Citigroup und UBS heben Taiwan-Wachstumsprognose auf 9,9 Prozent
Beide Großbanken begründen die deutliche Anhebung mit einer stärker als erwarteten und sich verbreiternden Exportdynamik Taiwans.

Citigroup und UBS haben ihre Wachstumsprognosen für Taiwans Wirtschaft im Jahr 2026 deutlich nach oben korrigiert. Beide Banken heben ihre BIP-Prognose auf jeweils 9,9 Prozent an – ein bemerkenswerter Wert, der Taiwan zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit machen würde. Als Haupttreiber nennen beide Institute eine außergewöhnlich starke Exportleistung.
Citi-Strategin Adrienne Lui erklärte in einer Mitteilung, dass die Bank ihre Prognose für das reale BIP 2026 auf 9,9 Prozent heraufgesetzt habe. Sie begründete dies mit einer „extrem starken und sich verbreiternden Exportdynamik". Damit hebt Citi ihre bisherige Einschätzung spürbar an und signalisiert ein hohes Vertrauen in die wirtschaftliche Stärke der Inselrepublik.
Unterschiedliche Einschätzungen zur Inflation
Beim Inflationsausblick weicht Citi jedoch von der Einschätzung der taiwanesischen Zentralbank ab. Lui erwartet, dass die Verbraucherpreisinflation bis 2027 auf 2,2 Prozent steigen wird, da der inländische Inflationsdruck zunehme. Die Zentralbank Taiwans – auch bekannt als CBC (Central Bank of the Republic of China) – geht hingegen davon aus, dass sich die Inflation im nächsten Jahr abschwächen wird.
Citi hält an ihrer Einschätzung fest, dass die CBC im Dezember mit Zinserhöhungen beginnen wird. Die Bank prognostiziert dabei drei Zinsschritte um jeweils 12,5 Basispunkte – im Dezember dieses Jahres, im Juni 2027 sowie im Dezember 2027. Dies würde eine schrittweise geldpolitische Straffung bedeuten, um einem möglichen Inflationsanstieg entgegenzuwirken.
UBS sieht zusätzlichen Rückenwind durch geopolitische Entspannung
UBS-Ökonom William Deng hob die BIP-Wachstumsprognose seiner Bank für 2026 ebenfalls von zuvor 8 Prozent auf nun 9,9 Prozent an. Deng verwies dabei auf eine „noch stärkere Wachstumsdynamik" als bislang erwartet. Zusätzlich nannte er das jüngste Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran als positiven Faktor, der dazu beitragen sollte, globale Unsicherheiten zu verringern.
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Zur AktienanalyseIm Gegensatz zu Citi erwartet Deng jedoch, dass die CBC den Leitzins unverändert lassen wird. Er begründet dies mit einer effektiven Inflationsglättung durch die Regierung, einem moderaten inländischen Kreditwachstum sowie insgesamt moderaten Veränderungen der Immobilienpreise. „Falls erforderlich, glauben wir, dass die CBC selektive Maßnahmen ergreifen könnte, die auf bestimmte Wirtschaftsbereiche abzielen", so Deng.
Die unterschiedlichen Einschätzungen von Citi und UBS zur Geldpolitik verdeutlichen, dass trotz des gemeinsamen Optimismus beim Wachstum die Frage nach der künftigen Zinspolitik Taiwans unter Experten noch nicht abschließend beantwortet ist. Für Anleger, die in taiwanesische Aktien oder den Technologiesektor der Region investiert sind, bleibt die Entwicklung der Exportdynamik und der Zentralbankpolitik ein entscheidender Beobachtungspunkt.


