China fordert mehr Mitsprache des Globalen Südens bei der UNO
Außenminister Wang präsentiert Weißbuch für gerechtere globale Governance und positioniert China als Friedensstifter.

China hat bei einer seltenen Pressekonferenz in Peking ein Weißbuch zur Reform der globalen Governance vorgestellt. Außenminister Wang forderte dabei, dass die Stimmen des Globalen Südens in der internationalen Gemeinschaft mehr Gehör finden müssen. Das Dokument skizziert Wege, um die globale Ordnung gerechter und fairer zu gestalten.
„Länder, ob groß oder klein, stark oder schwach, Industrie- oder Entwicklungsländer, sind gleichberechtigte Mitglieder der internationalen Gemeinschaft", erklärte Wang bei der Veranstaltung. Die Wahrung der Autorität und des Status der Vereinten Nationen sei dabei von grundlegender Bedeutung für den Erfolg der Initiative. Das Weißbuch zielt laut Wang darauf ab, einen internationalen Konsens über wirksame Reaktionen auf globale Herausforderungen zu schaffen.
Wang zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Weltlage: „Das Schiff der Zivilisation ist in gefährliche Gewässer mit verborgenen Riffen und heftigen Stürmen geraten." Neue Herausforderungen in rascher Folge brächten miteinander verflochtene globale Krisen mit sich. Die Auseinandersetzungen offenbarten tief verwurzelte Konflikte, während ständig sogenannte „Black Swan- und Grey Rhino-Ereignisse" aufträten – also unerwartete Ereignisse oder Bedrohungen, die trotz ihrer Sichtbarkeit ignoriert werden.
Chinas Rolle als selbsternannter Friedensstifter
Mit Blick auf den Nahen Osten drängte Wang auf ein festes Bekenntnis zu einem Waffenstillstand und forderte alle Parteien auf, an der Schaffung der Grundlagen für eine „nachhaltige Sicherheitsarchitektur in der Region" zu arbeiten, wie die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Äußerungen enthielten auch kurze Erwähnungen des Ukraine-Konflikts, jedoch nur wenige Details.
China versucht regelmäßig, sich sowohl im Nahost- als auch im Ukraine-Konflikt als Vermittler zu positionieren. Peking ruft zum Dialog auf und präsentiert sich als Säule globaler Stabilität sowie als unverzichtbaren diplomatischen Akteur auf der Weltbühne. Diese Strategie ist für westliche Beobachter nicht unumstritten, da China gleichzeitig der größte Abnehmer sowohl von iranischem als auch von russischem Öl ist – einschließlich Pipeline-Lieferungen und Seetransporten.
Hintergrund: Der Globale Süden als strategisches Thema
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Zur AktienanalyseDie Forderung nach mehr Repräsentation des Globalen Südens in internationalen Institutionen ist ein wiederkehrendes Thema der chinesischen Außenpolitik. Peking nutzt dieses Narrativ, um sich als Anwalt der Entwicklungsländer zu profilieren und seinen Einfluss in Afrika, Asien und Lateinamerika auszubauen. Die Initiative steht im Kontext einer breiteren chinesischen Strategie, die bestehende westlich geprägte Weltordnung durch alternative Governance-Strukturen herauszufordern.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die geopolitische Positionierung Chinas von erheblicher Bedeutung. Als weltgrößte Volkswirtschaft nach den USA beeinflusst Chinas diplomatischer Kurs maßgeblich globale Lieferketten, Rohstoffmärkte und internationale Handelsbeziehungen. Die enge wirtschaftliche Verflechtung Chinas mit Russland und dem Iran bleibt dabei ein zentraler Kritikpunkt westlicher Regierungen.


