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Cannabis-Regulierung in den USA: Höhere Steuern verschlimmern das Problem

Ein Branchenexperte widerspricht der New York Times: Mehr Steuern und Regulierung stärken den Schwarzmarkt, nicht den Verbraucherschutz.

Cannabis-Regulierung in den USA: Höhere Steuern verschlimmern das Problem

Die New York Times forderte in einem Leitartikel vom 9. Februar höhere Steuern und strengere Regulierung für Cannabis in den USA. Chris Fontes, CEO von High Spirits und führender Cannabis-Politikexperte, widerspricht dieser Einschätzung scharf. In einem Gastbeitrag für MJBizDaily argumentiert er, dass das vorgeschlagene Rezept die bestehenden Probleme nicht löst, sondern verschlimmert.

Fontes räumt ein, dass es durchaus reale Herausforderungen in der Branche gibt. Hochpotente Produkte haben sich stark verbreitet, ein auf THC-Milligramm fixierter Überbietungswettbewerb verzerrt das Konsumverhalten, die Kennzeichnung ist inkonsistent, und irreführende Gesundheitsversprechen sowie übermäßiger Konsum sind Realität. Das eigentliche Problem liege jedoch nicht an zu wenigen Regeln, sondern an fragmentierter Aufsicht, strukturellen Ineffizienzen und einem Mangel an durchgängiger Rechenschaftspflicht.

Cannabis ist bereits streng reguliert und hoch besteuert

Lizenzierte Cannabismärkte gehören laut Fontes bereits zu den restriktivsten Konsumgüter-Regulierungssystemen der USA. Marktteilnehmer müssen sich mit mehreren staatlichen und lokalen Lizenzierungsebenen, lückenloser Rückverfolgung von der Saat bis zum Verkauf, undurchsichtigen Verpackungsvorschriften, Marketing- und Werbeverboten sowie variierenden Teststandards auseinandersetzen.

Die Steuerlast ist dabei besonders drückend. In Colorado beispielsweise wird Cannabis doppelt besteuert: mit einer staatlichen Verbrauchssteuer von 15 Prozent auf Großhandelsebene, gefolgt von fast 28 Prozent an kombinierten staatlichen und lokalen Steuern an der Ladenkasse in Städten wie Denver. Hinzu kommt die steuerliche Behandlung nach Bundesrecht (Section 280E), die den Abzug gewöhnlicher Betriebsausgaben untersagt – eine der schwersten effektiven Steuerbelastungen im gesamten Konsumgüterbereich.

Genau diese Kombination aus hohen Steuern und strenger Regulierung stärkt nach Ansicht von Fontes den Schwarzmarkt. Wenn legales Cannabis drastisch mehr kostet als illegale Alternativen, verschwindet die Nachfrage nicht – sie verlagert sich. Als warnendes Beispiel nennt er Kalifornien: Dort beschlagnahmten die Behörden im Jahr 2025 eine Rekordmenge an illegalem Cannabis, während die legalen Verkäufe gleichzeitig auf ein Fünfjahrestief fielen – im selben Jahr, in dem der Staat die Steuern erhöhte.

Der Vergleich mit Tabak greift nicht

Die New York Times rechtfertigt ihre Forderung nach höheren Steuern mit dem Verweis auf die Tabakindustrie, wo höhere Abgaben den Konsum nachweislich gesenkt haben. Fontes hält diesen Vergleich für grundlegend falsch. Tabakprodukte sind auf Bundesebene reguliert und schwer zu substituieren. Cannabis hingegen kann leicht zu Hause angebaut werden. Steigen die Cannabissteuern zu aggressiv, kaufen Verbraucher schlicht woanders – beim unregulierten Anbieter.

Das heutige Dispensary-Modell ist strukturell auf Konsumenten mit hoher Kauffrequenz und hoher Toleranz ausgerichtet, da diese den Umsatz generieren, der zum Überleben in einem hochbesteuerten System erforderlich ist. Niedrig dosierte und ausbalancierte Produkte haben oft Schwierigkeiten, Regalplatz zu finden. Gelegenheitskonsumenten und preisbewusste Käufer werden so faktisch wieder in unregulierte Märkte gedrängt.

Was stattdessen helfen würde

Fontes plädiert für ein Modell, das sich eher am Umgang mit Alkohol orientiert: Produkte standardisieren, klar kennzeichnen, ehrlich aufklären, proportional besteuern und konsequent kontrollieren. Verbraucher verdienten präzise Informationen über Beeinträchtigungspotenzial, Abhängigkeitsrisiken, das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom und psychische Aspekte – statt moralischer Panik oder Strafpreisen.

Als positives Beispiel für funktionierende Selbstregulierung nennt er den Hanfsektor, wo Organisationen wie die U.S. Hemp Authority einheitliche Standards gesetzt, die Einhaltung überwacht und Vertrauen wiederhergestellt haben. Ein ähnlicher Rahmen in den staatlich regulierten Cannabismärkten würde nach Ansicht von Fontes mehr zur Eindämmung irreführender Praktiken beitragen als zusätzliche Steuern.

Sein Fazit ist klar: Amerika muss nicht zur Prohibition zurückkehren und Cannabis nicht in ein noch teureres und fragmentierteres System hineinregulieren. Der Weg nach vorn sei ein verantwortungsvoller Zugang mit starken Standards, echter Durchsetzung, transparenter Aufklärung und einer Steuerpolitik, die den legalen Markt unterstützt, anstatt ihn zu untergraben.

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