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Britische Staatsanleihen erreichen höchsten Zinssatz seit 18 Jahren

Politische Unsicherheit um Premier Starmer treibt britische Kreditkosten auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008.

Britische Staatsanleihen erreichen höchsten Zinssatz seit 18 Jahren

Die Kreditkosten der britischen Regierung sind am Dienstag auf den höchsten Stand seit 18 Jahren gestiegen. Der Zinssatz für zehnjährige britische Staatsanleihen – sogenannte „Gilts" – kletterte kurzzeitig auf 5,13 Prozent, ein Niveau, das zuletzt während der globalen Finanzkrise 2008 verzeichnet wurde. Auslöser ist die wachsende Unsicherheit über die politische Zukunft von Premierminister Sir Keir Starmer.

Gleichzeitig belastet der Iran-Krieg die Finanzmärkte weltweit. Gestiegene Ölpreise von über 100 US-Dollar pro Barrel schüren Inflationsängste und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen. Doch das Vereinigte Königreich verzeichnete im Vergleich zu Ländern ähnlicher Wirtschaftsgröße überdurchschnittlich hohe Zinsanstiege – ein Zeichen, dass die politische Komponente die Märkte besonders belastet.

Auch der britische Leitindex FTSE 100 geriet unter Druck und verlor 0,5 Prozent. Besonders stark traf es Aktien britischer Banken, die Sorgen über mögliche Steuererhöhungen durch eine potenzielle neue Regierung widerspiegelten. Das Pfund Sterling gab gegenüber dem US-Dollar ebenfalls um 0,5 Prozent auf 1,35 Dollar nach.

Angst vor fiskalischer Lockerung treibt Renditen

Im Kern der Marktturbulenzen steht die Frage, was ein möglicher Führungswechsel bei Labour für die britische Haushaltspolitik bedeuten würde. Premierminister Starmer und Schatzkanzlerin Rachel Reeves haben sich stets zu „eisernen" Regeln für die staatliche Kreditaufnahme bekannt, um das Vertrauen der Märkte zu sichern. Einige Labour-Abgeordnete vom linken Parteiflügel stellen diese Regeln jedoch infrage.

Analysten von Capital Economics erklärten, sie rechneten bei einem Wechsel an der Spitze der Labour-Partei mit steigenden Kreditkosten und einem schwächeren Pfund. „Die ohnehin fragile Haushaltslage des Vereinigten Königreichs bedeutet, dass Investoren bei jeglichen Anzeichen einer fiskalischen Lockerung alarmiert sein werden", hieß es in einer Einschätzung des Analysehauses. Die Experten deuteten zudem an, dass mögliche Nachfolger wie Andy Burnham, Angela Rayner und Wes Streeting „wahrscheinlich die öffentlichen Ausgaben erhöhen" würden.

Anna Macdonald, Direktorin für Anlagestrategie bei Hargreaves Lansdown, beschrieb den Anleihemarkt als „strapaziert" von der Sorge, ein anderer Premierminister könnte die Fiskalregeln „lockern oder ausweiten". Sie wies darauf hin, dass 25 bis 30 Prozent der Käufer britischer Staatsanleihen ausländische Investoren seien. „Dies würde bedeuten, dass Investoren eine höhere Risikoprämie verlangen", so Macdonald.

Renditen auf historischen Höchstständen

Besonders auffällig ist die Entwicklung am langen Ende der Zinskurve. Die Rendite 30-jähriger britischer Staatsanleihen erreichte am Dienstag 5,80 Prozent – den höchsten Stand seit dem Jahr 1998. Auch die Zinssätze für Laufzeiten von zwei, fünf und zehn Jahren stiegen deutlich an.

Zum Hintergrund: Regierungen finanzieren Ausgaben, die über ihre Steuereinnahmen hinausgehen, durch die Ausgabe von Anleihen. Investoren verleihen dem Staat dabei Geld und erhalten dafür Zinszahlungen sowie am Ende der Laufzeit ihr Kapital zurück. Je höher das wahrgenommene Risiko, desto höher die geforderte Rendite – und desto teurer wird die Staatsverschuldung für den britischen Steuerzahler.

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