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BP feuert Verwaltungsratschef Manifold wegen schwerer Governance-Verstöße

Der britische Ölkonzern BP entlässt Albert Manifold mit sofortiger Wirkung – knapp acht Monate nach seinem Amtsantritt.

BP feuert Verwaltungsratschef Manifold wegen schwerer Governance-Verstöße

BP hat seinen Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold mit sofortiger Wirkung entlassen. Als Begründung nannte der britische Ölkonzern am Dienstag schwerwiegende Bedenken hinsichtlich Governance-Standards, Aufsicht und Verhalten. Die Entscheidung fiel einstimmig durch den gesamten Verwaltungsrat – knapp acht Monate nach Manifolds Amtsantritt.

In einer offiziellen Erklärung teilte BP mit: „Dies folgt auf ernsthafte Bedenken, die gegenüber dem Verwaltungsrat in Bezug auf wichtige Governance-Standards, Aufsicht und Verhalten geäußert wurden." Die leitende unabhängige Direktorin Amanda Blanc, die Manifolds Ernennung im Oktober selbst beaufsichtigt hatte, ergänzte: „Albert hat dazu beigetragen, der Transformation von BP einen willkommenen Fokus und ein hohes Tempo zu verleihen. Der Verwaltungsrat war jedoch überrascht und enttäuscht, von Governance-Aufsichts- und Verhaltensfragen zu erfahren, die er für inakzeptabel hält, und hat entschlossen gehandelt." Ein BP-Sprecher lehnte es ab, weitere Einzelheiten zu nennen.

Die Reaktion an den Märkten war unmittelbar und heftig: Die BP-Aktien fielen nach der Ankündigung um fast 10 Prozent, der Handel wurde kurzzeitig ausgesetzt. Im weiteren Tagesverlauf erholten sich die Papiere teilweise und notierten zuletzt knapp 5 Prozent im Minus. Ein Index europäischer Energieunternehmen verlor weniger als 1 Prozent.

Erneuter Führungsskandal bei einem krisengeschüttelten Konzern

Manifolds Abgang reiht sich in eine Serie von Führungskrisen bei BP ein. Vor weniger als drei Jahren wurde der damalige CEO Bernard Looney entlassen, nachdem er den Verwaltungsrat über persönliche Beziehungen zu Kollegen belogen hatte. Kurz nach Manifolds Amtsantritt verließ Looneys Nachfolger Murray Auchincloss im Dezember abrupt das Unternehmen – ohne dass ein klarer Grund für sein Ausscheiden genannt wurde. Mit Meg O'Neill, der ehemaligen Chefin des australischen Energiekonzerns Woodside, wurde umgehend die fünfte CEO von BP seit 2020 ernannt. O'Neill soll die strategische Neuausrichtung des Konzerns hin zu Öl und Gas und weg von erneuerbaren Energien beschleunigen – eine Kehrtwende, die Auchincloss Anfang des vergangenen Jahres eingeleitet hatte.

Manifold selbst war kein klassischer Energiemanager. Er hatte sich als Chef des irischen Baustoffherstellers CRH einen Namen gemacht, dessen Portfolio er grundlegend umgestaltete und dessen Primärnotierung er von Irland in die USA verlegte – mit deutlich positivem Effekt auf den Aktienkurs. BP hatte seine Ernennung im vergangenen Jahr bekanntgegeben, nachdem die jahrelange Underperformance der BP-Aktie gegenüber der Konkurrenz anhaltende Spekulationen über eine mögliche Übernahme oder Zerschlagung des Konzerns ausgelöst hatte.

Manifold war zudem vom aktivistischen Hedgefonds Elliott unterstützt worden, der eine Beteiligung von rund 5 Prozent an BP aufgebaut hat. Unter seiner Führung verkleinerte sich der BP-Verwaltungsrat. Shell-Finanzchef Simon Henry, der erst im September zu BP gestoßen war, gehörte zu denjenigen, die das Unternehmen verließen.

Schwache Hauptversammlung als Vorbote

Bereits auf der Jahreshauptversammlung von BP im April hatte es Warnsignale gegeben. Der Verwaltungsrat scheiterte mit zwei seiner Beschlussvorlagen bei den Aktionären. Manifolds eigene Ernennung zum Vorsitzenden erhielt lediglich rund 82 Prozent der Stimmen – deutlich unter dem üblichen Wert von nahezu 100 Prozent für Direktoren. Der Stimmrechtsberater Glass Lewis hatte damals eine Gegenstimme gegen Manifold empfohlen, da er ihn für die Entscheidung verantwortlich hielt, eine von der Klimaaktivistengruppe Follow This eingereichte Resolution von der Abstimmung auszuschließen.

Als interimistischer Vorsitzender übernimmt nun Ian Tyler, ein ehemaliger Chef des britischen Baukonzerns Balfour Beatty und seit dem vergangenen Jahr Mitglied des BP-Verwaltungsrats. Für den angeschlagenen Energieriesen bedeutet der erneute Führungswechsel an der Spitze eine weitere Belastungsprobe – inmitten einer laufenden strategischen Neuausrichtung und wachsendem Druck durch aktivistische Investoren.

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