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Britische Banken ohne KI-Zugang: Weckruf für Großbritanniens Souveränität

Der fehlende Zugang zum KI-Modell Mythos von Anthropic alarmiert britische Finanzexperten und Regierungsberater.

Britische Banken ohne KI-Zugang: Weckruf für Großbritanniens Souveränität

Britische Banken haben keinen Zugang zum leistungsstarken KI-Modell Mythos des US-Unternehmens Anthropic – und das sorgt für Alarm. Harriet Rees, CIO der Starling Bank und seit Januar vom britischen Finanzministerium zur „KI-Beauftragten" ernannt, bezeichnet die Situation als dringenden Weckruf. Großbritannien müsse eigene KI-Kapazitäten aufbauen und einen strategischeren Ansatz für diese Technologie entwickeln.

„Es ist an der Zeit, dass wir sehr strategisch darüber nachdenken, was wir tun müssen, um unsere führende Position für die Zukunft zu sichern. Die Zeit drängt; wir haben hier keine zwei Jahre Zeit", sagte Rees in einem Interview mit Reuters. Die Botschaft ist klar: Abhängigkeit von US-Technologie ist ein Risiko, das Großbritannien nicht länger ignorieren kann.

Warum Mythos so begehrt ist

Anthropic veröffentlichte Mythos im April für eine ausgewählte Gruppe, zu der auch das US-Kreditinstitut JPMorgan gehörte. Banken weltweit wollen Zugang zu dem Modell, weil es als das fortschrittlichste KI-System zur Identifizierung von Cybersicherheitslücken gilt. Es hilft Finanzinstituten, Schwachstellen schneller zu beheben und ihre Abwehrmechanismen zu stärken – ein entscheidender Vorteil in einer Zeit zunehmender Cyberangriffe auf den Finanzsektor.

In Großbritannien wurde bislang nur einer sehr kleinen Anzahl von Banken Zugang gewährt – hauptsächlich den britischen Niederlassungen von US-Kreditinstituten. Große britische Banken haben laut dem CEO eines der größten britischen Geldhäuser noch immer keinen Zeitplan, wann sie mit dem Zugang rechnen können. Die US-Regierung hatte strenge Beschränkungen eingeführt, wer auf Mythos zugreifen darf.

Ende Juni erklärte Anthropic jedoch, die Erlaubnis erhalten zu haben, sein KI-Modell für vertrauenswürdige US-Organisationen freizugeben. Ein Sprecher des Unternehmens teilte mit: „Wir haben mit dem Rollout von Mythos 5 für Organisationen außerhalb der Vereinigten Staaten begonnen. Wir koordinieren uns weiterhin mit der US-Regierung, um den Zugang auf einen breiteren Kreis nationaler und internationaler Partner auszuweiten."

Bank of England und Regierung fordern internationale Kooperation

Auch Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, meldete sich zu Wort. In seiner Mansion-House-Rede am Dienstagabend erneuerte er seine Forderung an die USA, bei der Bewältigung von Risiken durch hochmoderne KI-Modelle kooperativer vorzugehen. „Dies muss international koordiniert werden, da sich kein Land von der grenzüberschreitenden Natur der heute vorherrschenden Systeme abschotten kann", sagte Bailey.

Parallel dazu haben Rees und ihr Kollege Rohit Dhawan, Leiter der KI-Abteilung bei der Lloyds Banking Group, ein Paket von Empfehlungen zur KI-Politik und -Regulierung entwickelt. Die Vorschläge wurden im Rahmen des KI-Adoptionsplans der britischen Regierung für den Finanzsektor veröffentlicht – zeitgleich mit der Mansion-House-Rede von Finanzministerin Rachel Reeves. Die Empfehlungen fordern unter anderem, dass Aufsichtsbehörden den zunehmenden Einsatz von KI-Chatbots für die Finanzberatung von Verbrauchern prüfen sollen.

Reeves erklärte, sie habe „einen ernsthaften Plan für KI-Souveränität vorgelegt, der britische Unternehmen dabei unterstützt, im Wettbewerb zu bestehen und zu gewinnen". Die britische Regierung kündigte an, mit Aufsichtsbehörden und der Industrie an den nächsten Schritten zu arbeiten.

Diversifizierung und stärkere Regulierung als Ausweg

Neben dem Aufbau eigener Kapazitäten empfiehlt Rees, Großbritannien solle seine Optionen erweitern und Beziehungen zu KI-Unternehmen außerhalb der USA aufbauen – etwa in China und Frankreich. Damit soll die einseitige Abhängigkeit von amerikanischen Technologieanbietern reduziert werden.

Dhawan schlägt zudem vor, KI-Unternehmen, von denen Banken bereits abhängig sind, als „kritische" Anbieter für den Finanzsektor einzustufen und damit in den Zuständigkeitsbereich der Finanzaufsichtsbehörden zu bringen. Dies würde die Transparenz verbessern und die Widerstandsfähigkeit dieser Anbieter stärken – analog zu den vier US-Cloud-Anbietern, die am Freitag in ähnlicher Weise eingestuft wurden. Aufsichtsbehörden warnen seit Langem, dass die Konzentration bei kritischen Technologieanbietern Risiken für die Finanzstabilität und die Betriebssicherheit darstellen könnte.

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