch Refinanzierung zurückzahlen oder wenn neue Kredite arrangiert werden. Diese Einnahmen sind variabel und hängen stark von der Aktivität am Kreditmarkt ab.
Sixth Street Specialty Lending als Warnsignal
Ein konkretes Beispiel liefert Sixth Street Specialty Lending. Das Unternehmen verwies jüngst auf die Aussicht einer Phase niedrigerer Gebühreneinnahmen, als es die Entscheidung begründete, seine vierteljährliche Basisdividende zu senken. „Aktivitätsbasierte Gebühreneinnahmen können mehrere Quartale benötigen, um sich nach einer Marktverwerfung zu normalisieren", erklärte Bo Stanley, Chief Executive von Sixth Street Specialty Lending, gegenüber Analysten.
Dieses Gebührenrisiko besteht völlig unabhängig vom reinen Kreditrisiko im Portfolio. Es ist damit ein eigenständiger Risikofaktor, den Anleger bei der Bewertung eines BDC-Investments gesondert berücksichtigen müssen. Fällt die Marktaktivität, sinken die Gebühreneinnahmen – und damit potenziell auch die Ausschüttungen.
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Zur AktienanalyseAufschlag statt Abschlag als Qualitätsmerkmal?
Angesichts dieser Komplexität erscheint ein kontraintuitiver Ansatz überlegenswert: Statt auf günstig bewertete BDCs mit Abschlägen auf den NAV zu setzen, könnte es sinnvoller sein, jene Titel in den Blick zu nehmen, die mit einem Aufschlag auf ihren zugrunde liegenden Nettoinventarwert gehandelt werden. Ein Aufschlag kann ein Indikator für Qualität, Managementkompetenz und Vertrauen des Marktes in die Bewertung der Vermögenswerte sein.
Für deutsche Privatanleger, die über ein Engagement im Bereich Private Credit nachdenken, gilt daher: Die Bewertungsstruktur von BDCs ist vielschichtiger als sie auf den ersten Blick erscheint. Ein niedriger Kurs allein ist kein hinreichendes Kaufargument. Wer in diese Anlageklasse einsteigen möchte, sollte die Zusammensetzung des Portfolios, die Gebührenstruktur und die Qualität des Managements sorgfältig analysieren – bevor er sich von vermeintlichen Schnäppchen leiten lässt.

