BofA streicht BoE-Zinserhöhungsprognose wegen nachlassender Inflation
BofA Global Research revidiert Erwartungen für Bank of England – niedrigere Energiepreise und schwächeres Wirtschaftsumfeld ausschlaggebend.

BofA Global Research hat seine Prognose für Zinserhöhungen der Bank of England (BoE) in diesem Jahr zurückgezogen. Das Analysehaus bezeichnete den Schritt als eine „knappe Entscheidung" und begründete ihn mit niedrigeren Energiepreisen, nachlassendem Inflationsdruck sowie einem schwächeren wirtschaftlichen Umfeld in Großbritannien.
Konkret hatte BofA zuvor zwei Zinserhöhungen für 2026 erwartet. Nun geht das Brokerhaus davon aus, dass die britische Zentralbank die Zinsen stabil halten wird. Für 2027 rechnet BofA nur noch mit einer einzigen Zinssenkung um 25 Basispunkte im November – zuvor waren drei Senkungen prognostiziert worden.
„Wir verfügen nicht mehr über genügend Überzeugung, um Zinserhöhungen in unserem Basisszenario zu prognostizieren, aber es bleibt eine knappe Entscheidung", erklärte BofA in einer Mitteilung. Gleichzeitig betonte das Haus, dass das Risikoprofil aufgrund von Eskalationsrisiken oder möglichen starken Zweitrundeneffekten weiterhin in Richtung einer Zinserhöhung in diesem Jahr tendiere.
Britische Inflation unter Erwartungen
Die Prognoseänderung folgt unmittelbar auf die Juni-Sitzung der Bank of England, bei der die Notenbank die Zinsen bei 3,75 % unverändert beließ. Kurz vor dieser Entscheidung hatten Inflationsdaten gezeigt, dass die britische Teuerungsrate im Mai bei 2,8 % verharrte – unverändert gegenüber dem 13-Monats-Tief vom April und damit unter den Erwartungen von Ökonomen sowie der Zentralbank selbst.
Ein weiterer dämpfender Faktor für den Inflationsausblick ist ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran. Die Märkte erwarten infolgedessen, dass der Inflationsdruck durch Ölpreisschocks nachlassen wird, was den Druck auf die BoE zur Zinserhöhung weiter mindert.
Globales Zinsumfeld bleibt uneinheitlich
Während die Bank of England die Zinsen stabil hält, haben andere große Zentralbanken im Juni einen anderen Kurs eingeschlagen. Sowohl die Bank of Japan als auch die Europäische Zentralbank haben die Zinsen angehoben. Die US-Notenbank Federal Reserve hingegen signalisierte mit restriktiven Projektionen ihrer Entscheidungsträger höhere Kreditkosten für dieses Jahr.
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Zur AktienanalyseTrotz der revidierten BofA-Prognose zeigen Marktdaten, dass Händler weiterhin mit mindestens einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die Bank of England bis zum Jahresende rechnen. Dies geht aus von LSEG zusammengestellten Daten hervor. Das Bild bleibt damit gespalten: Während BofA die Latte für eine Zinserhöhung höher legt, preisen die Märkte eine solche Maßnahme noch immer ein.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Großbritannien relevant, da sie das internationale Zinsumfeld mitprägt und Rückschlüsse auf die geldpolitische Richtung anderer Notenbanken – darunter auch der EZB – erlaubt. Die Divergenz zwischen den großen Zentralbanken bleibt ein bestimmendes Thema an den globalen Kapitalmärkten.

