Billionen-Markt Private Credit: Versicherer entwachsen der Aufsicht
Das US-Finanzministerium schlägt Alarm: Der boomende Private-Credit-Markt bei Versicherern wächst schneller als die Regulierung.

Der Markt für Privatkredite in den Portfolios amerikanischer Versicherer hat ein Volumen von rund einer Billion US-Dollar erreicht – und die Aufsichtsbehörden kämpfen darum, den Überblick zu behalten. Das US-Finanzministerium hat nun angekündigt, eine Reihe von Treffen mit den Versicherungsaufsichtsbehörden der einzelnen US-Bundesstaaten zu organisieren. Ziel ist es, „jüngste Marktereignisse, neu entstehende Risiken, Risikomanagementpraktiken" sowie die Aussichten für die Private-Credit-Märkte gemeinsam zu untersuchen.
Der Schritt kommt nicht von ungefähr. Namhafte Vermögensverwalter sehen sich derzeit zahlreichen Rückgabeforderungen von Privatanlegern gegenüber, die ihr Kapital aus Private-Credit-Fonds abziehen wollen. Auch institutionelle Investoren – von finanzstarken Pensionsfonds und Universitätsstiftungen bis hin zu wohlhabenden Privatpersonen – zeigen sich zunehmend besorgt über die finanzielle Verfassung der Unternehmen, die solche Privatkredite aufnehmen.
Brisanter NAIC-Bericht bleibt unter Verschluss
Im Zentrum der Debatte steht ein Bericht der National Association of Insurance Commissioners (NAIC), dem Dachverband der Versicherungsaufsichtsbehörden aller US-Bundesstaaten. Das Capital Markets Bureau der NAIC veröffentlichte die Studie im Jahr 2024 – mit einem alarmierenden Befund: Die Ratings für Private-Credit-Investments von Versicherern waren demnach routinemäßig zu hoch angesetzt worden. Der Bericht trug den Titel „Private Ratings Among U.S. Insurer Bond Investments Continue to Rise and Have Nearly Tripled in Five Years" und machte deutlich, wie rasant das Wachstum in diesem Segment verlaufen ist.
Im vergangenen Mai zog die NAIC den Bericht jedoch von ihrer Website zurück. Als Begründung nannte die Organisation, sie müsse die Ergebnisse „klarstellen". Fast ein Jahr später bleibt das Dokument weiterhin unter Verschluss – obwohl seine Schlussfolgerungen Versicherer und deren Aufsichtsbehörden nach wie vor intensiv beschäftigen.
Ratingagentur Egan-Jones im Visier der SEC
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch einen Konflikt zwischen der Ratingagentur Egan-Jones Ratings und der US-Börsenaufsicht SEC. Im NAIC-Bericht war Egan-Jones als häufiger Anbieter sogenannter Private Letter Ratings für US-Versicherer identifiziert worden. Im vergangenen Monat stellte die SEC die Fähigkeit von Egan-Jones infrage, für bestimmte Schuldtitel „konsistent integre Kreditratings zu erstellen" – und zwar für Wertpapiere, für deren Bewertung die Agentur eine offizielle Genehmigung anstrebte.
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Zur AktienanalysePrivate Credit bezeichnet Kredite, die nicht über öffentliche Kapitalmärkte, sondern direkt zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern vergeben werden. Für Versicherer sind solche Anlagen attraktiv, weil sie in der Regel höhere Renditen versprechen als klassische Unternehmensanleihen. Das Risiko liegt jedoch in der geringeren Transparenz und Liquidität dieser Investments – sowie, wie der zurückgezogene NAIC-Bericht nahelegt, in möglicherweise zu optimistischen Bonitätsbewertungen.
Die Entwicklung zeigt, dass der rasante Aufbau von Private-Credit-Positionen bei Versicherern die Regulierungsarchitektur in den USA vor erhebliche Herausforderungen stellt. Während das Finanzministerium nun den Dialog sucht, bleibt die Frage offen, ob die bestehenden Aufsichtsstrukturen für einen Markt dieser Größenordnung ausreichend gerüstet sind.


