Bernstein erklärt: Warum Bitcoin trotz stabiler Struktur fällt
Nicht Quantencomputing, sondern nachlassende Kapitalzuflüsse drücken den Bitcoin-Kurs – das zeigt eine neue Analyse von Bernstein.

Die jüngste Kursschwäche von Bitcoin hat viele Anleger verunsichert. Während in der Öffentlichkeit oft Ängste rund um das Quantencomputing als Ursache genannt werden, sehen Analysten des renommierten Investmenthauses Bernstein einen anderen Haupttreiber: eine deutliche Verlangsamung der Kapitalzuflüsse in den Vermögenswert.
Konkret beziffern die Analysten um Gautam Chhugani die Nettozuflüsse in Bitcoin über börsengehandelte Fonds (ETFs) und sogenannte Treasury-Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf 2026 auf rund 12 Milliarden US-Dollar. Im gesamten Jahr 2025 waren es noch 60 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von 80 Prozent, den Bernstein als zentralen Faktor für den aktuellen Preisdruck identifiziert.
ETF-Abflüsse und die Rolle von Strategy
Bitcoin-ETFs verzeichneten in diesem Jahr Nettoabflüsse in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar, bei einem verwalteten Gesamtvermögen von 75 Milliarden US-Dollar (AUM). Die verbliebenen Zuflüsse wurden laut Bernstein weitgehend von Käufern aus dem Bereich der Unternehmensreserven getragen – allen voran Michael Saylors Unternehmen Strategy (NASDAQ: MSTR), das für seine aggressive Bitcoin-Akkumulationsstrategie bekannt ist.
Als Hauptgrund für die schwächere Nachfrage seitens der Privatanleger nennen die Analysten die aktuelle Begeisterung für Künstliche Intelligenz. KI-Aktien ziehen derzeit einen Großteil des Anlegerkapitals auf sich, das sonst möglicherweise in Bitcoin geflossen wäre. „In einem Markt, der vollständig von der Besessenheit der Privatanleger für KI dominiert wird, sind Abflüsse von lediglich 2,6 Milliarden US-Dollar seit Jahresbeginn fast schon ermutigend", schrieb das Bernstein-Team. Dies deute darauf hin, dass Anleger lediglich umgeschichtet hätten, anstatt Krypto generell den Rücken zu kehren.
Positiv entwickelt hat sich innerhalb des Kryptosegments die Tokenisierung von Real-World-Assets. Bernstein beobachtet ein wachsendes Handelsinteresse an tokenisierten Aktien und Rohstoffen – ein Trend, den die Analysten mit den von KI dominierten Privatkundenmärkten in Verbindung bringen.
Bitcoins Marktstruktur hat sich grundlegend verändert
Trotz der Verlangsamung bei den Zuflüssen betonen die Bernstein-Analysten, dass sich die zugrunde liegende Marktstruktur von Bitcoin wesentlich verbessert hat. Das Eigentum verteilt sich heute auf ein breites Spektrum institutioneller Akteure: ETF-Inhaber, Unternehmensreserven, Vermögensverwaltungsplattformen, Broker-Dealer sowie institutionelle Fonds wie Pensionskassen und Staatsfonds.
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Zur AktienanalyseHistorisch gesehen wurden Bitcoin-Kursrückgänge von bis zu 70 Prozent allein durch die Stimmung der Privatanleger getrieben, wobei das Handelsvolumen an Kryptobörsen als Hauptindikator für Marktwenden galt. Diese Dynamik hat sich laut Bernstein grundlegend verändert – die breitere institutionelle Basis sorgt für mehr Stabilität.
Die Analysten sehen die aktuelle Zurückhaltung der Privatanleger daher nicht als strukturelles Problem für Bitcoin. „Dass Bitcoin in diesem Zyklus langweilig ist, sollte ihm nicht negativ ausgelegt werden und rüttelt unserer Meinung nach nicht an der langfristigen These vom ‚Wertaufbewahrungsmittel'", so das Fazit der Bernstein-Analysten. Die mangelnde Dynamik bei Privatanlegern sei angesichts deren Fokus auf KI kein schlechtes Zeichen für die langfristige Perspektive der Kryptowährung.


