Brasiliens Haushaltsdefizit erreicht höchsten Stand seit Pandemie-Ära
Hohe Zinslast treibt Brasiliens Gesamtdefizit auf knapp 10% des BIP – den höchsten Wert seit April 2021.

Brasiliens gesamtes Haushaltsdefizit hat sich in den zwölf Monaten bis Juni auf fast 10% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgeweitet. Wie Daten der brasilianischen Zentralbank am Freitag zeigten, erreichte das Defizit damit den höchsten Stand seit 2021. Haupttreiber sind die stark gestiegenen Zinskosten, die die öffentlichen Finanzen des Landes massiv belasten.
Konkret stieg das Defizit auf 1,3 Billionen Reais – umgerechnet rund 257 Milliarden US-Dollar –, was 9,99% des BIP entspricht. Im Mai hatte der Wert noch bei 9,61% gelegen, im Vorjahresvergleich sogar nur bei 7,27%. Zuletzt war ein ähnlich hohes Defizit im April 2021 verzeichnet worden, als Lateinamerikas größte Volkswirtschaft mit außerordentlichen Ausgaben im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie zu kämpfen hatte und das Defizit 10,25% des BIP erreichte.
Zinslast als größte fiskalische Schwachstelle
Viele Ökonomen sehen in Brasiliens schnell wachsender Zinslast die größte fiskalische Schwachstelle des Landes. Hohe Zinssätze und gestiegene Risikoprämien verschärfen die Situation zusätzlich. In den zwölf Monaten bis Juni machten die Zinszahlungen allein 8,80% des BIP aus und bildeten damit den mit Abstand größten Posten des nominalen Defizits. Das Primärdefizit – also das Defizit ohne Zinszahlungen – lag vergleichsweise moderat bei 1,19% des BIP.
Allein im Juni belief sich die nominale Zinslast Brasiliens auf insgesamt 110,7 Milliarden Reais. Der öffentliche Sektor verzeichnete in diesem Monat ein Primärdefizit von 55,3 Milliarden Reais – deutlich mehr als die von Ökonomen in einer Reuters-Umfrage erwarteten 49,8 Milliarden Reais. Das Gesamtdefizit für den Monat Juni erreichte damit 166 Milliarden Reais, während die Marktprognose lediglich von 133,2 Milliarden Reais ausgegangen war.
Bruttoverschuldung steigt weiter an
Auch die Bruttoverschuldung des Staates entwickelt sich besorgniserregend. Sie stieg gegenüber Mai um 0,9 Prozentpunkte auf 81,9% des BIP – und übertraf damit die von Reuters befragten Ökonomen prognostizierte Quote von 81,5%. Als Haupttreiber gelten aufgelaufene Zinsaufwendungen sowie die Netto-Neuverschuldung.
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Zur AktienanalyseSeit dem Amtsantritt von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Januar 2023 ist die Bruttoverschuldung Brasiliens um 10,2 Prozentpunkte des BIP gestiegen. Die Bruttoverschuldung gilt dabei als die wichtigste Kennzahl für die Solvenz des Landes und wird von Investoren und internationalen Institutionen besonders aufmerksam beobachtet.
Im internationalen Vergleich fällt Brasiliens fiskalische Position deutlich schwächer aus. Das Defizit liegt weit über dem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) für dieses Jahr prognostizierten Durchschnittswert von rund 6% für Schwellenländer und Volkswirtschaften mit mittlerem Einkommen. Investoren bleiben skeptisch, ob die Regierung in der Lage ist, die Verschuldung zu stabilisieren, da die öffentlichen Ausgaben weiter steigen.


