Boom im Markt für medizinisches Cannabis
Umsätze steigen massiv; Kassenpatienten profitieren von neuen Regelungen

Die Nachfrage nach medizinischem Cannabis in Deutschland hat in den letzten Monaten stark zugenommen. Seit die Verordnung von medizinischem Cannabis durch nahezu jeden Arzt als Privatrezept möglich ist, ist der Umsatz in diesem Bereich erheblich gestiegen. Benedikt Sons, Mitgründer und Geschäftsführer von Cansativa, einem führenden Cannabisgroßhändler, schätzt, dass der Markt für medizinische Cannabisblüten derzeit um 80 bis 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wächst.
Zahlreiche Unternehmen im Bereich der medizinischen Cannabisversorgung verzeichnen ebenfalls signifikante Umsatzsteigerungen. So meldet die börsennotierte Cantourage Group für das zweite Quartal einen Anstieg ihres Umsatzes um fast 90 Prozent auf 10,8 Millionen Euro. Auch Cansativa prognostiziert für das laufende Jahr einen Umsatzanstieg von über 75 Prozent auf etwa 30 Millionen Euro. Niklas Kouparanis, Geschäftsführer der Bloomwell Group, berichtet von einer Verdreifachung des Umsatzes seit der Reklassifizierung von Cannabis Anfang April, als Cannabis aus der Betäubungsmittelverordnung entfernt wurde.
Apotheken, die medizinisches Cannabis ausgeben, spüren ebenfalls den Anstieg. Christiane Neubaur, Apothekerin und Geschäftsführerin des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), erklärt, dass die Zahl der Cannabisrezepte in Mitgliedsapotheken stark angestiegen ist, was gelegentlich zu Lieferschwierigkeiten führt. Die Mehrheit der Rezepte, etwa 80 Prozent, stammt von Selbstzahlern, während 20 Prozent von Kassenpatienten kommen, die auf Erstattung hoffen. Das Verhältnis war zuvor etwa 60 zu 40 Prozent.
Die gesetzliche Krankenkasse hat kürzlich entschieden, den Genehmigungsvorbehalt für viele Facharztgruppen zu streichen, was den Ärzten mehr Entscheidungsspielraum gibt. Diese Regelung könnte dem Markt zusätzliche Impulse verleihen. Dennoch wird festgestellt, dass Kassenpatienten überwiegend fertige Arzneimittel und Extrakte erhalten, während Selbstzahler hauptsächlich nach Cannabisblüten fragen. Manche Experten befürchten, dass einige Selbstzahler die Blüten möglicherweise auch für Freizeitkonsum nutzen könnten.
Der Markt für Cannabisrezepte über Telemedizinplattformen wächst ebenfalls rasant, jedoch gibt es noch keine konkreten Zahlen über die genaue Verteilung der Selbstzahler und Kassenpatienten. Etwa 12.000 Patienten haben laut aktuellen Daten im vergangenen Jahr mindestens ein Rezept für Cannabisblüten eingelöst, während insgesamt 77.000 Patienten Rezepte für verschiedene Cannabispräparate erhalten haben. Der Umsatz aus Rezepten für Cannabisblüten betrug im letzten Jahr rund 79 Millionen Euro, was etwa 40 Prozent des gesamten Umsatzes ausmachte.
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Zur AktienanalyseZukünftige Entwicklungen auf dem Markt sind schwer vorherzusagen. Während die Teillegalisierung und die zunehmende Verfügbarkeit von medizinischem Cannabis positive Auswirkungen haben könnten, bleibt abzuwarten, wie sich Eigenanbau und Anbauvereinigungen auf die Zahl der Selbstzahler auswirken werden. Cansativa rechnet mit einem weiteren Wachstum des Marktes für medizinische Cannabisblüten und erwartet für das nächste Jahr eine Steigerung des Absatzes um mindestens 40 Prozent auf etwa 35 Tonnen.


