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Cannabis-Wurzeln: Studie entdeckt ungenutztes medizinisches Potenzial

Wissenschaftler sehen in Marihuana-Wurzeln eine bisher kaum erforschte Quelle bioaktiver Verbindungen mit therapeutischem Potenzial.

Cannabis-Wurzeln: Studie entdeckt ungenutztes medizinisches Potenzial

Cannabiswurzeln gelten in der Praxis meist als Abfall – doch eine neue wissenschaftliche Übersichtsarbeit legt nahe, dass dieser Teil der Pflanze erhebliches medizinisches Potenzial besitzt. Forscher der Universität Santa Cruz do Sul und der Bundesuniversität von Rio Grande haben bestehende Studien systematisch ausgewertet und ihre Ergebnisse im Fachjournal „Journal of Cannabis Research" veröffentlicht.

Für die Untersuchung durchsuchten die Wissenschaftler einschlägige Datenbanken und analysierten Forschungsergebnisse, die bis Dezember 2024 Referenzen zu Cannabiswurzeln enthielten. Die Studie umfasste keine eigenen Laborexperimente, sondern integrierte verstreute Belege aus der bestehenden Literatur zu einem umfassenden Überblick.

Vielfältige Wirkstoffe in der Wurzel

Die Autoren identifizierten in den Wurzeln der Cannabis-sativa-Pflanze ein breites Spektrum an Sekundärmetaboliten. Dazu zählen Phytosterole, Alkaloide, Terpene, phenolische Verbindungen sowie Cannabinoide. „Ihr reicher Gehalt an Sekundärmetaboliten positioniert die Wurzeln als wertvolle Quelle für pharmakologisch aktive Moleküle mit potenziellen therapeutischen Anwendungen", schrieben die Studienautoren.

Konkret berichten die Forscher von antioxidativen, entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen der bioaktiven Bestandteile. Darüber hinaus belegen In-vivo-Studien laut der Übersichtsarbeit nozizeptive – also schmerzlindernde – und krampflösende Effekte, ohne dass Anzeichen von Zytotoxizität festgestellt wurden. Das bedeutet: Die Wurzeln könnten bei der Behandlung von Entzündungen, Schmerzen und Muskelkrämpfen relevant sein, ähnlich wie es für Blüten und Ölextrakte der Pflanze bereits untersucht wurde.

Die Studie hebt ausdrücklich hervor, dass „C.-sativa-Wurzeln antioxidative, entzündungshemmende, antinozizeptive und antispasmodische Wirkungen sowie vielversprechende antibakterielle und antimykotische Eigenschaften" aufweisen – und das ohne bekannte Berichte über Zytotoxizität oder Genotoxizität.

Forschungslücke mit großem Potenzial

Die Autoren bezeichnen Cannabiswurzeln als „wenig erforschte pharmakognostische Ressource" – also als bisher unzureichend untersuchte Quelle pflanzlicher Wirkstoffe. Die chemische Vielfalt und die biologischen Aktivitäten lieferten eine „starke Begründung für eine erneute wissenschaftliche Aufmerksamkeit", so die Schlussfolgerung der Studie.

Für künftige Forschungsarbeiten empfehlen die Wissenschaftler, detaillierte phytochemische Charakterisierungen, mechanistische pharmakologische Studien sowie kontrollierte In-vivo- und klinische Bewertungen zu priorisieren. Erst dann lasse sich das tatsächliche therapeutische Potenzial der Wurzeln verlässlich einschätzen.

Die Nutzung von Nicht-Blüten-Bestandteilen der Cannabispflanze hat historisch eine lange Tradition. Eine 2023 veröffentlichte Studie ergab, dass Cannabis zunächst wegen seiner Fasern genutzt wurde – etwa für Seile und andere Manufakturwaren. Die Verwendung von Hanffasern reicht rund 10.000 Jahre bis ins antike Mesopotamien zurück und etwa 6.000 beziehungsweise 5.000 Jahre bis nach China und Kasachstan.

Auch in jüngerer Zeit rücken Nicht-Blüten-Teile der Pflanze in den Fokus: Das US-Energieministerium (DOE) förderte 2021 ein Projekt zur Entwicklung einer Hanffaser-Isolierung als umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Dämmstoffen. Im selben Jahr gewährte die US-Umweltschutzbehörde EPA einem Unternehmen aus Washington einen Zuschuss von 100.000 US-Dollar zur Entwicklung nachhaltiger Ziegel aus Industriehanf.

Die neue Übersichtsarbeit unterstreicht, dass die Cannabispflanze weit mehr zu bieten haben könnte als ihre bekannten Blüten und Extrakte. Für die Pharmakognosie – die Wissenschaft von pflanzlichen Wirkstoffen – könnten Cannabiswurzeln künftig eine bedeutende Rolle spielen.

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