ConocoPhillips streicht bis zu ein Viertel der Jobs
Ölpreisrückgang, steigende Kosten und sinkender Gewinn erzwingen massiven Stellenabbau

Der US-amerikanische Öl- und Gasproduzent ConocoPhillips will im Rahmen einer umfassenden Restrukturierung zwischen 20 und 25 Prozent seiner Belegschaft abbauen. Das gab ein Unternehmenssprecher bekannt, nachdem Konzernchef Ryan Lance die Pläne zuvor in einer Videobotschaft erläutert hatte. Betroffen sind damit zwischen 2.600 und 3.250 Mitarbeiter weltweit. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 13.000 Menschen. Die meisten Kündigungen sollen noch vor Jahresende ausgesprochen werden.
An den Finanzmärkten reagierte die Aktie von ConocoPhillips mit deutlichen Verlusten. Der Kurs sank um 4,5 Prozent auf 94,55 US-Dollar und damit stärker als der branchenweite S&P 500 Energy Index, der um 2,6 Prozent nachgab. Seit Jahresbeginn liegt der Anteilsschein des Unternehmens mit einem Minus von 4,7 Prozent im Rückstand, während der S&P 500 Energy Index ein Plus von 5 Prozent verzeichnet.
Hintergrund der Maßnahmen sind die fallenden Ölpreise, die in diesem Jahr mehrere Energieunternehmen unter Druck gesetzt haben. ConocoPhillips sieht sich wie andere große Produzenten gezwungen, die Kosten zu senken, Investitionen zu kürzen und Personal abzubauen. So hatte etwa Chevron bereits im Februar angekündigt, bis zu 20 Prozent der Stellen zu streichen. Auch Konzerne wie BP und SLB greifen zu ähnlichen Schritten.
In seiner Ansprache räumte Lance ein, dass die angekündigten Veränderungen für viele Mitarbeiter Unsicherheit bedeuteten. Gleichzeitig verwies er auf die gestiegenen Kosten: Während 2021 die kontrollierbaren Ausgaben pro Barrel bei 11 US-Dollar gelegen hätten, seien sie inzwischen auf 13 US-Dollar gestiegen. Insgesamt hätten sich die Kosten seitdem um rund zwei US-Dollar pro Barrel erhöht. Diese Entwicklung erschwere die Wettbewerbsfähigkeit.
ConocoPhillips hatte bereits im vergangenen Monat mehr als eine Milliarde US-Dollar an zusätzlichen Einsparpotenzialen identifiziert, um die Gewinnmargen zu verbessern. Diese Summe kommt zu den bereits erzielten Synergieeffekten von über einer Milliarde US-Dollar hinzu, die durch die Übernahme von Marathon Oil im Vorjahr erreicht wurden. Bis 2026 soll die Neustrukturierung abgeschlossen sein. Details zur neuen Führungsstruktur und Organisation will das Unternehmen Mitte September veröffentlichen.
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Zur AktienanalyseUnterstützt wird ConocoPhillips bei den laufenden Umstrukturierungen von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Das Projekt läuft konzernintern unter der Bezeichnung „Competitive Edge“. Am Donnerstag ist zudem ein Townhall-Meeting geplant, bei dem das Management weitere Einzelheiten vorstellen soll.
Der Konzern musste im zweiten Quartal einen Rückgang des Nettogewinns auf rund zwei Milliarden US-Dollar hinnehmen – den niedrigsten Wert seit Anfang 2021, als die Corona-Pandemie die Nachfrage stark einbrechen ließ. Der Ölpreis für US-Rohöl-Futures ist in diesem Jahr um etwa elf Prozent gesunken, da OPEC-Staaten und deren Partner die Fördermengen erhöht haben und um Marktanteile mit US-Produzenten konkurrieren.

