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Chinas BIP wächst im zweiten Quartal schwächer als erwartet

Nur 4,3 Prozent Wachstum statt erwarteter 4,5 Prozent – Chinas Wirtschaft zeigt eine zunehmend gespaltene Entwicklung.

Chinas BIP wächst im zweiten Quartal schwächer als erwartet

Chinas Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2024 enttäuscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von April bis Juni lediglich um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das nationale Statistikamt in Peking bekanntgab. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Plus von 4,5 Prozent gerechnet – das Ergebnis blieb damit deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Gegenüber dem ersten Quartal, in dem noch ein Wachstum von 5,0 Prozent verzeichnet wurde, ist das eine spürbare Abschwächung. Es handelt sich zudem um das schwächste Quartalswachstum seit Ende 2022. Für das erste Halbjahr ergibt sich insgesamt ein Wirtschaftswachstum von 4,7 Prozent. Die chinesische Regierung peilt für das Gesamtjahr ein Plus zwischen 4,5 und 5,0 Prozent an – dieses Ziel gerät nun zunehmend unter Druck.

Industrie und Export als Wachstumstreiber

Das Bild der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ist gespalten. Auf der einen Seite zeigen Industrie und Außenhandel weiterhin robuste Zahlen. Die Industrieproduktion legte im ersten Halbjahr um 5,4 Prozent zu und übertraf damit die Erwartungen. Treiber sind vor allem die hohe internationale Nachfrage nach Halbleitern, Computern und Fahrzeugen.

Besonders auffällig: Die chinesischen Exporte stiegen im Juni um satte 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde bereits einen Tag vor der BIP-Veröffentlichung meldete. Dieser Exportboom dürfte die ohnehin angespannten Handelsbeziehungen mit Europa und den USA weiter belasten. In der EU wird seit Längerem über den Umgang mit steigenden chinesischen Importen und staatlich geförderten Überkapazitäten diskutiert.

Schwache Binnennachfrage und Immobilienkrise bremsen

Auf der anderen Seite bleibt die Lage im Inland angespannt. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im ersten Halbjahr lediglich um magere 1,3 Prozent – ein deutliches Zeichen für die anhaltend schwache Konsumbereitschaft der chinesischen Bevölkerung. Auch die Investitionen gingen zurück.

Besonders dramatisch ist die Lage am Immobilienmarkt. Die Investitionen in den Sektor brachen im ersten Halbjahr um 18 Prozent ein, der Wert verkaufter Neubauten sank um 13,6 Prozent. Der anhaltende Abschwung in dieser für viele Chinesen wichtigen Vermögensklasse belastet das Verbrauchervertrauen erheblich und dämpft die Konsumneigung.

Das Statistikamt verwies zur Erklärung der schwächeren Entwicklung vor allem auf externe Faktoren. Vize-Kommissar Mao Shengyong nannte dabei die Konflikte im Nahen Osten sowie das insgesamt langsamere Wachstum der Weltwirtschaft als wesentliche Belastungsfaktoren.

Peking setzt auf Technologie und staatliche Unterstützung

Ministerpräsident Li Qiang hatte zu Wochenbeginn bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern eine stärkere staatliche Unterstützung der Wirtschaft sowie weitere Maßnahmen zur Belebung der Binnennachfrage gefordert. Im Fokus stehen dabei Zukunftsbranchen wie Künstliche Intelligenz, auf die Peking große Hoffnungen setzt.

Erste Erfolge in diesem Bereich sind bereits sichtbar: IT- und Unternehmensdienstleistungen trugen im ersten Halbjahr rund ein Viertel zum gesamten Wirtschaftswachstum bei. Zudem stieg die Produktion von Computerchips deutlich an. China setzt darauf, dass neue Technologien die Konjunktur langfristig stärken und die strukturelle Schwäche der Binnennachfrage zumindest teilweise kompensieren können.

Für Privatanleger bleibt die Lage in China damit ein zweischneidiges Schwert: Exportorientierte Technologie- und Industriewerte profitieren vom globalen Nachfragesog, während der Binnenkonsum und der Immobiliensektor weiterhin erhebliche Risiken bergen.

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