DAX durchbricht 25.200 Punkte – Industrieaufträge überraschen positiv
Der DAX setzt seine Rekordjagd fort und klettert im frühen Handel über die Marke von 25.200 Punkten. Aktuell notiert der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,3 Prozent, nachdem er am Vortag erstmals die psychologisch wichtige Schwelle von 25.000 Punkten durchbrochen hatte. In der Spitze erreichte der Index heute 25.122 Zähler – ein neuer Höchststand.
Die Rally kommt trotz schwacher Vorgaben aus den USA. "Offensichtlich beginnt das Börsenjahr saisonal bedingt mit frischem Kapital und mehr als einer Prise Optimismus auf eine wirtschaftliche Erholung", erklärt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. Die Charttechniker von HSBC sehen weiteres Potenzial und taxieren das nächste Kursziel bei 26.400 Punkten.
Allerdings warnt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorsbank, vor übertriebener Euphorie: "Der DAX ist weniger getrieben von harten Daten als von der Anlegerpsychologie. Mit immer weiter steigenden Kursen fürchten Investoren nun, den Anschluss zu verpassen, und erinnern sich an die ungebremste Jahresanfangsrally des Vorjahres." Wenn Stimmungen statt Fundamentaldaten den Takt vorgeben, steige auch das Risiko abrupter Gegenbewegungen, so Stanzl.
Positive Überraschung aus der deutschen Industrie
Von der Konjunkturfront kamen heute jedoch auch handfeste positive Nachrichten: Die deutsche Industrie erhielt im November den dritten Monat in Folge mehr Aufträge. Die Bestellungen wuchsen um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat – das größte Plus seit Dezember 2024.
Ökonomen zeigten sich beeindruckt: "Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt", kommentierte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er sprach von einem echten Zeichen für eine mögliche Trendwende. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, nannte die Zahlen eine Konjunkturüberraschung und erwartet, dass die Auftragseingänge in den kommenden Monaten vor allem auch von Rüstungsaufträgen geprägt bleiben werden.
Rüstungsbranche im Fokus
Genau diese Branche steht heute aus einem weiteren Grund im Mittelpunkt: US-Präsident Donald Trump kündigte drastische Maßnahmen gegen amerikanische Rüstungskonzerne an. Er will ihnen die Zahlung von Dividenden und Aktienrückkäufen untersagen. Auch die Gehälter der Spitzenmanager sollen gedeckelt werden.
Trump wirft den Unternehmen vor, nicht schnell genug ausreichend Militärausrüstung zu produzieren. Die Aufrüstung der USA gehe ihm zu langsam. Parallel dazu schlug der Präsident eine massive Erhöhung der US-Verteidigungsausgaben vor: Für 2027 sollen die Militärausgaben auf 1,5 Billionen Dollar steigen. Diese Ausgabenerhöhung werde es dem Land ermöglichen, das "Traum-Militär" aufzubauen, das das Land seit langem verdiene und das seine Sicherheit gewährleisten werde.
Die Ankündigungen treiben auch die Aktien europäischer Rüstungskonzerne an. Der europäische Branchenindex erreichte heute ein frisches Allzeithoch – Anleger setzen offenbar darauf, dass Europa seine Verteidigungsausgaben ebenfalls deutlich erhöhen wird.
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Zur AktienanalyseAusblick: Arbeitsmarktdaten im Fokus
Derzeit stützen die Hoffnung auf weiter sinkende Zinsen in den USA und rückläufige Ölpreise den Aktienmarkt. Ob die Rally in diesem Tempo weitergeht, hängt unter anderem von den morgen anstehenden monatlichen Arbeitsmarktdaten aus den USA ab. Der US-Jobmarkt ist von großer Bedeutung für die Geldpolitik der Federal Reserve und könnte die Zinsentwicklung maßgeblich beeinflussen.
Für deutsche Anleger bleibt die Situation ambivalent: Einerseits sorgen positive Konjunktursignale aus der heimischen Industrie für Zuversicht, andererseits warnen Experten vor einer überhitzten Stimmung, die anfällig für Rücksetzer macht. Eine ausgewogene Portfoliostruktur und ein kühler Kopf bleiben in diesem Umfeld besonders wichtig.


