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Covestro kämpft mit niedrigen Verkaufspreisen

Übernahmegespräche mit Adnoc und Sparprogramm als Reaktion auf die Krise

Covestro kämpft mit niedrigen Verkaufspreisen

Der Kunststoffkonzern Covestro steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen aufgrund niedriger Verkaufspreise. Trotz einer gesteigerten Absatzmenge verzeichnete das Unternehmen im zweiten Quartal einen Rückgang des operativen Gewinns (Ebitda) um nahezu 17 Prozent auf 320 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 0,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Vorstandschef Markus Steilemann beschreibt das Marktumfeld als sehr herausfordernd.

Aufgrund dieser Entwicklungen hat Covestro seine Jahresziele nach unten korrigiert. Die Prognose für das Ebitda wurde auf bis zu 1,4 Milliarden Euro gesenkt, während zuvor noch 1,6 Milliarden Euro erwartet wurden. Die frei verfügbaren Mittel (Free Operating Cash Flow) werden nun zwischen minus 100 Millionen und 100 Millionen Euro prognostiziert, anstelle der vorher angestrebten Spanne von null bis 300 Millionen Euro.

Trotz dieser negativen Nachrichten konnte die Covestro-Aktie im frühen Handel kurzfristig um 1,1 Prozent zulegen. Dies könnte mit den Fortschritten in den Übernahmegesprächen mit dem Ölkonzern Adnoc aus Abu Dhabi zusammenhängen. Seit über einem Jahr ziehen sich die Verhandlungen um eine mögliche Übernahme hin. Anfangs bot Adnoc 55 Euro je Aktie, ein Preis, der von Management und Aktionären als zu niedrig angesehen wurde. Mittlerweile hat Adnoc den Preis auf 62 Euro je Aktie erhöht, und aus inoffiziellen Gesprächen sind nun offizielle Verhandlungen geworden.

Ende Juni öffnete Covestro seine Bücher für Adnoc, woraufhin Adnoc die Zahlen des Unternehmens prüft. Obwohl Analysten der Deutschen Bank anfangs davon ausgingen, dass dieser Prozess in zwei Wochen abgeschlossen sein könnte, dauert die Prüfung nun schon fast vier Wochen. Finanzvorstand Christian Baier sieht dennoch Fortschritte in den Verhandlungen und beschreibt die Gespräche als weiterhin sehr konstruktiv.

Gleichzeitig versucht Covestro, mit einem umfangreichen Sparprogramm auf die schwierige Marktsituation zu reagieren. Das im Juni angekündigte Programm "Strong" zielt darauf ab, bis 2028 weltweit jährlich 400 Millionen Euro bei den Sach- und Personalkosten einzusparen, davon 190 Millionen Euro in Deutschland. In Deutschland beschäftigt Covestro derzeit rund 7250 der insgesamt 17.000 Mitarbeitenden. Betriebsbedingte Kündigungen sind jedoch nicht geplant, da ein Vertrag zur Beschäftigungssicherung bis 2032 besteht.

Markus Steilemann betont, dass das Unternehmen durch die erhöhten Absatzmengen für eine einsetzende Erholung gerüstet sei. Die Einsparungen sollen die Voraussetzungen schaffen, um die führende Position auf dem globalen Markt weiter auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das Sparprogramm sei eine Reaktion auf ein sich rasant veränderndes Marktumfeld und stehe in keinem Zusammenhang mit den Entwicklungen in den Übernahmegesprächen mit Adnoc. Auch andere Unternehmen in der Branche, wie BASF und Lanxess, berichten von Preisdruck und versuchen mit Sparmaßnahmen gegenzusteuern. Wolfgang Große Entrup vom Verband der chemischen Industrie (VCI) wies darauf hin, dass die Branche von einem kräftigen Aufschwung noch weit entfernt sei.

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