Chemieindustrie kämpft gegen Verbot von PFAS in Europa
Chemieindustrie und Umweltschützer liefern sich erbitterten Streit um "Ewigkeitschemikalien"

Die EU plant zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine ganze Stoffgruppe mit mehr als 10.000 Chemikalien zu verbieten. Bei diesen sogenannten PFAS handelt es sich um Wasser-, fett- und schmutzabweisende Alkylsubstanzen, die als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet werden. Die Chemikalien sind giftig und haben sich auf der ganzen Welt verbreitet. Einige PFAS-Substanzen fehlen aussagekräftige Daten zur Toxizität, und das Einzelprüfen würde schlichtweg zu lange dauern. Daher soll die gesamte Stoffgruppe verboten werden, was das milliardenschwere Geschäft der Chemieindustrie bedroht.
Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zeigen, dass in Europa rund 100 Organisationen gegen den Vorschlag kämpfen, darunter 43 Industrieverbände und 30 Unternehmen, einschließlich der deutschen Chemiekonzerne BASF und Bayer. Diese Organisationen wollen verhindern, dass die gesamte Stoffgruppe verboten wird. Stattdessen sollen die Substanzen einzeln bewertet werden, und falls dies nicht möglich ist, sollen breite Ausnahmen durchgesetzt werden.
Die am stärksten vertretenen Lobbygruppen in Brüssel sind der europäische Verband der chemischen Industrie (CEFIC), unter der Leitung des CEO von BASF Martin Brudermüller, und Plastics Europe, die verschiedene Expertengruppen gegründet haben, um gegen das drohende Verbot zu kämpfen. Sie wollen vor allem das Verbot von fluorierten Gasen und der Fluorkunststoffe verhindern.
Um den PFAS-Bann zu verhindern, warnte der Verband Plastics Europe schon 2017 in einer Broschüre, dass zahlreiche Branchen mit Millionen von Arbeitsplätzen beeinträchtigt würden. Auch die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit und der Green Deal seien gefährdet, sollte es zu einer entsprechenden Regulierung kommen, heißt es in vielen Dokumenten.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFür bestimmte Stoffgruppen soll es mehrjährige Übergangsfristen geben. Die öffentliche Konsultation, in der Bürger, Organisationen und Industrievertreter zur Regulierung von PFAS Stellung nehmen können, startet im März 2023. Es bleibt abzuwarten, wie die Beschränkung von PFAS letztendlich aussehen wird.

