Berkshire Hathaway vs. Micron: Welche Aktie ist wirklich günstig?
Beide Aktien handeln unter dem Marktdurchschnitt – doch die Qualität ihrer Gewinne könnte kaum unterschiedlicher sein.

Berkshire Hathaway und Micron Technology werden derzeit beide unter dem Bewertungsniveau des Gesamtmarktes gehandelt. Berkshire notiert nahe seinem 52-Wochen-Hoch und wird mit dem rund 15-Fachen seines Vorjahresgewinns bewertet. Micron hingegen hat mehr als ein Drittel seines Wertes gegenüber dem Höchststand verloren und wird trotz explodierender Gewinne mit dem 20-Fachen gehandelt. Oberflächlich betrachtet scheinen beide Aktien attraktiv bewertet – doch ein genauerer Blick auf die Gewinnqualität offenbart fundamentale Unterschiede.
Was hinter den Gewinnen von Berkshire steckt
Berkshire Hathaway ist ein weitverzweigtes Konglomerat, dessen Gewinne aus Dutzenden von Unternehmen gleichzeitig stammen. Zum Portfolio gehören ein großes Versicherungsgeschäft, die Eisenbahngesellschaft BNSF, ein reguliertes Energiegeschäft sowie eine lange Liste von Herstellern und Dienstleistungsunternehmen – ergänzt durch ein enormes Aktienportfolio. Diese breite Diversifikation sorgt für Stabilität.
Die jüngsten Zahlen belegen die Stärke dieses Modells: Im ersten Quartal stieg Berkshires operativer Gewinn im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 11,3 Milliarden US-Dollar. Besonders bemerkenswert ist der Rekordbestand an Barmitteln und kurzfristigen Schatzanweisungen von rund 397 Milliarden US-Dollar zum Ende des ersten Quartals. Diese Kriegskasse setzt der neue CEO Greg Abel bereits ein – unter anderem mit der Übernahme des Hausbauunternehmens Taylor Morrison, die Ende Juli abgeschlossen wurde.
Anleger sollten beachten, dass das ausgewiesene Nettoergebnis von Berkshire von Quartal zu Quartal stark schwankt. Rechnungslegungsvorschriften zwingen das Unternehmen, Buchgewinne und -verluste aus dem Aktienportfolio über die Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen. Berkshire selbst erklärt seinen Aktionären, dass diese Schwankungen für die Beurteilung des Geschäfts in der Regel bedeutungslos sind. Bereinigt man diese Effekte, bleibt ein diversifizierter, weitgehend wiederkehrender operativer Gewinnstrom übrig. Bei einem Kurs von rund 512 US-Dollar je Aktie entspricht das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 15.
Was hinter den Gewinnen von Micron steckt
Micron Technology ist ein Speicherchiphersteller und verdient sein Geld mit DRAM, NAND-Flash und dem sogenannten High-Bandwidth-Memory (HBM), auf den KI-Beschleuniger angewiesen sind. Derzeit sind diese Chips knapp – mit dramatischen Folgen für die Gewinne. Im ersten Geschäftsquartal 2026 verdiente Micron 4,60 US-Dollar je Aktie, im zweiten bereits 12,07 US-Dollar und im dritten Quartal (zum 28. Mai 2026) sogar 24,67 US-Dollar. Für das vierte Quartal erwartet das Management einen Gewinn je Aktie von nahezu 31 US-Dollar bei einem Umsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar.
Doch Micron ist ein klassisches Commodity-Geschäft mit ausgeprägten Zyklen. Noch im Geschäftsjahr 2023 meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 5,8 Milliarden US-Dollar, als ein Abschwung die Speicherpreise einbrechen ließ. Die Gewinne steigen und fallen je nach Angebot und Nachfrage – der aktuelle Aufschwung ist der stärkste in der Unternehmensgeschichte. Genau diese Zyklik erklärt, warum der Markt trotz explodierender Gewinne nur das 20-Fache zahlt: Investoren wetten darauf, dass die heutigen Rekordgewinne eher einem zyklischen Höhepunkt als einer dauerhaften Normalität entsprechen.
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Zur AktienanalyseDas KGV von 15 bei Berkshire spiegelt weitgehend das wider, was es aussagt. Die dahinterstehenden Gewinne sind diversifiziert, größtenteils wiederkehrend und befinden sich an keinem offensichtlichen zyklischen Extrem. Ein Anleger kann diesen Wert direkt mit dem Markt oder anderen Aktien vergleichen und einen fairen Rückschluss ziehen.
Das KGV von 20 bei Micron ist eine andere Art von Kennzahl. Es setzt den heutigen Kurs ins Verhältnis zu den profitabelsten zwölf Monaten, die Micron je erwirtschaftet hat – und zwar mit deutlichem Abstand. Sollten sich die Gewinne irgendwo zwischen dem aktuellen Boom und dem letzten Einbruch normalisieren, liegt der tatsächliche Preis für einen Dollar Micron-Gewinn in einem normalen Jahr weit über dem Faktor 20. Genau das preist der Markt ein.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Beide Aktien erscheinen zu ihren aktuellen Preisen attraktiv. Doch die Beständigkeit und Verlässlichkeit der Berkshire-Gewinne im Verhältnis zur Bewertung bietet Anlegern ein klareres und ruhigeres Fundament als die hochvolatilen, zyklischen Gewinne von Micron.


