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Blue Origin: Raketenexplosion bremst Bezos für Monate aus

Eine Explosion auf der Startrampe zerstört Blue Origins New-Glenn-Rakete und gefährdet Amazons Satellitenpläne sowie NASA-Mondmissionen.

Blue Origin: Raketenexplosion bremst Bezos für Monate aus

Blue Origin steht nach einer verheerenden Raketenexplosion vor einem monatelangen Rückschlag. Während eines Triebwerks-Testlaufs für den geplanten Start der New-Glenn-Rakete explodierte ein Booster auf der Startrampe und richtete schwere Schäden an. Quellen aus dem Unternehmen und der Branche berichten, dass die Startrampe dabei „praktisch zerstört" wurde.

Der zerstörte Booster trug den Namen „No, It's Necessary" – eine Anspielung auf ein Zitat aus dem Kinofilm Interstellar. Ingenieure rechnen laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person mit einer Unterbrechung von mindestens sechs Monaten, wenn nicht länger. Die Quelle wollte anonym bleiben, da sie nicht befugt ist, mit Medien zu sprechen.

Schwerer Rückschlag für Bezos' Raumfahrtimperium

Der Vorfall trifft Jeff Bezos zu einem kritischen Zeitpunkt. Sein Unternehmen Blue Origin und der Konzern Amazon versuchen, sich als ernsthafte Konkurrenten im Bereich Schwerlastraketen und globale Satelliten-Internetnetzwerke zu etablieren – und stehen dabei in direktem Wettbewerb mit Elon Musks SpaceX. Der Rückschlag stärkt nun die ohnehin dominante Marktstellung von SpaceX im kommerziellen Raketengeschäft.

Musk selbst meldete sich auf der Plattform X zu Wort: „Es tut mir leid, das zu sehen, ich hoffe auf eine schnelle Erholung", schrieb er. Auf eine Antwort von Bezos reagierte Musk mit dem lateinischen Ausdruck „Ad astra per aspera" – eine Phrase, die das Überwinden unmöglicher Ziele beschreibt.

Antoine Grenier, Partner und Leiter der Weltraumberatung bei Analysys Mason, zieht einen historischen Vergleich: „Es ist erst ein Jahr her, dass auch das SpaceX Starship auf der Startrampe explodierte, und Blue Origin kann sich ebenfalls davon erholen. Aber der Wiederaufbau wird Monate dauern." Tatsächlich benötigte SpaceX nach der Explosion einer Falcon 9 im Jahr 2016 mehr als ein Jahr für die vollständige Reparatur der Anlage – nahm den Betrieb jedoch innerhalb von viereinhalb Monaten wieder auf, indem es auf eine zweite Rampe in Florida auswich.

Amazons Satelliten-Konstellation in Gefahr

Besonders brisant ist die Situation für Amazons Satellitenprojekt Amazon LEO. Das Unternehmen war auf die hohe Startfrequenz der New Glenn angewiesen, um bis Juli 2026 die Hälfte seiner mehr als 3.200 Satelliten umfassenden Breitband-Konstellation zu stationieren und damit regulatorische Fristen einzuhalten. Ein längeres Startverbot durch die US-Luftfahrtbehörde FAA würde diesen Zeitplan ernsthaft gefährden.

Grenier erklärt, dass Amazon bereits einen Großteil der kurzfristig verfügbaren Kapazitäten anderer Schwerlastraketen-Anbieter ausgeschöpft habe. Zwar könnte SpaceX einen Teil der zusätzlichen Nachfrage auffangen, doch die Falcon-9-Rakete kann pro Start nur etwa halb so viele Amazon-LEO-Satelliten befördern wie die New Glenn. Jede größere Verlagerung von Starts würde daher eine erhebliche Erhöhung der Missionszahl erfordern.

Amazons Entscheidung, weitere Startpartner wie SpaceX an Bord zu holen, hat zwar die Abhängigkeit von einer einzelnen Rakete verringert – verschafft Musks Unternehmen aber gleichzeitig ein Druckmittel gegenüber seinem langjährigen Rivalen Bezos.

NASA-Mondprogramm unter Druck

Der Vorfall könnte auch die Mondambitionen der NASA verkomplizieren. Die New Glenn sollte noch in diesem Jahr die erste Blue-Moon-Mondlandefähre von Blue Origin ins All bringen. Erst kurz vor dem Unglück hatte die NASA dem Unternehmen einen Auftrag zur Lieferung von zwei Mondfahrzeugen im Vorfeld der Artemis-4-Mission im Jahr 2028 erteilt. Die Weltraumbehörde erklärte, sie werde die kurzfristigen Auswirkungen auf ihre Artemis- und Mondbasis-Programme prüfen – ob Missionen neu zugewiesen werden müssen, bleibt offen.

Trotz des Desasters bekräftigten die U.S. Space Force und das National Reconnaissance Office ihr Engagement für Blue Origin. Sie hielten an einem kurz vor der Explosion neu vergebenen Vertrag für nationale Sicherheitsstarts fest. Mark Boggett, CEO des britischen Weltraum-Investors Seraphim Space, ordnet die Lage nüchtern ein: „Langfristig benötigt der Markt weiterhin tragfähige Alternativen. Dies stärkt zwar die Position von SpaceX geringfügig, ändert aber nichts an der allgemeinen Entwicklung hin zu einem Ökosystem mit mehreren Anbietern."

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