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Brasiliens Zentralbank senkt Leitzins auf 14,25 Prozent

Dritte Zinssenkung in Folge – doch steigende Inflation und Wahlkampfausgaben trüben die Aussichten erheblich.

Brasiliens Zentralbank senkt Leitzins auf 14,25 Prozent

Brasiliens Zentralbank hat am Mittwoch ihren Leitzins Selic erneut gesenkt und hält sich dabei alle weiteren Optionen offen. Der geldpolitische Ausschuss Copom stimmte einstimmig für eine Reduktion um 25 Basispunkte auf nun 14,25 Prozent – das niedrigste Niveau seit Mai 2025. Die Entscheidung entsprach den Erwartungen von 41 der 45 von Reuters befragten Ökonomen.

Es ist bereits die dritte Zinssenkung in Folge. Die Zentralbank hatte im März mit ihrem Lockerungszyklus begonnen und argumentiert, dass die vorangegangene aggressive Straffung der Geldpolitik spürbare Auswirkungen auf Wirtschaftstätigkeit und Kreditvergabe gezeigt habe. Dies schaffe Raum für eine schrittweise „Kalibrierung" des Leitzinses, während dieser weiterhin im restriktiven Bereich verbleibe.

Offene Formulierung signalisiert Unsicherheit

In seiner geldpolitischen Erklärung hielt sich der Copom bewusst bedeckt: „Der Ausschuss bekräftigt, dass der Gesamtumfang des Kalibrierungszyklus im Lichte neuer Informationen festgelegt wird." Diese Formulierung signalisiert, dass künftige Schritte stark von der weiteren Datenlage abhängen werden – ein Zeichen für die wachsende Unsicherheit, mit der Brasiliens Währungshüter konfrontiert sind.

Liam Peach, Senior-Ökonom für Schwellenländer bei Capital Economics, kommentierte: „Der Lockerungszyklus wird von nun an wahrscheinlich unstetig verlaufen, und das Ausmaß weiterer Zinssenkungen wird von der Datenlage abhängen, da die Inflation in diesem Jahr weiter steigt." Er prognostiziert Senkungen um insgesamt 50 Basispunkte in den nächsten vier Sitzungen, was den Selic bis Jahresende auf 13,75 Prozent bringen würde.

Jose Francisco Goncalves, Ökonom an der Universität von São Paulo, interpretierte die neue Wortwahl der Zentralbank als Signal, dass die bisherigen geldpolitischen Maßnahmen ausreichen könnten, um die Inflation zum Ziel zu führen. „Das Tempo, mit dem der Selic sinken wird, hängt von den globalen Bedingungen ab", sagte er.

Inflation steigt – Zentralbank hebt Prognosen an

Die Inflationslage in Brasilien hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Die jährliche Inflation beschleunigte sich im Mai auf 4,72 Prozent und liegt damit deutlich über dem offiziellen Zielwert von 3 Prozent. Die Zentralbank hob ihre Inflationsprognose für das laufende Jahr von 4,6 auf 5,2 Prozent an. Für den relevanten geldpolitischen Horizont im vierten Quartal 2027 stieg die Prognose von 3,5 auf 3,7 Prozent – ebenfalls über dem Zielwert.

Mehrere Faktoren belasten die Inflationsaussichten gleichzeitig. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva treibt im Hinblick auf seine angestrebte Wiederwahl im Oktober Maßnahmen zur Förderung der Haushaltsausgaben voran. Die Währungshüter nannten diese wirtschaftlichen Stimuli ausdrücklich als Aufwärtsrisiko für die Inflation und warnten, sie könnten „einige der üblichen Transmissionskanäle der Geldpolitik schwächen".

Hinzu kommen externe Schocks: Ökonomen hatten zuletzt ihre Erwartungen für Zinssenkungen angesichts eines Ölpreisanstiegs im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran zurückgeschraubt. Zwar haben die Ölpreise in dieser Woche nachgegeben, nachdem Anzeichen für Fortschritte bei einem Abkommen zwischen den USA und dem Iran aufgetaucht sind. Doch die Herausforderungen für Brasiliens Zentralbank sind an anderen Fronten seit der letzten Sitzung Ende April gewachsen.

Weitere Risiken: Wetter und Arbeitsmarkt

Zentralbankgouverneur Gabriel Galipolo hat zusätzlich auf die möglichen Auswirkungen eines El-Niño-Wetterphänomens als angebotsseitigen Preisschock hingewiesen. Ökonomen warnen zudem vor einem im Kongress diskutierten Gesetzentwurf, der Arbeitnehmern zwei freie Tage pro Woche garantieren soll. Dieser könnte den Preisdruck erhöhen, da er die Kosten in einer Wirtschaft steigert, in der das Einkommenswachstum in einem angespannten Arbeitsmarkt die Produktivität bereits übertroffen hat.

Für internationale Anleger und Beobachter bleibt Brasilien damit ein Schwellenland im Spannungsfeld zwischen notwendiger geldpolitischer Lockerung und hartnäckigem Inflationsdruck. Die Markterwartungen für die Inflation sind nicht nur für dieses und nächstes Jahr, sondern auch für 2028 gestiegen – ein Signal, dass Zweifel an der langfristigen Fähigkeit der Zentralbank bestehen, die Preise dauerhaft zu verankern.

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