Bundeswehr bestellt Kamikaze-Drohnen für Testphase
Ziel ist eine flexible Serienproduktion ohne Lagerhaltung und mit GPS-unabhängiger Steuerung

Die Bundesregierung plant den Kauf waffenfähiger Kamikaze-Drohnen für die Bundeswehr. Wie aus Kreisen des Verteidigungsministeriums verlautete, sollen in den kommenden Tagen erste Verträge mit der Industrie unterzeichnet werden. In einem ersten Schritt ist eine größere Stückzahl vorgesehen, die noch in diesem Jahr durch die Bundeswehr getestet werden soll. Auf Grundlage der Ergebnisse wird anschließend über eine weitergehende Beschaffung entschieden.
Bei den Drohnen handelt es sich um sogenannte „Loitering Ammunition“. Diese kreisen über dem Zielgebiet und können automatisiert auf erkannte Ziele herabstürzen. Solche Systeme kommen im Krieg in der Ukraine bereits regelmäßig zum Einsatz. Ihr Vorteil liegt unter anderem in den vergleichsweise niedrigen Herstellungskosten bei gleichzeitig hoher Wirksamkeit gegen deutlich teurere gegnerische Systeme.
Auch Deutschland will sich an die veränderten Bedingungen auf dem Gefechtsfeld anpassen und setzt dabei auf industrielle Skaleneffekte. Als zentrale Akteure in der deutschen Drohnenproduktion gelten die Unternehmen Helsing und Quantum Systems mit Sitz in München. Letztere haben zusätzlich das Start-up Stark Defence gegründet, das sich speziell auf bewaffnete Drohnentechnologie fokussiert. Offiziell bestätigt als Hersteller für das Bundeswehr-Projekt wurde bislang jedoch keines der Unternehmen.
Ziel des Ministeriums ist ein System, das auch unter widrigen Bedingungen einsetzbar ist. Die Drohnen sollen feindliche Ziele automatisch erkennen und anvisieren können, ohne dabei auf GPS-Daten angewiesen zu sein. Die Steuerung soll über frei verfügbare Frequenzen erfolgen. Trotz weitreichender Automatisierung soll die finale Entscheidung über einen Angriff weiterhin durch eine Soldatin oder einen Soldaten getroffen werden.
Das Unternehmen Helsing hat mit der HX-2 ein entsprechendes Drohnenmodell entwickelt. Es nutzt Künstliche Intelligenz zur Steuerung von Sprengladungen auf bestätigte Ziele. Laut Ministeriumskreisen laufen bereits Gespräche über mögliche Einsatzszenarien und Tests mit diesem Modell. Helsing verfüge demnach über einen technologischen Vorsprung gegenüber anderen Wettbewerbern.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseUnabhängig vom konkreten Modell verfolgt das Ministerium das Ziel, eine fortlaufende Produktionslinie aufzubauen. Anstatt große Mengen auf Lager zu halten, soll stets aktuelles Material nach Bedarf beschafft werden. Dieser sogenannte „Drone as a Service“-Ansatz erlaubt es, die Produktion bei Bedarf kurzfristig hochzufahren. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die deutschen Anbieter dazu in der Lage sind.


