Blue Origin mit 130-Milliarden-Bewertung – Raumfahrtaktien weiter unter Druck
Jeff Bezos' Raketenunternehmen sammelt erstmals externes Kapital ein, doch Weltraumaktien erholen sich nach dem SpaceX-Börsengang nicht.

Blue Origin, das Raketenunternehmen des Amazon-Gründers Jeff Bezos, steht laut der New York Times kurz vor dem Abschluss einer Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 130 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich dabei um die erste externe Kapitalrunde in der Geschichte des Unternehmens. Damit reiht sich Blue Origin unter die wertvollsten privaten Technologieunternehmen der USA ein – hinter Anthropic, OpenAI, dem Zahlungsdienstleister Stripe und dem Datenanalyseunternehmen Databricks.
Die Bewertung übertrifft sogar jene bekannter börsennotierter Konzerne: Sowohl Starbucks (SBUX) als auch Lowe's (LOW) kommen derzeit auf je rund 120 Milliarden Dollar. Blue Origin folgt damit dem Trend, dass Technologieunternehmen immer länger in privater Hand bleiben – und dabei immer größer werden, bevor sie an die Börse gehen.
Raumfahrtaktien kühlen nach SpaceX-Börsengang ab
Trotz der beeindruckenden Bewertung von Blue Origin zeigte die Nachricht am Mittwoch kaum Wirkung auf den Weltraumsektor. Der Tema Space Innovators ETF (NASA) verlor im jüngsten Handel rund 1,5 Prozent. Die Aktien von Rocket Lab (RKLB), einer der größten Positionen des Fonds und direkter Konkurrent von SpaceX und Blue Origin im Startgeschäft, fielen um mehr als 2 Prozent – nach einem Einbruch von 10 Prozent am Vortag.
Das Interesse der Anleger an der Raumfahrt war in diesem Jahr vor allem durch den Börsengang von SpaceX (SPCX) im Juni sprunghaft gestiegen. Das Satelliten- und KI-Unternehmen von Elon Musk nahm bei seinem Debüt mehr als 85 Milliarden US-Dollar ein – fast das Dreifache des bisherigen Rekord-Börsengangs von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019. Der Handel begann Mitte Juni bei einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar. Der Marktwert überschritt zeitweise 2 Billionen Dollar und lag kurzzeitig über dem von Amazon, als die Aktien ein Rekordhoch von rund 225 Dollar erreichten.
Im Vorfeld des Börsengangs hatten auch weniger bekannte Weltraumaktien stark zugelegt. Der Roundhill Space & Technology ETF (MARS) stieg in den zwei Monaten nach der IPO-Einreichung durch SpaceX am 1. April um fast 80 Prozent. Rocket Lab verdoppelte seinen Wert in dieser Zeit sogar mehr als.
Nach dem Hype folgt die Ernüchterung
Doch mit dem tatsächlichen Börsenstart von SpaceX endete die Rallye abrupt. Der Tema-ETF fiel zwischen dem Börsengang und dem Handelsschluss am Dienstag um 24 Prozent. Der Roundhill-ETF und der VanEck Space ETF (WARP) liegen seither jeweils rund 20 beziehungsweise 25 Prozent im Minus. Auch SpaceX selbst blieb nicht verschont: Die Aktien fielen am Dienstag um 7 Prozent und schlossen erstmals unter 150 Dollar – dem Ausgabepreis –, obwohl eine Flut überwiegend optimistischer Analystenberichte erschienen war.
Bemerkenswert: Der Dienstag war zugleich der erste Handelstag von SpaceX im Nasdaq 100 – ein Meilenstein, der den Kurs eigentlich hätte stützen sollen, da passive Indexfonds Anteile des ohnehin geringen Streubesitzes aufkaufen mussten. Am Mittwoch schwankten die Aktien zwischen Gewinnen und Verlusten und lagen zuletzt rund 0,5 Prozent im Minus.
Rocket Lab folgt dem SpaceX-Modell
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Zur AktienanalyseTrotz des schwierigen Marktumfelds zeigt der Sektor strategische Bewegung. Rocket Lab gab Ende Juni Pläne zur Übernahme von Iridium Communications (IRDM) bekannt – einem Anbieter von Satellitenverbindungen, der dabei mit 8 Milliarden Dollar bewertet wird. Analysten von Morgan Stanley sehen darin einen bedeutenden Schritt für Rocket Lab, um den eigenen adressierbaren Markt zu erweitern und ein Satellitendienstleistungsgeschäft aufzubauen, das an Starlink angrenzt.
„SpaceX hat gezeigt, dass die größte Wertschöpfung in der Weltraumwirtschaft nicht allein durch den Raketenstart entsteht, sondern durch den Besitz einer differenzierten weltraumgestützten Infrastruktur und die Monetarisierung darauf aufbauender, wiederkehrender und margenstarker Dienstleistungen", schrieben die Morgan-Stanley-Analysten in einer Mitteilung. „Die Übernahme von Iridium durch Rocket Lab stellt einen bedeutenden Schritt auf einem ähnlichen Weg dar."
Für deutsche Privatanleger bleibt die Weltraumbranche damit ein hochvolatiles Segment: Enormes Wachstumspotenzial trifft auf starke Kursschwankungen und eine noch junge Industrie, die ihren Reifegrad erst unter Beweis stellen muss.


