BP gewinnt Schiedsverfahren gegen Venture Global
Milliardenforderung nach Streit um verspätete LNG-Lieferungen und Produktionsstart in Louisiana

BP hat im Streit mit dem US-Energieunternehmen Venture Global einen wichtigen Erfolg erzielt. Ein internationales Schiedsgericht entschied zugunsten des britischen Ölkonzerns, nachdem Venture Global seine Verpflichtungen zur Lieferung von verflüssigtem Erdgas (LNG) nicht erfüllt hatte. Das Verfahren wurde vor der International Chamber of Commerce International Court of Arbitration geführt und betrifft den LNG-Vertrag zwischen beiden Unternehmen, der Ende 2022 in Kraft treten sollte. Venture Global teilte mit, das Gericht habe festgestellt, dass das Unternehmen seine Verpflichtung verletzt habe, den Beginn der kommerziellen Produktion am Calcasieu-Pass-Werk rechtzeitig zu erklären und als „vernünftiger und sorgfältiger Betreiber“ zu handeln.
Der Schiedsspruch steht im Gegensatz zu einem früheren Verfahren aus dem August, in dem Venture Global in einem ähnlichen Fall gegen Shell obsiegte. Warum die Entscheidungen unterschiedlich ausfielen, blieb zunächst unklar. BP fordert nun mehr als eine Milliarde Dollar an Schadenersatz, zuzüglich Zinsen, Kosten und Anwaltsgebühren. Venture Global erklärte, man sei enttäuscht über die Entscheidung und sehe darin einen Widerspruch zu den Feststellungen im Verfahren mit Shell. Nach Bekanntwerden des Urteils verloren die Aktien von Venture Global im nachbörslichen Handel über zehn Prozent, was einem Wertverlust von rund 3,3 Milliarden Dollar entsprach.
Im kommenden Jahr soll in einem separaten Verfahren entschieden werden, wie hoch die von Venture Global an BP zu zahlenden Schadenersatzsummen ausfallen werden. Nach Angaben von Venture Global könnte der Betrag über einer in den ursprünglichen Lieferverträgen festgelegten Obergrenze liegen. BP äußerte sich zufrieden mit dem bisherigen Ausgang des Verfahrens und betonte, man freue sich auf die Festlegung der genauen Zahlungssumme. Venture Global erklärte, man prüfe derzeit alle verfügbaren rechtlichen Optionen und werde seine Position weiterhin energisch verteidigen.
Darüber hinaus meldete das Unternehmen, dass ein weiterer Streit mit einem Kunden der Calcasieu-Pass-Anlage außergerichtlich beigelegt worden sei. Der Name des betreffenden Unternehmens wurde nicht genannt, Venture Global betonte jedoch, die Einigung habe keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen. Weitere Energieunternehmen, darunter Edison und Galp, haben ebenfalls Klagen gegen Venture Global eingereicht. Sie werfen dem US-Betreiber vor, nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 LNG-Lieferungen nicht vertragsgemäß ausgeführt, sondern die Fracht stattdessen auf dem Spotmarkt zu höheren Preisen verkauft zu haben.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseVenture Global begründete das Vorgehen mit technischen Problemen in der Stromversorgung der Anlage, die den offiziellen Beginn des kommerziellen Betriebs verzögert hätten. Erst im April 2025 nahm das Unternehmen die volle Produktion in Calcasieu Pass auf. Seitdem verkauft es LNG zu den vertraglich vereinbarten Preisen, die deutlich niedriger liegen als die früheren Spotmarktpreise. Die Einnahmen von Venture Global aus LNG-Gebühren sanken im zweiten Quartal um rund 70 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn, während die europäischen Gaspreise am niederländischen Handelsplatz TTF im selben Zeitraum um 24 Prozent fielen.


