Britische Gilt-Renditen fallen auf Fünfwochentief – Politische Lage beruhigt sich
Sinkende Zinserwartungen und nachlassende politische Unsicherheit rund um Premier Starmer entlasten den britischen Anleihemarkt spürbar.

Die Renditen britischer Staatsanleihen – sogenannte Gilts – sind am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit fünf Wochen gefallen. Ausschlaggebend waren nachlassende Sorgen über die politische Lage in Großbritannien sowie Optimismus über ein mögliches Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen Gilt lag am Dienstag bei 4,85 Prozent.
Bereits am Freitag hatten die Renditen im Zuge einer Erleichterungsrallye um rund 30 Basispunkte nachgegeben. Auch die Rendite 30-jähriger Gilts sank in der vergangenen Woche um mehr als 30 Basispunkte und fiel am Dienstag weiter auf 5,552 Prozent. Damit setzt sich die Entspannung an den britischen Anleihemärkten fort, nachdem die Renditen zuvor auf Mehrjahreshöchststände geklettert waren.
Politische Krise um Starmer belastete Anleihemärkte
Der Auslöser für den vorangegangenen Renditeanstieg war eine Serie desaströser Ergebnisse der regierenden Labour Party bei den landesweiten Kommunalwahlen. Die schlechten Wahlergebnisse hatten die Amtszeit von Premierminister Keir Starmer massiv unter Druck gesetzt. Fast 100 Labour-Abgeordnete forderten seinen Rücktritt – bislang ohne Erfolg.
Starmer sieht sich nun potenziellen Herausforderern um die Parteiführung gegenüber. Zu den möglichen Kandidaten zählen sein ehemaliger Gesundheitsminister Wes Streeting, seine frühere Stellvertreterin Angela Rayner sowie der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham. Burnham gilt auf den Prognosemärkten als Favorit, muss jedoch zunächst eine für den 18. Juni geplante Nachwahl im Wahlkreis Makerfield gewinnen, um überhaupt Parlamentsabgeordneter zu werden.
Die politische Unsicherheit hatte die Anleihemärkte in Unruhe versetzt, weil Investoren abwägen mussten, ob ein neuer Premierminister die selbst auferlegten Fiskalregeln zur Begrenzung von Kreditaufnahme und Ausgaben lockern würde. Solche Lockerungen würden die Staatsverschuldung erhöhen und damit die Risikoprämien auf britische Anleihen in die Höhe treiben.
Beruhigung durch fiskalische Signale und Iran-Optimismus
Zur Entspannung trug bei, dass Starmers potenzielle Herausforderer Erwartungen zurückgewiesen haben, die fiskalischen Zügel des Vereinigten Königreichs zu lockern. Diese Signale haben Anleger beruhigt und den Druck auf die Gilt-Renditen gemindert. Solange die Haushaltsdisziplin gewahrt bleibt, sinkt das Risiko einer unkontrollierten Ausweitung der Staatsschulden.
Zusätzlichen Rückenwind erhielten die Anleihemärkte durch Optimismus über ein potenzielles Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran sowie eine mögliche rasche Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Eine Einigung würde den Inflationsdruck mindern und die Wahrscheinlichkeit künftiger Zinserhöhungen verringern – beides positive Faktoren für Anleihepreise.
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Zur AktienanalyseEuropäische Anleihen ziehen mit
Britische Gilts folgten dabei dem Trend der Eurozone. Nach der Rückkehr aus dem Feiertag fielen die Renditen zweijähriger deutscher Bundesanleihen am Montag um mehr als 9 Basispunkte auf 2,546 Prozent – den niedrigsten Stand seit dem 8. Mai. Die synchrone Bewegung zeigt, dass globale Faktoren wie die geopolitische Lage im Nahen Osten die europäischen Anleihemärkte gemeinsam bewegen.
Das Analysehaus Pantheon Macroeconomics erklärte in einer Mitteilung am Dienstag, dass Gilt-Investoren über die in der vergangenen Woche veröffentlichten schwachen britischen Wirtschaftsdaten hinwegsehen. Für deutsche Anleger, die in britische Staatsanleihen oder britische Vermögenswerte investiert sind, bleibt die politische Entwicklung in London ein wichtiger Beobachtungsfaktor – insbesondere mit Blick auf die Nachwahl in Makerfield am 18. Juni und mögliche Führungswechsel bei Labour.


