China startet Yuan-LNG-Futures im Februar zur Reduzierung westlicher Abhängigkeit
Shanghai Futures Exchange bietet ab nächstem Monat erstmals auf Yuan lautende Terminkontrakte für verflüssigtes Erdgas an.

China wird voraussichtlich bereits im Februar auf Yuan lautende Terminkontrakte für verflüssigtes Erdgas (LNG) einführen. Dies berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Reuters. Das neue Derivatprodukt soll an der Shanghai Futures Exchange (ShFE) notiert werden und chinesischen Importeuren ermöglichen, sich gegen Preisschwankungen abzusichern, ohne auf westliche Benchmarks angewiesen zu sein.
Die Initiative ist Teil der langfristigen Strategie Chinas, die Dominanz ausländischer Preis-Benchmarks für wichtige Rohstoffe herauszufordern. Ziel ist es, die globale Präsenz der ShFE zu erhöhen und chinesischen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, physische Kontrakte anhand inländischer Preise statt Überseepreisen festzulegen. Gleichzeitig sollen ausländische Händler einen Anreiz erhalten, an der chinesischen Börse zu handeln.
Energiesicherheit im Fokus
Die Möglichkeit, Preise zwischen inländischen Akteuren in lokaler Währung zu steuern, erhöht die Energiesicherheit Chinas erheblich. Dies ist besonders relevant vor dem Hintergrund der Turbulenzen durch die US-Handelspolitik. Die LNG-Lieferungen nach China, dem weltweit größten Importeur, waren im vergangenen Jahr aufgrund von US-Zöllen, schwacher Industrienachfrage sowie einem starken inländischen Angebot und Pipelinegasversorgung eingebrochen.
Für 2024 prognostiziert Ole Dramdal, Analyst bei Rystad Energy, einen Anstieg der chinesischen LNG-Importe um 12 Prozent auf 76,5 Millionen Tonnen. Die globale LNG-Produktion wird voraussichtlich stark zunehmen, was die seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 bestehenden Versorgungsengpässe lindern dürfte. Dies könnte die Nachfrage ankurbeln und gleichzeitig die Preise stabilisieren.
Herausforderung westlicher Benchmarks
China hofft, mit der Initiative etablierte internationale Preiszentren herauszufordern. Die größten LNG-Futures-Märkte orientieren sich derzeit an physischen Knotenpunkten wie dem Henry Hub in den USA, der Title Transfer Facility in Europa und dem Japan-Korea Marker (JKM). "China braucht eine Benchmark, die seine eigene Nachfrage und sein eigenes Angebot widerspiegelt", erklärte ein staatlicher Gashändler, der an den Vertragsgesprächen beteiligt war.
Die Ausschaltung des US-Dollars durch Yuan-denominierte Kontrakte deckt sich mit Einschätzungen der Investmentbank Morgan Stanley. Diese hatte diese Woche erklärt, dass die US-Politik eine "multipolare Welt" schaffe und den Status des Dollars als Handelswährung untergrabe. Ein leitender Angestellter einer globalen Bank betonte: "China ist der größte Einzelabnehmer der meisten Rohstoffe, dennoch findet die Preisfindung auf anderen Märkten statt."
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Zur AktienanalyseNeue Finanzprodukte möglich
Da die neuen Kontrakte auf Yuan lauten, können Banken das Risiko kommodifizieren und Yuan-denominierte, LNG-gebundene Kredite, Rückkaufsvereinbarungen und forderungsbesicherte Wertpapiere ausgeben. Dies fördert die Entwicklung von Finanzmärkten rund um LNG in China. Analysten erwarten, dass internationale Ölkonzerne, westliche Händler und Exporteure aus dem Nahen Osten bereit wären, sich an dem auf Yuan lautenden Futures-Kontrakt zu beteiligen.
Um den Kontrakt zu handeln, müssten ausländische Unternehmen allerdings eine in China ansässige Handelsgesellschaft gründen. Langfristig geht China davon aus, dass Lieferungen nach China Shanghai-Kontrakte berücksichtigen werden, anstatt stark am Brent-Öl ausgerichtet zu sein. Die Shanghai Futures Exchange und die Chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde äußerten sich auf Anfrage von Reuters nicht zu den Plänen.


