Citi stuft Sandvik auf „Neutral" herab – Fairer Wert erreicht
Nach einer Wolfram-getriebenen Kursrallye sieht Citi Research bei Sandvik kaum noch Aufwärtspotenzial und senkt das Rating.

Citi Research hat Sandvik AB am Montag von „Buy" auf „Neutral" herabgestuft. Die US-Investmentbank begründet den Schritt mit einem nun ausgewogenen Chance-Risiko-Verhältnis: Die Aktien des schwedischen Maschinenbaukonzerns haben laut Citi eine Bewertung erreicht, die das Brokerhaus als angemessen erachtet. Zum Zeitpunkt der Analyse notierten die Sandvik-Aktien bei 395,20 Schwedischen Kronen (SKr).
Das neue Kursziel liegt bei 405 SKr, was lediglich ein Aufwärtspotenzial von 2,5 % impliziert. Inklusive einer erwarteten Dividendenrendite von rund 1,5 % ergibt sich eine prognostizierte Gesamtrendite von etwa 4 % – zu wenig, um die bisherige Kaufempfehlung aufrechtzuerhalten.
Wolfram-Boom treibt Margen und Prognosen
Trotz der Herabstufung hat Citi seine Gewinnschätzungen für Sandvik deutlich angehoben. Die Prognosen für den Gewinn je Aktie (EPS) wurden für die Geschäftsjahre 2026, 2027 und 2028 um 4,8 %, 7,8 % bzw. 8,2 % erhöht. Als Haupttreiber nennt die Bank höhere Preise für Ammoniumparawolframat (APT) – ein wichtiger Rohstoff für Sandviks Zerspanungswerkzeuge – infolge chinesischer Exportkontrollen sowie einen Großauftrag für Untertage-Ausrüstung in Kolumbien.
Konkret prognostiziert Citi nun ein verwässertes Ergebnis je Aktie von 16,47 SKr im Jahr 2026, 18,04 SKr im Jahr 2027 und 19,43 SKr im Jahr 2028. Die Marktkapitalisierung des Konzerns beläuft sich auf rund 504,89 Milliarden SKr, was etwa 54,44 Milliarden US-Dollar entspricht.
Die Wolfram-Rallye soll im laufenden Jahr zu einer Margenausweitung von mehr als 100 Basispunkten in Sandviks Sparte Machining & Intelligent Manufacturing (M&IM) führen. Das EBITA aus dem Wolframgeschäft allein wird für das Geschäftsjahr 2026 auf über 3,5 Milliarden SKr geschätzt, da die Verkaufspreise des Unternehmens den zeitlichen Verzug bei den Herstellungskosten übertreffen. Für den organischen Umsatz im Bereich M&IM prognostiziert Citi im Geschäftsjahr 2026 einen Anstieg um beachtliche 34,8 %, bevor sich das Wachstum im Geschäftsjahr 2027 auf 7 % normalisiert.
Bergbausparte im Fokus – Wachstumsverlangsamung erwartet
Trotz des kurzfristigen Rückenwinds durch Wolfram warnt Citi vor einer Verlangsamung in Sandviks Bergbausparte. Das Auftragswachstum soll in den kommenden Quartalen in den mittleren einstelligen Bereich abrutschen, während der Konkurrent Epiroc voraussichtlich ein Wachstum im niedrigen zweistelligen Bereich verzeichnen wird. Dies dürfte die Aufmerksamkeit der Investoren zunehmend auf diesen Wettbewerbsnachteil lenken.
Das organische Umsatzwachstum des Gesamtkonzerns von 24 % im Geschäftsjahr 2026 wird sich laut Citi im Geschäftsjahr 2027 deutlich auf 6,1 % abschwächen. Auf Bewertungsebene werden die Aktien basierend auf Citis Schätzung für das EBITA 2027 – die 10 % über dem Marktkonsens liegt – mit dem 15,5-fachen des EV/EBITA für 2027 bewertet. Dieses Multiple hält Citi für angemessen, da es die organischen Wachstumsaussichten im mittleren einstelligen Bereich und einen Return on Capital Employed (ROCE) von über 20 % widerspiegelt.
Bewertungsmodell und Szenarien
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseBei der Bewertung setzt Citi auf ein Sum-of-the-Parts-Modell. Für die Sparten Sandvik Mining & Rock Solutions und Rock Processing wird ein EV/EBITA-Multiple von rund 19x für das Geschäftsjahr 2027 angesetzt – weitgehend im Einklang mit dem Konkurrenten Epiroc. Für M&IM wird ein Multiple von 11x verwendet, leicht über den 10x von SKF, was die Wolfram-Dynamik widerspiegelt.
Das Konzern-EBITA wird für das Geschäftsjahr 2026 auf 30,44 Milliarden SKr bei einem Umsatz von 145,83 Milliarden SKr prognostiziert. Im Geschäftsjahr 2027 soll das EBITA auf 33,09 Milliarden SKr bei einem Umsatz von 155,36 Milliarden SKr steigen. Die Nettoverschuldung soll bis Ende 2026 auf 25,10 Milliarden SKr sinken, nach 35,73 Milliarden SKr Ende 2025.
Für risikobereite Anleger skizziert Citi ein Bull-Case-Szenario mit einem Kursziel von 465 SKr, was einem Aufwärtspotenzial von 16 % entspricht. Das pessimistische Bear-Case-Szenario hingegen sieht einen Kurs von 298 SKr, was ein Abwärtspotenzial von 26 % impliziert – eine erhebliche Bandbreite, die die Unsicherheiten rund um Wolfram-Preise und Bergbaukonjunktur verdeutlicht.


