Beretta gegen Ruger: Streit zweier Waffenhersteller-Dynastien eskaliert
Die 500 Jahre alte Beretta Holding und der US-Waffenhersteller Sturm Ruger liefern sich seit Monaten einen erbitterten Konflikt.

Pietro Gussalli Beretta, Chef der traditionsreichen Beretta Holding, versuchte im vergangenen Monat, den Verwaltungsratsvorsitzenden des US-Waffenherstellers Sturm Ruger zu erreichen. Die Antwort, die er erhielt, sorgte für Unmut: John Cosentino Jr., der Vorsitzende des Ruger-Verwaltungsrats, sei für einen ganzen Monat im Urlaub. „Das ist nicht akzeptabel", kommentierte Gussalli Beretta die Situation unmissverständlich.
Beretta ist kein gewöhnlicher Investor bei Ruger. Die italienische Waffendynastie begann im vergangenen Mai mit dem Kauf von Ruger-Aktien und hält inzwischen fast 10 Prozent der Anteile an dem amerikanischen Unternehmen – und ist damit der größte Einzelaktionär. Für einen Anteilseigner dieser Größenordnung ist eine direkte Kommunikation mit der Unternehmensführung keine Selbstverständlichkeit, sondern eine berechtigte Erwartung.
Ein Konflikt mit langer Vorgeschichte
Die verweigerte Kontaktaufnahme ist jedoch kein Einzelfall. Laut Gussalli Beretta handelt es sich bei der einmonatigen Abwesenheit Cosentinos lediglich um die jüngste in einer ganzen Reihe von wahrgenommenen Brüskierungen, verpassten Kontaktversuchen und abgesagten Treffen. Diese Vorfälle haben die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen in den vergangenen sieben Monaten erheblich belastet.
Der Konflikt ist deshalb besonders bemerkenswert, weil es sich bei beiden Parteien um keine gewöhnlichen Unternehmen handelt. Beretta gilt als einer der ältesten Waffenhersteller der Welt überhaupt – die Familiengeschichte des Unternehmens reicht rund 500 Jahre zurück. Sturm Ruger wiederum zählt zu den bekanntesten und umsatzstärksten Waffenproduzenten der Vereinigten Staaten. Dass zwei solche Schwergewichte der Branche in einen öffentlich wahrnehmbaren Streit geraten, ist in der Waffenindustrie höchst ungewöhnlich.
Was auf dem Spiel steht
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Zur AktienanalyseFür deutsche Anleger, die Ruger-Aktien im Depot halten oder an der Entwicklung interessiert sind, ist die Situation aufmerksam zu verfolgen. Ein Großaktionär mit fast 10 Prozent Anteil, der sich öffentlich über mangelnde Kommunikation beschwert, kann erheblichen Druck auf das Management ausüben. Solche Konflikte zwischen aktivistischen oder strategischen Investoren und Unternehmensführungen münden nicht selten in Forderungen nach Sitzen im Verwaltungsrat, strategischen Neuausrichtungen oder sogar Übernahmebestrebungen.
Ob Beretta langfristig eine aktivere Rolle bei Ruger anstrebt oder der Einstieg primär als Finanzinvestition gedacht war, geht aus den bislang bekannten Informationen nicht hervor. Klar ist jedoch: Die Stimmung zwischen den beiden Waffenlegenden ist angespannt – und eine Lösung des Konflikts ist derzeit nicht in Sicht.


