BHP-Elektriker in Port Hedland drohen mit Streik bei Eisenerz-Export
Rund 200 Gewerkschaftsmitglieder stimmen über Arbeitsniederlegungen ab – ein Streik könnte den weltgrößten Eisenerz-Exporthafen lahmlegen.

Hunderte Elektriker des Bergbaukonzerns BHP im westaustralischen Port Hedland stehen kurz vor einer Abstimmung über mögliche Streikmaßnahmen. Die Gewerkschaft Electrical Trades Union (ETU) gab am Freitag bekannt, das Autorisierungsverfahren für einen Streik eingeleitet zu haben. Dieser könnte „sehr wahrscheinlich" noch bis Ende Juni stattfinden, sofern keine Einigung über einen neuen Lohntarifvertrag erzielt wird.
Hintergrund sind sechs Monate festgefahrener Verhandlungen zwischen der ETU und BHP, dem weltweit größten börsennotierten Bergbauunternehmen. Die Beschäftigten fordern bessere Bezahlung sowie verbesserte Arbeitsbedingungen. ETU-Landessekretär Adam Woodage machte auf einer Pressekonferenz in Perth deutlich, wie ernst die Lage ist: „BHP hat die Verhandlungen bis zu sechs Monate lang verzögert. Es gab kaum Bewegung seitens des Unternehmens, und was an Bewegung kam, war eine Beleidigung für unsere Mitglieder."
Milliardenprofite als Argument der Gewerkschaft
Die ETU stützt ihre Forderungen auch auf die starken Finanzergebnisse des Konzerns. BHP erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 15 Milliarden australischen Dollar (rund 10,73 Milliarden US-Dollar). „Es ist also reichlich Geld in der Kasse, das BHP mit seinen Arbeitern teilen kann, und unsere Mitglieder streben einen Anteil an diesem Geld an", sagte Woodage. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sollen in den nächsten zwei Wochen über Arbeitsniederlegungen abstimmen, die zwischen 15 Minuten und 24 Stunden dauern könnten.
BHP reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung. Ein Unternehmenssprecher bestätigte laufende Verhandlungen über eine neue Vereinbarung mit den Hafenteams. Gleichzeitig betonte er: „Für den Fall von gewerkschaftlichen Störungen an unseren Standorten verfügen wir über solide Notfallpläne, um unsere Mitarbeiter zu schützen und sicherzustellen, dass ein sicherer und zuverlässiger Betrieb fortgesetzt werden kann."
Port Hedland: Dreh- und Angelpunkt des globalen Eisenerzhandels
Port Hedland ist nicht irgendein Hafen – er gilt als der größte Eisenerz-Verladehafen Australiens und einer der bedeutendsten weltweit. Der Hafen ist direkt mit einer Reihe von BHP-Minen in der Pilbara-Region verbunden und wickelt sämtliche Eisenerzexporte des Konzerns in Westaustralien ab. Ein Streik hätte damit unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Stahllieferketten, insbesondere für Abnehmer in Asien.
Die Arbeitsvereinbarung von BHP umfasst insgesamt rund 450 Hafenarbeiter, von denen etwa 200 Mitglieder der ETU sind. Woodage ließ keinen Zweifel am erwarteten Abstimmungsergebnis: „Wir gehen davon aus, dass sie diese Maßnahmen befürworten werden." Ein Streik hätte laut Gewerkschaft „erhebliche Auswirkungen auf den Betrieb" und könnte das Exportzentrum zum Stillstand bringen.
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Zur AktienanalyseAn der Börse zeigte sich die Nachricht bislang ohne nennenswerten negativen Effekt. BHP-Aktien notierten im Nachmittagshandel 1,4 Prozent höher bei 61,45 australischen Dollar und entwickelten sich damit im Einklang mit dem breiteren australischen Leitindex S&P/ASX 200, der um 1,2 Prozent zulegte.
Unabhängig vom Konflikt in Port Hedland führt die ETU gemeinsam mit der Gewerkschaft Offshore Alliance auch Tarifverhandlungen mit dem japanischen Energiekonzern Inpex für die Beschäftigten der Ichthys-Gasanlage in Darwin. Dort wurden geplante Streikmaßnahmen aufgrund von Fortschritten in den Gesprächen bis zum 2. Juni 2025 verschoben.


