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Chinas Anleihenmarkt als sicherer Hafen in globaler Krise

Während Stagflationsängste weltweit Anleihemärkte erschüttern, zieht Chinas Rentenmarkt Milliarden an ausländischem Kapital an.

Chinas Anleihenmarkt als sicherer Hafen in globaler Krise

Inmitten globaler Turbulenzen durch steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen entwickelt sich Chinas Anleihenmarkt zu einem unerwarteten Zufluchtsort für internationale Investoren. Im März verzeichneten chinesische Anleihemärkte ausländische Zuflüsse in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar – und das trotz des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran. Zum Vergleich: Andere Schwellenländer verzeichneten im gleichen Zeitraum laut dem Institute of International Finance Abflüsse von 16,7 Milliarden US-Dollar.

Dieser Kontrast spiegelt sich auch in den Renditen wider. Die Renditen einjähriger chinesischer Staatsanleihen fielen auf ein 15-Monats-Tief, während kurzfristige Renditen in Märkten von Australien über Europa bis in die USA so steil anstiegen wie seit Jahren nicht mehr. An den Geldmärkten sank der chinesische Übernacht-Repo-Satz – ein wichtiger Indikator für die Marktliquidität – auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

Stagflation anderswo, Stabilität in China

„Wenn man sich andere Volkswirtschaften ansieht, handeln die Akteure auf Stagflation", erklärte Zheng Lianghai, Rentenfondsmanager bei Fuanda Fund Management, und verwies auf die sprunghaft ansteigenden Renditen von US-amerikanischen und japanischen Staatsanleihen. „In China passiert das nicht." Investoren gehen davon aus, dass ein schwacher Konsum die Inflationserwartungen während der Krise im Zaum hält, während Ölreserven sowie ein auf Kohle und erneuerbaren Energien basierendes Stromnetz die Industrie und Verbraucher vor sprunghaft steigenden Kraftstoffpreisen schützen.

Louis Luo, stellvertretender Leiter für Makro-Investments bei Aberdeen Investments, bringt es auf den Punkt: „Chinesische Staatsanleihen sind im aktuellen Umfeld ein sicherer Hafen – eine einzigartige Kombination aus einem globalen Energieversorgungsschock und Chinas inländischer Widerstandsfähigkeit." Auch Chinas Aktien und die Währung haben in den vergangenen Wochen die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gezogen, da sie sich in einem Umfeld, in dem andere Vermögenswerte Verluste erlitten, gut behauptet haben.

Steilere Zinskurve als Warnsignal

Die Kehrseite der starken Nachfrage am kurzen Ende der Zinskurve ist eine Unterbrechung der jahrelangen Rally bei langlaufenden Anleihen. Der Renditeabstand zwischen 30-jährigen und einjährigen chinesischen Anleihen weitete sich in der vergangenen Woche auf 1,16 Prozentpunkte aus – die größte Differenz seit August 2023. Damit steilt sich Chinas Zinskurve auf, während sie sich in den USA zuletzt sogar leicht abflachte.

Erfahrene Marktteilnehmer reagieren auf diese Entwicklung mit Vorsicht bei langen Laufzeiten. „Kurzfristig können wir die Auswirkungen besser verkraften als andere, aber wenn der Ölpreis lange Zeit sehr hoch bleibt, wird dies die Inflation dennoch in die Höhe treiben", sagte Lin Sheng, Chief Investment Officer bei Wish Fund aus Shenzhen. „Wenn der Krieg nicht bald endet, sollte man langlaufende Anleihen meiden." Anleihehändler Wang Hongfei bestätigt, dass große Fondsmanager „hauptsächlich drei- bis fünfjährige Anleihen kaufen und bei 30-jährigen Laufzeiten vorsichtig bleiben".

China nicht vollständig immun gegen Inflation

Auch China bleibt nicht vollständig von der globalen Inflationswelle verschont. Die Erzeugerpreise drehten im März ins Plus, nachdem sie sich drei Jahre lang im negativen Bereich befunden hatten. Investmentbanken haben ihre Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen bereits zurückgeschraubt. Zudem sind die chinesischen Renditen im globalen Vergleich sehr niedrig, was bedeutet, dass die an Anleger gezahlten Erträge gering ausfallen.

Viele Marktteilnehmer glauben dennoch, dass Chinas schwächelnder Immobiliensektor und der verhaltene Konsum die Renditen und kurzfristigen Zinsen noch lange nach dem Abklingen des Ölpreisschocks unter Druck halten werden. „Es gibt keine Anzeichen für eine geldpolitische Straffung, und die Erwartung, dass die PBOC eine restriktive Haltung einnimmt, ist gering", sagte Ji Yu, Stratege bei AllianceBernstein. Für Zhu He, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Think Tank CF40 Institute, ist die Stabilität selbst das entscheidende Argument: „Chinas Anleihenmarkt ist relativ stabil und weist eine geringe Korrelation zu den globalen Märkten auf. Der Trend zur Aufwertung des Yuan lockt zudem globales Kapital in den chinesischen Anleihenmarkt und erhöht dessen Attraktivität als sicherer Hafen."

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