Benzindiebstahl in Großbritannien steigt um 62 Prozent
Der Iran-Krieg treibt Kraftstoffpreise in die Höhe – und damit auch die Zahl der Tankbetrüger auf britischen Straßen.

Kraftstoffdiebstahl an britischen Tankstellen hat sich im Vergleich zum Vorjahr dramatisch verschlechtert. Neue Daten des Unternehmens Pay My Fuel, die der BBC vorliegen, zeigen einen Anstieg der Diebstähle um 62 Prozent. Als Hauptursache gilt der starke Preisanstieg bei Benzin und Diesel infolge des US-israelischen Krieges mit dem Iran.
Seit Beginn des Konflikts ist eine typische Tankfüllung eines Familienautos mit Benzin um 14 britische Pfund teurer geworden. Bei Diesel beträgt der Aufschlag sogar rund 27 britische Pfund pro Tankfüllung. Der Automobilclub RAC beziffert den aktuellen Benzinpreis auf 19,2 Prozent über dem Vorkriegsniveau, Diesel liegt sogar 34,5 Prozent höher.
Drastische Zunahme der Diebstähle
Pay My Fuel, das Beitreibungssysteme an 1.400 Tankstellen betreibt, registrierte einen Anstieg der Diebstähle pro Tankstelle und Woche von 2,1 im März 2025 auf 3,4 im März dieses Jahres. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Wert eines einzelnen Diebstahls um 46 Prozent – von 56 auf 67 britische Pfund.
Ian Wolfenden, Direktor von Pay My Fuel, beschreibt die Lage eindringlich: „Es ist viel schlimmer geworden. Wenn man bedenkt, dass sie fast alle zwei Tage 70 Britische Pfund verlieren, ist das nicht unerheblich." Wolfenden betonte zudem, dass das Problem in weniger wohlhabenden Gegenden drei- bis viermal so gravierend sei. Als besondere Problemzonen nannte er den Osten und Südosten Londons, Glasgow, Manchester, Leeds und Birmingham.
Tankstellenbesitzer Josh, der fünf Standorte in Südengland betreibt, berichtet von rund fünf Fällen von Tankbetrug pro Woche und Standort – früher waren es nur ein oder zwei. Die wöchentlichen Verluste summieren sich für ihn auf rund 2.000 britische Pfund. Überwachungsaufnahmen, die er der BBC zur Verfügung stellte, zeigen die Bandbreite der Vorfälle: Ein Motorradfahrer tankte Kraftstoff im Wert von 14,97 Pfund und fuhr davon, ein Transporter-Fahrer zapfte Kraftstoff für 151,53 Pfund, und die Fahrerin eines weißen Porsche-SUV tankte für 75,15 Pfund – ohne zu bezahlen.
Organisierte Kriminalität oder Verzweiflung?
Josh, der seinen Nachnamen wegen der zunehmenden Anfeindungen gegen Tankstellenpersonal nicht nennen möchte, sieht in den meisten Fällen klares kriminelles Vorsatz: „Es scheint mittlerweile eine Art gesellschaftliche Akzeptanz dafür zu geben, dass Diebstahl in Ordnung ist. Ich bin sicher, dass ein gewisser Prozentsatz der Leute es aus Verzweiflung tut, aber die große Mehrheit ist organisiert und im Voraus geplant."
Gordon Balmer, Geschäftsführer des Branchenverbands Petrol Retailers Association (PRA), bestätigt den Trend. Der Anstieg der Kraftstoffpreise seit Kriegsbeginn habe zu einer „merklichen Zunahme" von Kraftstoffdiebstählen geführt. Er unterscheidet zwischen offensichtlich organisierter Kriminalität und Fällen, in denen Personen angeben, ihr Portemonnaie vergessen zu haben. „Ein Teil davon könnte auf die Lebenshaltungskosten zurückzuführen sein", so Balmer.
Tankstellen stehen dabei unter besonderem Druck, da sie täglich Kraftstoff kaufen und die höheren Kosten sofort weitergeben müssen. Dies führt laut PRA nicht nur zu Diebstählen, sondern auch zu einer Zunahme von Anfeindungen gegenüber dem Personal – verschärft durch Vorwürfe der Profitmacherei.
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Zur AktienanalysePolizei und Regierung reagieren
Superintendent Lisa Maslen vom National Business Crime Centre bezeichnete Kraftstoffdiebstahl als „erhebliche und inakzeptable Belastung für die Kraftstoffeinzelhändler". Die Polizei verfolge einen proaktiven Ansatz, um Täter zu identifizieren, Wiederholungstaten zu unterbinden und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem werde die Zusammenarbeit mit Tankstellen und Beitreibungsagenturen verstärkt, um Muster zu erkennen und gezielt gegen Wiederholungstäter vorzugehen.
Die britische Regierung stellte sich klar auf die Seite der betroffenen Unternehmen: „Kraftstoffdiebstahl schadet Unternehmen und ihren Mitarbeitern. Diese Diebe müssen die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen", erklärte ein Regierungssprecher. Zeugen solcher Straftaten wurden aufgefordert, diese umgehend der Polizei zu melden.


