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Chipaktien im freien Fall: KI-Finanzierung und China-Wettbewerb belasten

Massive Verluste bei US- und Asien-Halbleiterwerten: Sorgen um KI-Infrastrukturkosten und chinesische Konkurrenz erschüttern den Sektor.

Chipaktien im freien Fall: KI-Finanzierung und China-Wettbewerb belasten

US-Chipaktien haben am Dienstag ihre Verluste vom Vortag deutlich ausgeweitet. Bis 09:36 Uhr ET (13:36 Uhr MEZ) verzeichneten zahlreiche Halbleiterwerte zweistellige Kursverluste. Der Philadelphia Semiconductor Index, der den breiteren Halbleitersektor abbildet, fiel auf ein Zweimonatstief.

Besonders hart traf es die Speicherchiphersteller: Micron und SanDisk verloren mehr als 8%, Western Digital brach sogar um über 11% ein. AMD stürzte um 8,1% ab, Marvell Technology gab 7,5% nach, Applied Materials büßte rund 6,5% ein. Intel verlor etwa 6%, die US-notierten Aktien von SK Hynix fielen um 6,8% und Super Micro Computer sank um 7,1%.

Nvidia verliert Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt

Den Auftakt zur Talfahrt machte Nvidia am Montag, als die Aktie in New York um 5% fiel. Damit verlor der KI-Chip-Gigant seinen Titel als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt. Auslöser war ein Bericht des Wall Street Journals, wonach Nvidia in Verhandlungen stehe, rund 250 Milliarden US-Dollar für ein massives Rechenzentrumsprojekt in Verbindung mit OpenAI bereitzustellen. Apple überholte Nvidia daraufhin in der Marktkapitalisierung – die Apple-Aktie ist in diesem Jahr bislang um rund 25% gestiegen.

Die Schwäche griff schnell auf die asiatischen Märkte über. Der südkoreanische Kospi brach um rund 11% ein und löste den achten Handelsstopp (Circuit Breaker) des Jahres aus. Der Index wurde kurzzeitig ausgesetzt, nachdem er um 8% gefallen war, und weitete seine Verluste nach Wiederaufnahme des Handels auf minus 10,8% aus. Samsung Electronics und SK Hynix schlossen den Tag mit Verlusten von 13% beziehungsweise 15% ab. In Japan fiel der Nikkei 225 um 4%, wobei der Speicherchiphersteller Kioxia um 18% einbrach.

SK Hynix gilt als wichtiger Lieferant von Speicherchips mit hoher Bandbreite (High-Bandwidth Memory) für Nvidia und gehörte zu den größten Profiteuren des KI-Booms – was die Aktie besonders anfällig für Stimmungsschwankungen im Sektor macht.

Chinesischer Chipkonzern CXMT debütiert mit Rekordanstieg

Analysten führen den Rücksetzer auf mehrere Faktoren zurück: Sorgen über die Finanzierung der KI-Infrastruktur, Chinas fortschreitende Chip-Kapazitäten und den sich verschärfenden Wettbewerb durch chinesische Halbleiterunternehmen. Der chinesische Speicherchiphersteller CXMT debütierte am 27. Juli an der Börse in Shanghai mit einem Kursanstieg von 466% – dem größten Börsengang Asiens im Jahr 2026. Das Listing brachte 8,6 Milliarden US-Dollar ein und steigerte den Marktwert von CXMT auf 3,3 Billionen Yuan, was etwa 487,73 Milliarden US-Dollar entspricht – fast die Hälfte der Bewertung des US-Rivalen Micron.

Kreditausfallversicherungen auf KI-Konzerne erreichen Rekordhöhen

Parallel zum Aktienmarkt signalisieren auch die Kreditmärkte wachsende Nervosität. Credit Default Swaps (CDS) – Kreditausfallversicherungen – auf Oracle, SpaceX, Alphabet, Amazon, Meta, Broadcom und Nvidia haben laut Daten der LSEG in den letzten Tagen Rekordhöhen erreicht. Diese Instrumente ermöglichen es Anlegern, sich gegen einen Zahlungsausfall von Unternehmensschulden abzusichern.

„Die Kreditmärkte kommen mit Unsicherheit nicht gut zurecht, und die schiere Unvorhersehbarkeit des Tempos und der Kosten der KI-Finanzierung löst derzeit eine ernsthafte Vertrauenskrise aus", sagte John Aylward, Chief Investment Officer beim Kreditmanager Sona Asset Management.

Am stärksten war der Druck bei Oracle zu spüren. Die fünfjährigen CDS des Datenbankunternehmens wurden am Montag bei 215 Basispunkten gehandelt, nach 144 Basispunkten zu Jahresbeginn. Das bedeutet: Anleger zahlen nun jährlich 215.000 US-Dollar, um 10 Millionen US-Dollar ihrer Schulden gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. Oracle hatte im vergangenen Monat angekündigt, im kommenden Jahr 70 Milliarden US-Dollar für den Ausbau von Rechenzentren auszugeben. Dieser Plan veranlasste S&P Global Ratings dazu, die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auf „Triple-B-Minus" herabzustufen – nur noch eine Stufe über dem sogenannten Ramschstatus (Junk). S&P verwies dabei auf einen ungewissen Weg zur Rentabilität angesichts der hohen KI-Investitionen.

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