Covestro-Übernahme rückt näher
EU-Auflagen umgesetzt, Berlin bereitet finale Freigabe für den Adnoc-Deal vor

Die Übernahme des Kunststoffherstellers Covestro durch den Staatskonzern Adnoc aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird voraussichtlich die letzten regulatorischen Schritte passieren. Die EU-Kommission hatte am Freitag nach intensiven Gesprächen der Transaktion unter Auflagen zugestimmt. Die Bundesregierung soll nach Informationen aus Branchen- und Regierungskreisen in Kürze nachziehen und die Freigabe ebenfalls erteilen.
Mit der Genehmigung durch Brüssel und dem erwarteten positiven Bescheid aus Berlin würde die rund zwölf Milliarden Euro schwere Übernahme wie geplant noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Es handelt sich um die bisher größte Übernahme eines deutschen Konzerns durch ein arabisches Staatsunternehmen. Die Auflagen der EU betreffen vor allem finanzielle Strukturen und den Umgang mit geistigem Eigentum. Adnoc verzichtet auf unbegrenzte Staatsgarantien und verpflichtet sich, Patente und Technologien von Covestro in Europa zu halten. Die geplante Kapitalerhöhung in Höhe von 1,2 Milliarden Euro kann umgesetzt werden, wogegen die EU keine Bedenken äußert.
Für das deutsche Prüfverfahren ist das Bundeswirtschaftsministerium zuständig. Dessen Leiterin Katherina Reiche reist in diesen Tagen an den Persischen Golf, wo Gespräche mit der Führungsspitze von Adnoc geplant sind. Im Umfeld des Besuchs könnte die Freigabe des Verkaufs bekannt gegeben werden. Auch Covestro-Chef Markus Steilemann hält sich kommende Woche in Abu Dhabi auf. Das Ministerium hat untersucht, ob sicherheitsrelevante Interessen betroffen sind. Sollten letzte Einwände ausbleiben, wird der Verkauf ohne Bedingungen gestattet.
Die Emirate gelten als wichtiger wirtschaftlicher Partner Deutschlands, insbesondere im Energiebereich. Bei den bevorstehenden Gesprächen beider Seiten soll daher auch die weitere Zusammenarbeit thematisiert werden. Auf EU-Ebene war es zuvor zu einem längeren Prüfprozess gekommen. Die Kommission hatte zahlreiche Unterlagen von Adnoc verlangt und das Verfahren zwischenzeitlich ausgesetzt. Vertreter des Konzerns kritisierten den Umfang der Anfragen, einigten sich später jedoch mit Brüssel auf Kompromisse. Ausschlaggebend waren Vorgaben der Drittstaaten-Subventionsverordnung, die potenziell verzerrende Vorteile aus staatlicher Finanzierung verhindern soll.
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Zur AktienanalyseNach der Freigabe können Adnoc und Covestro mit der konkreten Integration beginnen. Geplant ist, Covestro von der Börse zu nehmen und in die in Abu Dhabi ansässige XRG-Holding einzugliedern. Die Einheit dient Adnoc als Plattform für Investitionen außerhalb des Ölgeschäfts, darunter Chemie, erneuerbare Energie und Gas. Branchenkreise rechnen damit, dass Energiemanager Rainer Seele nach Abschluss der Transaktion in den Aufsichtsrat von Covestro einzieht.


