Close Brothers und Bank of Queensland im Analystencheck
Marktkommentare zu Entschädigungskosten, Portfolioverkäufen und Kapitalrückführungen bewegen Aktien deutlich.

Close Brothers hat bekannt gegeben, dass die Gesamtkosten eines Entschädigungsplans im Zusammenhang mit einer Untersuchung von Autokreditverträgen schätzungsweise nahe an dem bereits zurückgestellten Betrag liegen werden. Die Schätzung beläuft sich auf rund 320 Millionen Pfund – leicht über der bestehenden, ungenutzten Rückstellung von 294 Millionen Pfund. Entscheidend ist jedoch, dass die Summe weit unter der Verbindlichkeit liegt, die ein aktivistischer Investor prognostiziert hatte.
Das Analysehaus Keefe, Bruyette & Woods (KBW) wertet die Ankündigung als bedeutenden Fortschritt für die britische Spezialbank. „Obwohl wir anerkennen, dass es heute wichtigere Treiber für globale Aktienkurse gibt als Rückstellungen für britische Kfz-Finanzierungsentschädigungen, ist die Ankündigung von CBG eine wichtige positive Nachricht", schreiben die Analysten. KBW sieht erhebliches Aufwärtspotenzial für die Aktie, da sich der Nebel rund um die Verbindlichkeiten nun zu lichten beginne. Die Märkte reagierten prompt: Die Aktien von Close Brothers legten um 23 Prozent zu.
Bank of Queensland: Portfolioverkauf und Kapitalrückführung
Auch die australische Bank of Queensland (BOQ) steht im Fokus der Analysten. Morgan Stanley bewertet den geplanten Verkauf des gesamten Kreditportfolios, einen Aktienrückkauf über die Börse sowie eine Sonderdividende als positiv. Die Analysten Richard Wiles und Sally Hong erklären: „Die Transaktion und die Kapitalmanagement-Initiativen werden die Eigenkapitalrendite steigern, die Kapitalintensität des Wachstums verringern und den Refinanzierungsmix verbessern."
Die BOQ selbst erwartet durch die Maßnahmen eine Steigerung der Eigenkapitalrendite (ROE) um 15 bis 25 Basispunkte. Morgan Stanley schätzt den Effekt auf den Gewinn pro Aktie auf eine moderate Steigerung von weniger als 2 Prozent. Die US-Investmentbank stuft die BOQ-Aktie mit „Equal-weight" und einem Kursziel von 6,50 australischen Dollar ein. Am Dienstag schlossen die Papiere mit einem Plus von 6,9 Prozent bei 7,27 australischen Dollar.
Macquarie empfiehlt Sonderdividende als effizienteste Option
Hintergrund des Kapitalmanagements ist der Verkauf des Portfolios für Ausrüstungsfinanzierung im Wert von 3,7 Milliarden australischen Dollar an den Finanzdienstleister Challenger. Im Zuge dieser Transaktion hatte die BOQ eine Kapitalrückführung von rund 300 Millionen australischen Dollar angekündigt, ohne jedoch zu spezifizieren, ob diese als Sonderdividende oder als Aktienrückkauf erfolgen soll.
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Zur AktienanalyseDas Analysehaus Macquarie spricht sich klar für die Sonderdividende aus. Da die BOQ über ein erhebliches Guthaben an nicht genutzten Steuergutschriften – sogenannten Franking Credits – von mehr als 600 Millionen australischen Dollar verfüge, sei es die effizienteste Option, die gesamte Kapitalrückführung von 300 Millionen australischen Dollar in eine Sonderdividende zu leiten. Macquarie geht konkret von einer Sonderdividende von 0,45 australischen Dollar je Aktie im zweiten Halbjahr aus.
Für deutsche Anleger sind beide Fälle ein anschauliches Beispiel dafür, wie regulatorische Klarheit und strategische Kapitalmaßnahmen kurzfristig starke Kursimpulse auslösen können. Während Close Brothers von der Auflösung rechtlicher Unsicherheiten profitiert, setzt die Bank of Queensland auf eine Portfoliobereinigung und gezielte Ausschüttungen, um die Kapitaleffizienz zu steigern.

