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DAX auf Rekordhoch: Geopolitik, Rohstoffe und ESG-Krise im Fokus

Während der DAX neue Höchststände erreicht, warnen Analysten vor technischen Überhitzungssignalen und geopolitischen Risiken für globale Märkte.

DAX auf Rekordhoch: Geopolitik, Rohstoffe und ESG-Krise im Fokus

Der deutsche Aktienmarkt befindet sich in einem Zustand vorsichtigen Optimismus. Der DAX hat zuletzt ein neues Allzeithoch markiert – doch Techniker bei Investing.com schlagen Alarm: Ein RSI-Wert von 77 sowie ein sogenanntes „Shooting Star"-Kerzenmuster deuten auf extreme Überkauft-Signale hin, die eine Rückkehr zum Mittelwert einleiten könnten. Trotz dieser Warnsignale bleibt die Unternehmensperformance ein zentraler Kurstreiber.

Bayer überzeugte mit starken Zahlen für das zweite Quartal und übertraf die Konsenserwartungen in den Bereichen Agrarwissenschaften und Pharma. Continental hingegen geriet unter Druck, weil das Unternehmen trotz eines deutlichen EBIT-Beats an seiner Jahresprognose festhielt. Lufthansa-Aktien gaben nach, nachdem der Konzern ein schwächeres zweites Quartal meldete und die Jahresprognose aufgrund von Treibstoffpreisvolatilität und Kapazitätsengpässen senkte.

Im Immobiliensektor bestätigte LEG Immobilien seine Ziele für 2026 und meldete einen Anstieg der Nettokaltmieten um 3,4 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen jedoch einen Rückgang des AFFO-Kennwerts um 12,7 Prozent infolge erhöhter Investitionsausgaben. CEO Lars von Lackum verwies auf ein schwieriges Transaktionsumfeld: Die geopolitische Volatilität – konkret die Blockade der Straße von Hormus – treibe Inflation und Energiekosten in die Höhe und dämpfe die Investitionsbereitschaft für große Immobilienportfolios.

Seltene Erden und Energiesicherheit: Deutschland setzt auf eigene Ressourcen

Ein zentrales Thema der deutschen Industriestrategie ist die Sicherung kritischer Rohstoffe. Das Startup Hades hat eine Explorationslizenz für das Seltene-Erden-Projekt Storkwitz in Sachsen erhalten. Das Vorkommen wird auf 38.000 Tonnen Seltene-Erden-Oxide und 8.000 Tonnen Niobpentoxid geschätzt. Hades, das 20 Millionen Euro Risikokapital eingeworben hat, plant den Einsatz der hauseigenen „Cerberus"-Laserbohrertechnologie, um die Kosten um mehr als 50 Prozent zu senken – und damit die Abhängigkeit von chinesischen Importen im Einklang mit dem EU-Gesetz über kritische Rohstoffe zu reduzieren.

Auch international rückt die Rohstoffsicherung in den Vordergrund. GreenX Metals hat sein Portfolio in Grönland ausgebaut und neue Lizenzen für Gold- und Wolframexploration gesichert. Valterra Platinum setzt unterdessen auf Künstliche Intelligenz, um neue Metalllegierungen zu entwickeln und den Bergbaubetrieb in der Mogalakwena-Mine zu optimieren. Das Unternehmen erwartet, dass die Nutzung von Platingruppenmetallen (PGM) im KI-Bereich in den nächsten acht Jahren um das Vier- bis Fünffache steigen wird. Zudem verfolgt Valterra ein Dekarbonisierungsziel von 30 Prozent bis 2030.

In Japan treibt die Energiesicherheit ebenfalls strategische Investitionen voran. Starlight Engine hat sein Budget für einen Fusionsprototyp auf 5 Milliarden US-Dollar erhöht und peilt einen Betrieb bis 2035 an. Hintergrund ist Japans 90-prozentige Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten – eine Verwundbarkeit, die durch aktuelle geopolitische Spannungen besonders deutlich wird.

Geopolitik belastet Energiemärkte und Investorenstimmung

Die diplomatischen Spannungen rund um die US-Iran-Verhandlungen beeinflussen weiterhin die globalen Energiepreise. Berichte über mögliche diplomatische Fortschritte ließen die Ölpreise am Montag deutlich fallen – doch die Märkte reagieren sensibel auf widersprüchliche Signale. Die US-Ölkonzerne Exxon und Chevron meldeten Rekordgewinne für das abgelaufene Quartal und gerieten damit in die Kritik von Donald Trump, der forderte, die Unternehmen sollten einen Teil dieser Gewinne an die Öffentlichkeit zurückgeben. Analysten sehen eine 35-prozentige Wahrscheinlichkeit für ein US-Ölexportverbot, sollten die Kraftstoffpreise weiter steigen.

Im Technologiesektor meldete Palantir einen Umsatzanstieg von 93 Prozent im Jahresvergleich, getragen von hoher Nachfrage nach KI-gestützter Verteidigungs- und Geheimdienstsoftware. In Europa stößt das Unternehmen jedoch auf Skepsis wegen seiner Abhängigkeit von US-Technologieplattformen. Nvidia prüft derweil den Einsatz von Speicheroptionen mit geringerer Kapazität für seinen Rubin-Ultra-KI-Chip, um branchenweiten Lieferengpässen entgegenzuwirken.

ESG-Fonds in der Krise: Schließungen überwiegen Neuauflagen

Der Markt für nachhaltige Fonds erlebt eine deutliche Kontraktion. Laut Morningstar-Daten übersteigen die Fondsschließungen in Europa die Neuauflagen im Verhältnis von fast fünf zu eins. Als Ursachen gelten regulatorischer Druck, schwache Performance und ein politischer Gegenwind gegen ESG-orientiertes Investieren. Asset Manager verlagern ihre Kommunikation zunehmend weg vom Narrativ des „die Welt retten" hin zu Themen wie Resilienz, Energiesicherheit und Risikomanagement.

Im breiteren Finanzumfeld stabilisieren sich die Anleiherenditen der Eurozone nahe Mehrjahreshochs, während Marktteilnehmer anhaltende Inflation gegen Erwartungen weiterer EZB-Zinserhöhungen abwägen. Bemerkenswert ist zudem eine seltene koordinierte Devisenmarktintervention: Die USA und Japan kauften gemeinsam Yen, um die Währung zu stabilisieren – ein Zeichen für den globalen Willen, die Volatilität angesichts sich verschiebender Geldpolitiken einzudämmen.

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