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China lässt Leitzinsen zum 14. Mal in Folge unverändert

Trotz schwacher Konjunkturdaten im zweiten Quartal erwartet der Markt stabile Zinsen – eine Reuters-Umfrage bestätigt den Konsens.

China lässt Leitzinsen zum 14. Mal in Folge unverändert

China wird die Leitzinsen voraussichtlich den 14. Monat in Folge unverändert lassen. Das zeigt eine Reuters-Umfrage unter 23 Marktteilnehmern, die diese Woche durchgeführt wurde. Alle Befragten prognostizierten, dass die einjährige und die fünfjährige Loan Prime Rate (LPR) bei der nächsten Überprüfung am Montag stabil bei 3,00 % beziehungsweise 3,50 % bleiben werden.

Die LPR ist der Referenzzinssatz, der normalerweise den kreditwürdigsten Kunden chinesischer Banken berechnet wird. Er wird monatlich ermittelt, nachdem 20 ausgewählte Geschäftsbanken ihre Zinsvorschläge bei der People's Bank of China (PBOC) eingereicht haben. Der Zinssatz gilt als wichtiges geldpolitisches Instrument der chinesischen Zentralbank.

K-förmige Wirtschaft: Export stark, Konsum schwach

Die Entscheidung fällt in ein wirtschaftliches Umfeld, das von einer ausgeprägten Zweiteilung geprägt ist. Chinas Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr und verfehlte damit die Marktprognosen. Während das Exportwachstum und die verarbeitende Industrie robust bleiben, schwächelt die Inlandsnachfrage spürbar.

Analysten sprechen von einer sogenannten K-förmigen Divergenz: Ein Teil der Wirtschaft erholt sich kräftig, während ein anderer Teil zurückbleibt. Ein schwacher privater Konsum trübt die starke Entwicklung im Außenhandel und verstärkt die Sorgen über die langfristige Nachhaltigkeit des chinesischen Wachstumsmodells.

Händler und Analysten sehen dieses zweigeteilte Wachstumsmuster jedoch nicht als ausreichend an, um eine breit angelegte geldpolitische Lockerung auszulösen. Die Erwartung stabiler Zinsen dominiert klar den Markt.

Goldman Sachs und Citi mit unterschiedlichen Einschätzungen

Xinquan Chen, China-Ökonom bei Goldman Sachs, kommentierte die Lage in einer Mitteilung: „Unserer Ansicht nach haben die schwächer als erwartet ausgefallenen BIP-Daten für das zweite Quartal die Wahrscheinlichkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung etwas erhöht, obwohl Senkungen der Zinsen und der Mindestreserveanforderungen (RRR) in diesem Jahr noch nicht zu unserem Basisszenario gehören." Er ergänzte, dass eine schnellere Umsetzung bestehender fiskalpolitischer Maßnahmen die wahrscheinlichste politische Reaktion bleibe, während die PBOC für ausreichend Liquidität am Interbankenmarkt sorge.

Etwas optimistischer zeigen sich die Analysten der Citi. Sie erwarten, dass schrittweise Maßnahmen künftig einen leichten Aufschwung vorantreiben werden – „einschließlich einer potenziellen Zinssenkung der PBOC um 10 Basispunkte bereits im Juli sowie einer Beschleunigung des fiskalpolitischen Einsatzes", so die Citi-Analysten in einer Mitteilung.

Politbüro-Sitzung rückt in den Fokus

Viele Marktteilnehmer richten ihren Blick nun auf die bevorstehende Sitzung des Politbüros. Dort werden die politischen Entscheidungsträger voraussichtlich die wirtschaftspolitische Agenda für die zweite Jahreshälfte 2025 festlegen. Die Sitzung gilt als wichtiger Gradmesser dafür, ob Peking bereit ist, mit zusätzlichen Stimulusmaßnahmen auf die konjunkturelle Schwäche zu reagieren.

Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in China von besonderer Bedeutung: Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und wichtiger Handelspartner Deutschlands hat die chinesische Geldpolitik direkte Auswirkungen auf globale Lieferketten, Rohstoffpreise und die Nachfrage nach deutschen Exportgütern. Eine anhaltende Konjunkturschwäche in China könnte den Druck auf exportorientierte deutsche Unternehmen weiter erhöhen.

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