BP startet Verkauf von Anteilen an Golf-von-Mexiko-Projekten
Der britische Ölkonzern BP will Minderheitsbeteiligungen an den Milliardenprojekten Kaskida und Tiber veräußern.

BP, einer der größten Betreiber im Golf von Mexiko, hat laut Insidern den Verkaufsprozess für Minderheitsbeteiligungen an zwei seiner wichtigsten Tiefseeprojekte eingeleitet. Betroffen sind die Vorhaben Kaskida und Tiber, die laut Reuters jeweils mit mehreren Milliarden US-Dollar bewertet werden. Vier mit der Angelegenheit vertraute Personen bestätigten die Pläne unter der Bedingung der Anonymität. BP selbst lehnte eine Stellungnahme gegenüber Reuters ab.
Der Konzern erwägt den Verkauf von Minderheitsanteilen bereits seit mehr als einem Jahr. Angaben zur genauen Größe der zum Verkauf stehenden Beteiligungen machten die Insider nicht. Das Vorgehen ist in der Öl- und Gasindustrie gängige Praxis: Unternehmen bieten Minderheitsbeteiligungen an Projekten in der Entwicklungsphase an, um gebundenes Kapital freizusetzen und Risiken zu teilen.
Strategische Schlüsselprojekte mit hoher Produktionskapazität
Kaskida und Tiber gelten als die bedeutendsten Vorhaben von BP im Golf von Mexiko. Für beide Projekte wird eine Produktionskapazität von jeweils 80.000 Barrel Öl pro Tag erwartet. Der Produktionsstart für Kaskida ist für das Jahr 2029 geplant, Tiber soll im Jahr 2030 in Betrieb gehen.
Die Projekte spielen eine zentrale Rolle in BPs Wachstumsstrategie für die USA. Das in London börsennotierte Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, seine US-Upstream-Produktion bis 2030 auf rund eine Million Barrel Öläquivalent pro Tag zu steigern. Das entspricht knapp der Hälfte des globalen Förderziels von 2,3 bis 2,5 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag im selben Zeitraum.
Strategiewende unter neuem CEO
Der Verkaufsprozess fällt in eine Phase des strategischen Umbaus bei BP. Das Unternehmen hat seine Ausrichtung im vergangenen Jahr grundlegend neu justiert und konzentriert sich nun wieder verstärkt auf Investitionen in Öl und Gas. Damit vollzieht BP eine deutliche Kehrtwende von seinem früheren Vorstoß in den Bereich der erneuerbaren Energien – ein Schritt, der nach anhaltender Kritik von Investoren und einer schwachen Aktienkursentwicklung erfolgte.
An der Spitze des Konzerns steht seit April ein neues Gesicht: CEO O'Neill, der aus Boulder, Colorado, stammt, ist der erste externe Neuzugang an der Unternehmensspitze seit mehr als einem Jahrhundert. Unter seiner Führung soll die Neuausrichtung konsequent vorangetrieben werden.
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Zur AktienanalyseÖlpreise auf hohem Niveau
Das Marktumfeld spielt BP dabei in die Karten. Die Ölpreise sind im bisherigen Jahresverlauf um über 40 Prozent gestiegen. Als Hauptgrund gilt der US-israelische Krieg gegen den Iran, der das weltweite Angebot erheblich beeinträchtigt hat.
Für BP als stark auf die USA ausgerichteten Konzern bietet das aktuelle Preisumfeld günstige Bedingungen, um Kapital aus Entwicklungsprojekten freizusetzen und gleichzeitig das Wachstum im Upstream-Bereich voranzutreiben. Ob und wann ein konkreter Deal für Kaskida oder Tiber zustande kommt, ist derzeit noch offen.


