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China verankert Vergeltungsrecht bei kritischen Metallen im Gesetz

Ein neues Mineralressourcengesetz gibt Peking formale Rechtsgrundlage für Gegenmaßnahmen gegen ausländische Beschränkungen kritischer Rohstoffe.

China verankert Vergeltungsrecht bei kritischen Metallen im Gesetz

Chinas neues Gesetz über Mineralressourcen ist diese Woche in Kraft getreten und könnte dem Land laut Analysten eine formale Rechtsgrundlage bieten, um gegen ausländische Beschränkungen vorzugehen, die seine Rohstoffsicherheit gefährden. Das Gesetz stellt die umfassendste Überarbeitung des chinesischen Bergbauregimes seit der Einführung des ursprünglichen Gesetzes im Jahr 1986 dar. Dies geht aus einer Einschätzung von Helen Amos, Analystin bei BMO Capital Markets, vom Mittwoch hervor.

Die neuen Vorschriften führen laut Yan Bo, einem Beamten des chinesischen Ministeriums für natürliche Ressourcen, „Bestimmungen über das Import- und Exportmanagement sowie Gegenmaßnahmen gegen Aktivitäten ein, welche die Sicherheit der Mineralressourcen Chinas und die damit verbundene Stabilität der Industrie- und Lieferketten gefährden könnten". Yan äußerte sich gegenüber der staatlichen chinesischen Zeitung Global Times, machte jedoch keine näheren Angaben zu den konkreten Gegenmaßnahmen. Das Gesetz verfeinere zudem ein System strategischer Mineralreserven, das auf Produkten, Kapazitäten und Herkunft basiere.

Formalisierung eines geopolitischen Druckmittels

Das neue Gesetz markiert eine entschlossenere Stärkung des Rahmens für die von China kontrollierten Lieferketten für kritische Metalle. China dominiert bereits das weltweite Angebot und die Verarbeitung dieser Rohstoffe. Viele westliche Regierungen haben in den vergangenen Jahren politische Rahmenbedingungen geschaffen, um die Abhängigkeit ihrer Lieferketten von China zu reduzieren – darunter Kanadas „Critical Minerals Strategy" und der US-amerikanische „Inflation Reduction Act", beide aus dem Jahr 2022.

Die Branchenanalyse-Website Rare Earth Exchanges erklärte, dass die neuen Vorschriften eine Grundlage für chinesische Gegenmaßnahmen gegen ausländische Beschränkungen bieten könnten, die mineralische Lieferketten beeinträchtigen. Die Global Times selbst erwähnte ausländische Regierungen dabei nicht explizit. Dennoch ist die geopolitische Stoßrichtung des Gesetzes für Beobachter kaum zu übersehen.

Dass Peking seine Stärke in der Lieferkette für kritische Mineralien bereits als geopolitisches Druckmittel einsetzt, ist keine neue Entwicklung. Japan musste dies seit 2010 gleich zweimal erfahren: In beiden Fällen beschränkte China die Exporte seltener Erden nach Japan inmitten von Streitigkeiten über Territorial- und Taiwan-Fragen. Das neue Gesetz institutionalisiert dieses Vorgehen nun auf einer formalen rechtlichen Basis.

Staatliche Kontrolle über strategische Rohstoffe ausgeweitet

Laut Analystin Amos räumt die neue Gesetzgebung der Rohstoffsicherheit Chinas denselben Stellenwert ein wie der Erschließung von Mineralien. Der Staat erhält damit die Befugnis, eine Liste „strategischer Mineralien" auf der Grundlage wirtschaftlicher Bedeutung, Versorgungsengpässen und Importabhängigkeit zu definieren und zu aktualisieren. Diese Liste kann flexibel angepasst werden – ein wichtiges Instrument in einem sich wandelnden geopolitischen Umfeld.

Darüber hinaus verleiht das Gesetz dem Staat nun die Befugnis, den Bergbau direkt zu organisieren und Ressourcen in Krisenzeiten zu beschlagnahmen. Rare Earth Exchanges beschreibt die Vorschriften als Institutionalisierung einer „vertikal integrierten Kommandostruktur für strategische Mineralien, die auf lange Zeiträume geopolitischen Wettbewerbs ausgelegt ist". Die Botschaft an westliche Länder fasst die Plattform unmissverständlich zusammen: „China verteidigt nicht nur seinen mineralischen Vorsprung. Es verankert diesen Vorsprung fest im Gesetz."

Für deutsche und europäische Unternehmen, die auf kritische Rohstoffe wie Seltene Erden, Lithium oder Kobalt angewiesen sind, unterstreicht das neue chinesische Gesetz die Dringlichkeit, eigene Lieferketten zu diversifizieren und die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten zu reduzieren.

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