Cyberangriffe auf Wall-Street-Hedgefonds: Point72 und Citadel im Visier
Mehrere der größten Hedgefonds der Wall Street wurden Ziel koordinierter Voice-Phishing-Angriffe – die Branche ist in höchster Alarmbereitschaft.

Mehrere der mächtigsten Hedgefonds der Wall Street sind in den vergangenen Tagen Ziel einer Welle von Cyberangriffen geworden. Betroffen sind unter anderem Point72 des Milliardärs Steve Cohen, Citadel von Ken Griffin sowie Millennium Management. Die Vorfälle versetzen die gesamte Finanzbranche in höchste Alarmbereitschaft.
Bei den Angriffen handelte es sich laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen um sogenannte Audio-Phishing-Attacken – auch Voice-Phishing oder „Vishing" genannt. Dabei versuchen Kriminelle, durch Telefonanrufe und ähnliche Audiokommunikation an vertrauliche Informationen zu gelangen, indem sie sich als vertrauenswürdige Personen ausgeben.
Kriminelle gaben sich als interner Helpdesk aus
Bei mindestens einem der betroffenen Hedgefonds gaben sich die Angreifer als Helpdesk-Mitarbeiter der jeweiligen Firma aus. Ziel war es, Angestellte dazu zu bringen, ihre Zugangsdaten für Authentifizierungs-Apps preiszugeben. Diese Apps dienen als zusätzliche Sicherheitsebene beim Zugriff auf Unternehmenssysteme – sie gehen über einfache Benutzernamen und Passwörter hinaus und gelten eigentlich als robuster Schutz gegen unbefugten Zugriff.
Point72 leitete nach Bekanntwerden der Vorfälle umgehend eine interne Untersuchung ein, um festzustellen, ob tatsächlich in Systeme eingedrungen wurde. Das Unternehmen kontaktierte die Strafverfolgungsbehörden und zog externe Cybersicherheitsexperten hinzu. Per E-Mail informierte Point72 seine Anleger am Mittwoch darüber, dass nach aktuellem Kenntnisstand keine Kundeninformationen gestohlen wurden.
Bei Citadel hingegen schien es laut informierten Personen zu keiner tatsächlichen Sicherheitsverletzung gekommen zu sein. Eine dieser Personen betonte jedoch, dass die Anzahl der Phishing-Angriffe zuletzt deutlich zugenommen habe – auch wenn solche Attacken grundsätzlich keine Seltenheit seien. Alle betroffenen Unternehmen lehnten eine offizielle Stellungnahme ab. Zuerst hatte Bloomberg über die versuchten Angriffe berichtet.
Die betroffenen Hedgefonds zählen zu den größten und komplexesten Finanzinstituten der Welt. Sie betreiben hochentwickelte Risikosysteme mit vertraulichen Handelsinformationen und verwalten jeweils zweistellige Milliardenbeträge in US-Dollar. Genau das macht sie zu besonders attraktiven Zielen für Cyberkriminelle – ein erfolgreicher Angriff könnte enormen finanziellen und reputationsbezogenen Schaden anrichten.
KI befeuert das Cyber-Wettrüsten
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Zur AktienanalyseDie Vorfälle ereignen sich zu einem Zeitpunkt, an dem Künstliche Intelligenz die Bedrohungslage im Cyberraum grundlegend verändert. Sogenannte Frontier-KI-Modelle haben ein Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern ausgelöst: Böswillige Akteure nutzen neue KI-Fähigkeiten, um Angriffe zu verfeinern und zu skalieren, während Unternehmen und Regierungen nach neuen Abwehrstrategien suchen. KI senkt dabei die technische Einstiegshürde für Cyberkriminelle erheblich – selbst weniger versierte Akteure können damit potenziell erfolgreich in Unternehmensnetzwerke eindringen.
Eine Cyberabwehr-Gruppe bei Google veröffentlichte im Juni einen Bericht, der eine ähnliche Serie von Vorfällen bei Anwaltskanzleien und Finanzinstituten beschreibt. Auch dort nutzten Angreifer Telefonanrufe, um IT-Mitarbeiter zu imitieren und so Zugang zu sensiblen Systemen zu erlangen. Das Muster ähnelt stark den nun bekannt gewordenen Attacken auf die Hedgefonds.
Wall-Street-Konzerne haben in den vergangenen Jahren massiv in ihre Cybersicherheitssysteme investiert. Die jüngsten Vorfälle zeigen jedoch, dass selbst hochgerüstete Finanzinstitute nicht immun gegen den menschlichen Faktor sind – denn beim Voice-Phishing ist nicht die Technik das schwächste Glied, sondern der Mensch am Telefon. Ob die Angriffe von einer einzelnen Gruppe koordiniert wurden und wer dahintersteckt, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch unklar.


