Citi hebt Brent-Prognose auf 70 Dollar - Geopolitische Risiken
Die Citigroup hat ihre kurzfristige Preisprognose für Brent-Rohöl von 65 auf 70 Dollar pro Barrel angehoben. Grund sind verschärfte geopolitische Spannungen im Iran und der Ukraine.

Die US-Investmentbank Citigroup erhöht ihre kurzfristige Prognose für Brent-Rohöl deutlich. Das neue Kursziel für die kommenden null bis drei Monate liegt nun bei 70 Dollar pro Barrel, nachdem es zuvor bei 65 Dollar angesiedelt war. Als Hauptgrund nennen die Analysten um Francesco Martoccia steigende geopolitische Risiken, die den Ölmarkt unter Druck setzen.
Geopolitische Risikoprämie treibt Preise
Bereits in der vergangenen Woche kletterte der Brent-Preis von rund 60-61 Dollar auf die mittleren 60er-Marke. "Wir gehen davon aus, dass diese Ölpreisrallye Raum hat, sich über unsere bisherige Prognosespanne von 55-65 Dollar pro Barrel hinaus auszudehnen", erklären die Citi-Analysten. Der Preisanstieg spiegele eine wachsende Risikoprämie wider, insbesondere aufgrund der sich verschärfenden Spannungen rund um den Iran.
Die Experten erinnern daran, dass Brent während der Iran-Israel-Angriffe Mitte 2024 von den niedrigen 60ern auf 77 Dollar pro Barrel gestiegen war. "Dieses Mal steht Iran unter noch größerem Druck als damals", betonen die Analysten. Allerdings seien die Ölbilanzen heute entspannter, und US-Präsident Donald Trump favorisiere niedrigere Ölpreise.
Iranische Produktion im Fokus
Die iranische Rohöl- und Kondensatproduktion liegt derzeit bei etwa 3,9 Millionen Barrel pro Tag, die Exporte bei rund 1,3 Millionen Barrel täglich. Trotz verstärkter Demonstrationen seit Ende Dezember blieben die Unruhen bislang von den zentralen Ölförderregionen wie Khuzestan entkoppelt, das für 2,5 bis 3,0 Millionen Barrel pro Tag Kapazität steht.
"Dies reduziert das Risiko einer kurzfristigen physischen Lieferunterbrechung", so die Citi-Analysten. Die aktuellen Risiken lägen eher bei politischen und logistischen Reibungen als bei direkten Ausfällen. Dennoch warnen sie: Ein Ausfall von 1-2 Millionen Barrel pro Tag würde "die freien Kapazitäten schnell aufzehren und die Ölpreise in die Höhe treiben".
Ukraine-Konflikt als zusätzlicher Risikofaktor
Neben dem Iran verweisen die Analysten auf zunehmende Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. Erneute Angriffe auf die Rohölinfrastruktur könnten zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Preise ausüben.
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Zur AktienanalyseMittelfristig bärische Fundamentaldaten
Trotz der kurzfristigen Risiken bleiben die Citi-Experten für den mittelfristigen Ausblick skeptisch. Das weltweite Angebot an Öl und Flüssigkeiten dürfte in diesem Jahr um etwa 1,8 Millionen Barrel pro Tag steigen. Die OECD-Lagerbestände liegen nahe den historischen Durchschnittswerten.
Daher empfehlen die Analysten, "jede Brent-Rallye" über 70 Dollar pro Barrel zu verkaufen, da sich die Bilanzen im Laufe des ersten Halbjahres 2025 weiter entspannen würden. Die OPEC+ könne zudem ab dem zweiten Quartal 2025 das Angebot erhöhen, falls es zu erheblichen Unterbrechungen komme. Preisanstiege über 70 Dollar sollten demnach als temporär betrachtet werden.


