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Botivo: Wie ein alkoholfreier Aperitif die Getränkewelt erobert

20.000 Flaschen monatlich, 41 Michelin-Sterne-Restaurants und prominente Fans – Botivo ist mehr als ein Trend.

Botivo: Wie ein alkoholfreier Aperitif die Getränkewelt erobert

Der alkoholfreie Aperitif Botivo hat sich in wenigen Jahren von einem Geheimtipp zu einem der gefragtesten Getränke Großbritanniens entwickelt. Monatlich werden 20.000 Flaschen verkauft, und das Produkt ist in 41 Michelin-Sterne-Restaurants gelistet – darunter renommierte Adressen wie The Ledbury und St John. Auch prominente Fans wie Alexa Chung und Richard E. Grant haben Botivo für sich entdeckt.

Bei Waitrose belegt Botivo den zweiten Platz unter den meistverkauften alkoholfreien „Spirituosen" – nur der Ingwer-Switchel von Mother Root verkauft sich besser. Das ist bemerkenswert für ein Produkt, das erst vor fünf Jahren entwickelt wurde und zeigt, wie stark der Markt für alkoholfreie Alternativen in Großbritannien gewachsen ist.

Was steckt hinter dem Erfolg?

Das Rezept wurde von Sam Paget Steavenson entwickelt, einem Mixologen und Gründer des Event-Unternehmens Rum Runner, das Bars und Cocktails für Kunden wie Kate Moss, Calvin Harris und Ellie Goulding kreiert. Er war zudem für die Getränke bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle verantwortlich. Die Inspiration kam aus der Antike: „Ich entdeckte Oxymels – antike griechische Stärkungsmittel aus Honig, Essig und Kräutern", erklärt Paget Steavenson. Bei Veranstaltungen fragten Gäste immer wieder, wo sie das Getränk kaufen könnten – der Anstoß zur Vermarktung.

Die Basis von Botivo bildet eine rein natürliche Mischung aus gereiftem Apfelcidre, Bio-Honig und Botanicals. Diese Kombination verleiht dem Getränk eine Tiefe, Schärfe und einen Körper, der eher an ein alkoholisches Getränk erinnert. Getrunken werden kann es pur, mit Tonic oder Soda – und mit alkoholfreiem Bier ergibt es laut Hersteller ein hervorragendes Alsterwasser.

Vom Nischenprodukt zur Lifestyle-Marke

2022 stieß Imme Ermgassen als Mitgründerin zum Unternehmen. Die Markenstrategin, die zuvor an Kampagnen für Heineken, Grey Goose und Maker's Mark gearbeitet hatte, überarbeitete den Markenauftritt grundlegend. Den Anstoß gab ein zufälliges Treffen: Ermgassen saß auf einer Hochzeitsfeier neben Paget Steavenson – nachdem sie sich bereits in das Getränk verliebt hatte. „Am nächsten Tag schrieb ich ein Marketingkonzept", sagt sie.

Ein neues Etikett der Künstlerin Rozalina Burkova, die für ihre lebhaften Bankettszenen bekannt ist, gab der Marke ein frisches Gesicht. Limitierte Kooperationsflaschen – unter anderem für Berry Bros & Rudd und Yotam Ottolenghi – folgten. Die jüngste Zusammenarbeit mit dem Dessous-Unternehmen Coco de Mer brachte eine Variante mit Kirsche, Chili und Kakao hervor. Für den Herbst ist bereits die nächste Kooperation geplant.

Ermgassen setzt bewusst auf einen anderen Ton als viele Mitbewerber: „Die Kategorie der alkoholfreien Getränke ist so ernst – dabei macht sie eigentlich richtig Spaß." Statt Wellness-Botschaften und Mäßigungsappellen steht bei Botivo der Genuss im Vordergrund. Markenstrategin Sophia French von der Agentur Protein bestätigt diesen Wandel: „Da sich die Einstellung zum Trinken geändert hat, haben sich die Marken für alkoholfreie Getränke von der bloßen Substitution entfernt."

Expansion nach Europa – USA noch nicht im Fokus

Interessant: Jeder vierte Botivo-Käufer trinkt das Produkt tatsächlich zusammen mit Alkohol – ein Hinweis darauf, dass die Marke längst über die klassische Zielgruppe der Abstinenzler hinausgewachsen ist. Geschmacklich lässt sich Botivo gedanklich in der Nähe von Campari einordnen.

Fast alle Umsätze entfallen derzeit auf Großbritannien, doch Europa rückt ins Visier. In Belgien, Amsterdam und Lissabon ist die Marke bereits präsent. In diesem Monat startet zudem eine europaweite Direct-to-Consumer-Plattform. Den US-Markt sieht Ermgassen noch nicht als reif an: „Es ist dort primär noch ein Markt für Fertiggetränke, und sie haben noch keine wirklich anspruchsvollen Geschmacksprofile."

Die langfristige Vision ist ambitioniert: „Ich glaube, wir bewegen uns auf eine Zukunft zu, in der der Alkoholgehalt nebensächlich ist und es niemanden mehr interessiert, ob ein Produkt Alkohol enthält oder nicht", so Ermgassen. Botivo will eine eigene Kategorie schaffen – eine, bei der es ausschließlich um den Geschmack geht.

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