BofA-Stratege Hartnett warnt: 5%-Marke bei US-Anleihen entscheidend
Michael Hartnett von der Bank of America sieht bei 30-jährigen US-Staatsanleihen eine kritische Schwelle, deren Bruch fatale Folgen hätte.

Michael Hartnett, Chefstratege der Bank of America, warnt in seinem aktuellen „Flow Show"-Bericht eindringlich vor einem kritischen Niveau am US-Anleihenmarkt. Die 5%-Marke bei 30-jährigen US-Staatsanleihen bezeichnet er als „Maginot-Linie" – und ein Durchbruch dieser Schwelle könnte laut Hartnett die „Tür zum Verderben öffnen".
Im Mittelpunkt seiner Analyse steht der sogenannte „Boom-Loop": ein sich selbst verstärkender Zyklus, in dem die Politik auf Deglobalisierung, Ungleichheit und Populismus mit massiven Staatsausgaben reagiert. Diese sind seit 2020 um 60% gestiegen und sollen laut dem vorgeschlagenen Haushalt für das Geschäftsjahr 2027 um weitere 15% zulegen.
Das Ergebnis ist ein nominales US-BIP-Wachstum von 75% in nur sieben Jahren – von 20 Billionen Dollar am Corona-Tief 2020 auf prognostizierte 35 Billionen Dollar bis 2027. „Aktien und Rohstoffe lieben nominale Booms; Anleihen (steilere Kurve) und der US-Dollar weniger", so Hartnett in seiner Mitteilung.
Die historische Warnung hinter der 5%-Marke
Hartnett argumentiert, dass die US-Regierung aktiv daran arbeitet, die Nachfrage nach Staatsanleihen aufrechtzuerhalten – auch weil sie unter Druck steht, die sinkenden Zustimmungswerte zur Inflationspolitik umzukehren. Diese liegen derzeit bei nur 29% und damit kaum über dem Allzeittief der Biden-Ära von 28%.
Sollte die 5%-Schwelle deutlich überschritten werden, liefert die Geschichte düstere Präzedenzfälle: 1989 stiegen die Renditen japanischer Staatsanleihen um 230 Basispunkte, 1999 legten US-Staatsanleihen um 260 Basispunkte zu, und 2007 stiegen chinesische Anleiherenditen um 150 Basispunkte. Jeder dieser Zeitpunkte markierte das Ende eines Booms. „Sollte die Maginot-Linie von 5% deutlich fallen (Booms/Blasen enden immer mit einem scharfen Anstieg der Renditen), dann beginnt sich die Tür zum Verderben zu öffnen", schrieb Hartnett.
Für sein eigenes Portfolio-Positioning setzt Hartnett auf die sogenannten „Cs": Commodities (Rohstoffe), Chips, Consumers (Konsumwerte) und China. Anleihen mit steileren Kurven und ein schwächerer Dollar bleiben hingegen Teil seines Basisszenarios.
Kapitalflüsse: Aktien und Anleihen weiter gefragt
Die aktuellen Kapitalflussdaten der Bank of America zeigen ein differenziertes Bild. Aktien verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von 23 Milliarden Dollar, während Anleihen 19,9 Milliarden Dollar anzogen – bereits die 53. Woche mit Zuflüssen in Folge. Cash hingegen verzeichnete Abflüsse von 29,5 Milliarden Dollar, und Gold erlitt mit 1,2 Milliarden Dollar den ersten Abfluss seit sechs Wochen.
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Zur AktienanalyseBesonders auffällig: Japanische Aktienfonds verzeichneten mit 6,7 Milliarden Dollar ihren größten wöchentlichen Zufluss seit Mai 2013. Chinesische Aktien erlitten dagegen einen Abfluss von 11,3 Milliarden Dollar – den größten seit Januar 2026. US-Aktien zogen 19,3 Milliarden Dollar an, die fünfte Woche mit Zuflüssen in Folge, wobei der Großteil in Large Caps floss.
Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere verzeichneten Investment-Grade-Anleihen mit 8,8 Milliarden Dollar ihren größten Zuwachs seit acht Wochen. Schwellenländeranleihen (EM-Debt) zogen in der dritten Woche in Folge 3,6 Milliarden Dollar an.
Der Bull & Bear-Indikator der BofA stieg von 6,3 auf 6,6, getrieben durch engere High-Yield- und AT1-Spreads, Tech-Zuflüsse sowie bullischere Positionierungen bei Gold und der VIX-Positionierung. Das Signal bleibt damit jedoch im neutralen Bereich.


