BlackBerry wächst mit KI – Bosch kämpft mit Führungskrise
Während BlackBerry mit 26 % Umsatzwachstum glänzt, steht Bosch nach dem Abgang von CEO Hartung vor tiefgreifenden Strukturproblemen.

Die Industrieautomatisierung erlebt derzeit eine bemerkenswerte Zweiteilung: Auf der einen Seite steht BlackBerry, das mit einem konsequenten Schwenk zur Künstlichen Intelligenz und Software-definierten Systemen Fahrt aufnimmt. Auf der anderen Seite ringt der deutsche Industrieriese Bosch mit einem Führungswechsel und den strukturellen Lasten eines Traditionskonzerns im digitalen Wandel. Beide Unternehmen stehen exemplarisch für die unterschiedlichen Wege, die die Branche derzeit einschlägt.
BlackBerry meldete für das erste Fiskalquartal 2027 (Ende: 31. Mai) einen Umsatzanstieg von 26 % im Jahresvergleich auf 152,9 Millionen US-Dollar. Die Aktie erreichte daraufhin ein neues 52-Wochen-Hoch – ein klares Signal, dass der Markt die Transformation des einstigen Smartphone-Pioniers zum KI-getriebenen Softwarespezialisten honoriert. Das bereinigte Nettoergebnis schnellte um 135 % auf 25,4 Millionen US-Dollar hoch, was einem Gewinn von 0,04 US-Dollar je Aktie entspricht und die Analystenerwartungen von 0,03 US-Dollar je Aktie übertraf.
BlackBerrys Wachstumsmotor: Die QNX-Sparte
Herzstück des Erfolgs ist die QNX-Division, die sichere Echtzeit-Betriebssysteme für die Automobil-, Industrie- und Robotikbranche liefert. Der Umsatz dieser Sparte wuchs ebenfalls um 26 % auf 72,3 Millionen US-Dollar. Besonders beeindruckend: Die bereinigten Bruttomarginen verbesserten sich um 5 Prozentpunkte auf 86 %, was die hohe Skalierbarkeit des Softwaregeschäfts unterstreicht. CEO John Giamatteo verknüpfte diese Entwicklung ausdrücklich mit dem Aufstieg von „Physical AI", software-definierten Fahrzeugen und zentralisiertem Computing.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management einen Umsatz zwischen 594 und 621 Millionen US-Dollar. Diese Prognose stützt sich laut Unternehmensangaben auf eine wachsende Auftragspipeline und eine steigende Kundennachfrage – ein bullisches Signal für Anleger, die auf den Megatrend der industriellen Automatisierung setzen.
Bosch: Führungswechsel nach schwieriger Amtszeit
Ein ganz anderes Bild zeigt sich beim deutschen Technologiekonzern Bosch. CEO Stefan Hartung, der seinen Vertrag zuletzt bis 2025 verlängert hatte, tritt von seinem Posten zurück. Vorausgegangen war eine Phase wachsenden wirtschaftlichen Drucks mit rückläufiger Performance in zentralen Geschäftsbereichen – darunter Automotive, Haushaltsgeräte, Elektrowerkzeuge und Heizsysteme.
Hartungs Amtszeit war von ambitionierten Zielen geprägt: Er strebte ein jährliches Wachstum von 7 % an, das er als notwendige Voraussetzung für die Transformation des Konzerns betrachtete – ein Ziel, das er letztlich verfehlte. Investitionen in Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, Wasserstoff und Software blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Sein letzter öffentlicher Auftritt auf einer Berliner Technologiemesse wurde von Beobachtern als wenig überzeugend beschrieben, mit unklarer Botschaft zur künftigen Ausrichtung des Unternehmens.
Dennoch hinterlässt Hartung auch Erfolge: Er gilt als Architekt einer wettbewerbsfähigen China-Strategie und initiierte ein schmerzhaftes, aber notwendiges Restrukturierungsprogramm. Dieses wurde Ende 2024 angekündigt und sieht den Abbau von 22.000 Stellen vor – ein Einschnitt, der das Selbstverständnis des Unternehmens grundlegend verändert hat. Analysten ziehen Parallelen zur Krise bei Volkswagen und sehen in beiden Fällen ein Symptom der breiteren Herausforderungen des deutschen Industriesektors.
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Zur AktienanalyseZwei Strategien, zwei Schicksale
Der Vergleich beider Unternehmen offenbart eine grundlegende Marktdynamik: Investoren belohnen derzeit spezialisierte, softwarezentrierte Unternehmen mit hohen Margen, während sie gegenüber diversifizierten Traditionskonzernen skeptisch bleiben, die die Kosten ihrer eigenen digitalen Transformation stemmen müssen. BlackBerry hat sein Legacy-Image erfolgreich abgelegt und sich als unverzichtbare Softwareschicht im „Physical AI"-Ökosystem positioniert.
Bosch hingegen steht vor der schwierigeren Aufgabe, einen riesigen, vielschichtigen Konzern mit Millionen von Mitarbeitern und Dutzenden von Geschäftsbereichen in eine digitale Zukunft zu führen. Der Abgang von Hartung signalisiert, dass der Aufsichtsrat einen Kurswechsel anstrebt. Wohin dieser Weg führt, bleibt vorerst offen – und damit auch die Frage, ob Bosch die Transformation noch aus eigener Kraft meistern kann.


