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Das Geheimvokabular der Uhrensammler: Ein Glossar für Eingeweihte

Von „Bussdown" bis „Ghost Bezel": Autor Ben Schott entschlüsselt die geheimnisvolle Sprache der Uhren-Community für Neulinge und Kenner.

Das Geheimvokabular der Uhrensammler: Ein Glossar für Eingeweihte

Die Welt der Uhrensammler ist bekanntlich geheimnisvoll und fetischistisch – geprägt von einem Vokabular, das nur Eingeweihten vertraut ist. Wer nicht weiß, was eine „Super Rep" von einer „Bussdown" unterscheidet oder was eine „Ghost Bezel" mit einer „Cyclops" zu tun hat, steht schnell vor einem Rätsel. Der renommierte britische Autor Ben Schott, bekannt für seine enzyklopädischen Miszellen-Werke, hat nun ein umfassendes Glossar der Uhrensprache zusammengestellt – erschienen im wöchentlichen Newsletter der Financial Times, kuratiert von Chefredakteurin Roula Khalaf.

Schotts jüngstes Buch „Schott's Significa, A Miscellany of Secret Languages" (Penguin) widmet sich geheimen Sprachen – und die Horologie, also die Uhrmacherkunde, liefert dafür reichlich Material. Das Glossar ist eine Fundgrube für alle, die in die Welt der Zeitmesser eintauchen wollen, ohne sich zu blamieren.

Von der Entry Watch bis zum Gral

Am Anfang jeder Sammlerreise steht die sogenannte

Entry Watch

oder

Starter

– das erste Stück, mit dem die Leidenschaft beginnt. Am anderen Ende der Skala wartet die

Exit Watch

: eine Gral-Uhr, die eine Sammlung theoretisch vervollständigt. Der „Gral" ist dabei das ersehnte Traumstück, auf das viele Sammler jahrelang warten – manchmal buchstäblich, nämlich auf den erlösenden Anruf des Authorised Dealers (A.D.), bekannt als „I got the call!".

Zwischen Einstieg und Gral gibt es zahlreiche Kategorien: Die

G.A.D.A.-Uhr

(Go Anywhere, Do Anything) vereint Eleganz und Alltagstauglichkeit. Die

Tool Watch

hingegen wurde für einen spezifischen Zweck entwickelt – Tauchen, Fliegen oder Skifahren. Wer dagegen eine

Fashion Watch

trägt, priorisiert das Markenlogo über die Qualität, während eine

Mall Watch

schlicht für den Massenmarkt produzierte Mittelmäßigkeit darstellt.

Original, Replik und alles dazwischen

Ein zentrales Thema in der Uhren-Community ist die Debatte zwischen „Gen" (Genuine, also Original) und „Rep" (Replik). Eine

Super Rep

oder

Clone

ist eine hochwertige Replik, die durch Reverse Engineering eines Originals hergestellt wurde. Das Kürzel

N.W.B.I.G.

steht für „Not Worth Buying In Gen" – wenn die Replik so überzeugend ist, dass sich das Original kaum lohnt. Als

Reptard

bezeichnet man abwertend jemanden, der Repliken übermäßig hypt oder enttäuscht ist, wenn eine Replik nicht mit dem Original mithalten kann.

Eine

Franken-Uhr

ist dagegen ein Stück, das aus nicht originalen oder gefälschten Teilen zusammengebaut wurde – benannt nach Frankensteins Monster. Wer hingegen eine

Naked Watch

kauft, erhält sie ohne Box und Papiere, auch bekannt als „no mama, no papa".

Tragen, Zeigen, Sammeln

Das soziale Ritual rund ums Uhrentragen hat seine eigene Sprache entwickelt. Die

Daily Rotation

beschreibt jene Auswahl aus der Sammlung, die tatsächlich getragen wird. Der

Daily Driver

ist die robuste Alltagsuhr, die Stöße verträgt. Eine

Safe Queen

hingegen wird gehütet wie ein Schatz – ungetragen, als Investment.

Für die Präsentation gibt es ebenfalls eigene Begriffe: Der

Wrist Roll

ist ein horologischer Striptease, bei dem eine Uhr verführerisch für die Kamera gedreht wird. Der

Steering-wheel shot

zeigt die Uhr mit dem Logo eines Luxusautos im Hintergrund. Und der

Sex Pile

ist ein betont lässiger Haufen von Gral-Uhren, fotografiert, um Nonchalance zur Schau zu stellen.

Technik und Patina

Auch technische Begriffe haben ihren Platz im Glossar: Der

Tourbillon

ist ein rotierender Käfig für Hemmung und Unruh, der die Auswirkungen der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit verringern soll. Der

Cyclops

ist eine kleine Vergrößerungslinse über dem Datumsfenster, 1953 von Rolex eingeführt. Eine

Ghost Bezel

ist eine durch natürliche Abnutzung verblasste Lünette – bei einer Tool Watch oft als wünschenswerte Patina angesehen. Wer dagegen

Fauxtina

kauft, erwirbt künstlich hinzugefügte Patina, die Langlebigkeit und Authentizität vortäuschen soll.

Zu den begehrtesten Uhren der Welt zählen die sogenannten

Heavy Hitters

– eindrucksvolle und teure Klassiker aus der „Holy Trinity": Audemars Piguet, Patek Philippe und Vacheron Constantin. Wer eine

Bussdown

trägt, setzt dagegen auf protzigen Diamantenbesatz, oft von einem markenfremden Juwelier nachgerüstet.

Schotts Glossar endet mit einem klassischen Segenswunsch der Uhren-Community:

„Wear it in good health!"

– ein klischeehafter, aber herzlicher Wunsch für den neuesten Erwerb. Für alle, die tiefer in die Welt der geheimen Sprachen eintauchen möchten, empfiehlt sich Schotts aktuelles Buch „Schott's Significa, A Miscellany of Secret Languages", erschienen bei Penguin.

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