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Britische Märkte unter Druck: So agieren Anleger jetzt

Politische Turbulenzen rund um Premier Starmer erschüttern britische Gilts, das Pfund und den FTSE 250 – doch Experten sehen Chancen.

Britische Märkte unter Druck: So agieren Anleger jetzt

Britische Vermögenswerte stehen unter erheblichem Druck. Seit Wochen sorgt die angeschlagene Führungsposition von Premierminister Keir Starmer für Volatilität an den Märkten. Sein politischer Rivale Andy Burnham wurde als Kandidat für eine Nachwahl bestätigt – ein entscheidender Schritt, der ihm die Rückkehr ins Parlament und damit eine formelle Herausforderung von Starmers Parteivorsitz ermöglichen könnte. Rücktrittsrufe aus den eigenen Reihen und eine Welle von Regierungsrücktritten verschärfen die Lage zusätzlich.

Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte sind spürbar: Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen britischen Staatsanleihe (Gilt) verharrt nahe einem Höchststand seit 2008. Anleihen mit längeren Laufzeiten notieren nahe ihren höchsten Ständen seit Ende der 1990er-Jahre. Auch das britische Pfund und der FTSE 250 – der Index der mittelgroßen börsennotierten Unternehmen – gerieten zuletzt deutlich unter Druck.

Citi setzt weiter auf britische Large Caps

Trotz der politischen Unsicherheiten halten viele institutionelle Anleger an ihrer positiven Einschätzung britischer Aktien fest. Die Analysten der US-Großbank Citi erklärten in einer Mitteilung, dass sie den FTSE 100 weiterhin übergewichten. Britische Large Caps seien eine „geopolitische Absicherung aufgrund ihres signifikanten Engagements in Rohstoffen und defensiven Werten". Gleichzeitig warnt Citi, dass die Risiken in Richtung eines schwächeren Pfunds und höherer Gilt-Renditen tendieren – möglicherweise bis zu 5,25% bei der 10-jährigen Gilt, sollte eine glaubwürdige Führungsherausforderung zustande kommen.

Citi identifizierte 21 Aktien, die in einem Umfeld mit hohen Renditen und schwachem Pfund gut positioniert sind oder sogar eine Outperformance erzielen könnten. Dazu zählen unter anderem:

  • AstraZeneca, GlaxoSmithKline, BP und Shell
  • BAE Systems, HSBC und Standard Chartered
  • Glencore, Burberry, Vodafone und Pearson
  • London Stock Exchange Group (LSEG), Man Group und Relx

Negativ betroffen seien hingegen Wohnungsbauunternehmen wie Barratt Redrow und Bellway, der Primark-Eigentümer Associated British Foods, die British-Airways-Muttergesellschaft IAG sowie der Lebensmittelriese Sainsbury's.

SALO-Strategie: Weiche Vermögenswerte, geringe Veralterung

Ben Needham, Portfoliomanager bei Ninety One, sieht trotz der Turbulenzen attraktive Einstiegsgelegenheiten. Er erklärte gegenüber CNBC, dass der britische Markt in diesem Jahr „bemerkenswert undifferenziert" agiert habe. „Im Februar wurde im Grunde jede Aktie mit immateriellen Vermögenswerten gleichermaßen abgestraft, trotz der enormen Vielfalt an Unternehmen, die unter diesen Begriff fallen", so Needham.

Ninety One nutzte diese Phase, um gezielt in sogenannte „SALO-Unternehmen" zu investieren – ein Begriff, den Needham für Unternehmen mit weichen Vermögenswerten und geringer Veralterung (Soft Asset, Low Obsolescence) prägte. Konkret kaufte der Fondsmanager Titel wie LSEG, Relx, Experian, Autotrader und Amadeus. „Wir glauben, dass der Markt generell nach dem Motto ‚erst schießen, dann fragen' vorgegangen ist, was eine großartige Gelegenheit für Fehlbewertungen mit einer viel größeren Sicherheitsmarge als im letzten Jahr geschaffen hat", sagte Needham.

Er hob hervor, dass viele dieser Unternehmen ihre Aktienrückkäufe und Kapitalrückzahlungen nach dem Ausverkauf beschleunigt hätten – ein Signal, das Needham als starken Wertindikator wertet. Unternehmen wie Experian, ConvaTec, Relx und Auto Trader wüchsen weiterhin organisch im Bereich von 4% bis 8%. Auch Unternehmen mit starken Wertversprechen wie Greggs und JD Wetherspoon erzielten in einem schwierigeren Umfeld eine Outperformance.

SMIDs: Hohes Risiko, aber spektakuläre Renditechancen

Adrian Gosden, Investmentmanager bei Jupiter Asset Management in London, teilt die grundsätzlich optimistische Einschätzung zum britischen Markt. „Das Narrativ über Investitionen in Großbritannien ist, dass es eine komplette Zeitverschwendung sei, aber die Fakten stützen das einfach nicht", sagte er. Sein Jupiter U.K. Income Fund erzielte im vergangenen Jahr eine Rendite von 27%. Einzelne FTSE-100-Schwergewichte wie Rio Tinto legten in den letzten 12 Monaten mehr als 61% zu, BP stieg um 56%.

Für risikobereitere Anleger sieht Gosden die größten Chancen im Segment der Small- und Mid-Caps, kurz SMIDs. Dieses Marktsegment unterhalb einer Marktkapitalisierung von 3 Milliarden Pfund werde derzeit mit einem 20-Jahres-Abschlag gegenüber größeren Unternehmen gehandelt. „Ich mache das seit 30 Jahren. Ich habe das erst einmal zuvor gesehen, und die Renditen auf der anderen Seite waren spektakulär", so Gosden.

Konkret verwies er auf Wohnungsbauaktien, die in einem Jahr fast 50% ihres Wertes verloren haben, sowie auf Gastgewerbeaktien, von denen viele laut Gosden in den letzten 12 Monaten die Hälfte ihrer Rentabilität eingebüßt hätten. Das operative Hebelpotenzial sei enorm: „Für einige dieser Unternehmen bedeutet eine Verbesserung des Umsatzes um 1% eine Verbesserung des Gewinns um 20%." Jupiters U.K. Multi-Cap Income Fund, der gezielt auf dieses Marktsegment ausgerichtet ist, lieferte in dem am 30. April endenden Jahr eine Rendite von 14,8%.

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