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Bundesbank-Gold: Expertin fordert Rückholung aus den USA

Ökonomin Ulrike Neyer empfiehlt mittelfristige Verlagerung der deutschen Goldreserven nach Frankfurt.

Bundesbank-Gold: Expertin fordert Rückholung aus den USA

Die Deutsche Bundesbank hortet 3.300 Tonnen Gold im Wert von rund 456 Milliarden Euro – die zweitgrößte staatliche Goldreserve weltweit nach den USA. Doch nur knapp die Hälfte lagert in Frankfurt. 37 Prozent befinden sich in New York, der Rest in London. Ökonomin Ulrike Neyer plädiert nun für eine Rückverlagerung des Edelmetalls aus den Vereinigten Staaten.

"Die USA agieren zunehmend unberechenbar und scheinen kein verlässlicher Partner mehr zu sein", erklärt Neyer im Gespräch mit der Tagesschau. Als Beispiel nennt sie die jüngsten Äußerungen zur Annexion Grönlands. Trotzdem warnt die Expertin vor einem überstürzten Vorgehen: Ein sofortiger Abzug würde das ohnehin angespannte transatlantische Verhältnis weiter belasten.

Die besondere Beziehung der Deutschen zum Gold hat tiefe historische Wurzeln. Während des Kaiserreichs war die Mark zu einem Drittel durch das Edelmetall gedeckt. Bürger konnten Papiergeld jederzeit gegen Gold eintauschen – ein System, das Stabilität garantierte.

Trauma der Hyperinflation prägt bis heute

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 endete diese Goldbindung abrupt. Der Staat erhielt faktisch Zugriff auf die Notenpresse und finanzierte das hochdefizitäre Budget durch Gelddrucken. Die Folge: die verheerende Hyperinflation von 1923, die sich tief ins kollektive Gedächtnis einbrannte.

Nach beiden Weltkriegen war kein staatliches Gold mehr vorhanden. Die D-Mark von 1948 basierte ausschließlich auf Vertrauen – gestützt durch die Unabhängigkeit der Bundesbank. Kein Finanzminister konnte die Notenbank zum Gelddrucken zwingen.

Den heutigen Goldschatz erwirtschaftete Deutschland in den Wirtschaftswunderjahren der 1950er und 1960er. Exportüberschüsse brachten Gold und Devisen ins Land. Das Bretton-Woods-System, das den Dollar an Gold band, verstärkte diesen Effekt zusätzlich.

Frankreich machte es in den 1960ern vor

Eine Rückholung wäre technisch machbar, aber teuer und aufwendig. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle ließ bereits in den 1960er-Jahren französische Goldreserven aus den USA transferieren. Deutschland würde damit keinen Präzedenzfall schaffen.

Die Frage, ob man die Goldreserven verkaufen sollte, taucht regelmäßig auf – zuletzt zur Wiedervereinigung. Die Antwort bleibt ein klares Nein. Währungsreserven signalisieren Stabilität und Vertrauen in die Wirtschaft. Gold lässt sich nicht synthetisch herstellen und bleibt deshalb ein einzigartiger Wertspeicher.

"Diese Goldreserve ist der absolute Notgroschen für alleräußerste Krisen", betont Neyer. Mit einem Wert, der fast dem gesamten Bundeshaushalt 2024 entspricht, bildet das Edelmetall eine wichtige Absicherung für künftige Generationen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie Deutschland sein Gold heimholt.

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