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Celonis verklagt SAP wegen Wettbewerbsverstößen

Streit um Process-Mining, Marktmacht und angeblich unfaire Geschäftspraktiken

Celonis verklagt SAP wegen Wettbewerbsverstößen

Der Softwarehersteller Celonis hat SAP vor einem Bundesgericht in San Francisco wegen mutmaßlich illegaler Geschäftspraktiken verklagt. In der 61-seitigen Klageschrift, über die die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, erhebt Celonis schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen aus Walldorf. Insbesondere geht es um mögliche Verstöße gegen das Wettbewerbs- und Kartellrecht.

Celonis wurde 2011 gegründet und ist heute eines der wertvollsten deutschen Start-ups mit einem Unternehmenswert von rund 13 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat sich auf Process-Mining spezialisiert, eine Technologie zur Analyse von Geschäftsprozessen. SAP und Celonis pflegten jahrelang eine enge Partnerschaft. Ab 2016 vermarktete SAP die Celonis-Software an seine eigenen Kunden. Die Zusammenarbeit endete jedoch abrupt im Januar 2021, als SAP den Celonis-Konkurrenten Signavio für geschätzte eine Milliarde Euro übernahm. Diese Übernahme sorgte bereits damals für Diskussionen, da sie als kostspielig galt.

Seitdem vertreibt SAP die Signavio-Software als eigenes Standardprodukt. Celonis wirft SAP nun vor, nach der Übernahme von Signavio seine Geschäftspraktiken zum Nachteil von Wettbewerbern verändert zu haben. Unter anderem soll SAP Kunden mit hohen Gebühren gedroht haben, falls sie sich für die Datenextraktion mit Drittanbietern wie Celonis entschieden. Darüber hinaus soll SAP seine Signavio-Software zu stark vergünstigten Preisen oder sogar kostenlos angeboten haben, um Kunden an sich zu binden. Diese Praxis der Produktbündelung ist in der Softwarebranche nicht unüblich, kann aber zu kartellrechtlichen Problemen führen, insbesondere wenn sie dazu genutzt wird, eine marktbeherrschende Stellung auf weitere Segmente auszuweiten.

Ein weiterer Vorwurf von Celonis bezieht sich auf angeblich irreführende Aussagen, die SAP über die Risiken von Nicht-SAP-Lösungen und die zukünftigen Fähigkeiten von Signavio gemacht haben soll. Laut Klageschrift gebe es erste Hinweise darauf, dass diese Strategie aufgeht und Kunden daran gehindert werden, alternative Process-Mining-Lösungen zu nutzen. Ein zentrales Thema in dem Verfahren dürfte die Marktstellung von SAP sein. Während das Unternehmen weltweit einen Marktanteil von etwa 25 Prozent im Bereich der Unternehmenssoftware hat, soll dieser Anteil in Deutschland auf bis zu 60 Prozent steigen. Celonis müsste nachweisen, dass SAP tatsächlich den Zugang zu Daten erschwert und damit den Wettbewerb behindert.

Vergleichbare Verfahren in den USA haben sich in der Vergangenheit als langwierig und kostspielig erwiesen. SAP musste dies bereits im Rechtsstreit mit Oracle erfahren. 2007 verklagte Oracle das Unternehmen wegen Datendiebstahls durch die SAP-Tochter Tomorrow Now. Das Verfahren zog sich über Jahre hin und endete 2014 mit einer Schadenersatzzahlung von rund 357 Millionen Dollar. Eine ähnlich lange Auseinandersetzung zwischen SAP und Celonis ist nicht ausgeschlossen.

SAPCelonisKlage

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